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Konzertveranstalter hoffen auf einheitliche Regelungen

Hoffnungen ruhen auf „2G-Modell“

Münster/Hamburg

Die großen Konzertveranstalter wollten im Herbst eigentlich wieder durchstarten. Doch ein Flickenteppich an Regelungen und steigende Infektionszahlen sorgen für Unsicherheit und Irritationen. Jetzt setzt die Branche auf das 2G-Modell nach Hamburger Lesart. 

Von Carola Große-Wilde und Johannes Loy

Bis es solche Massen-Aufläufe wie in Wacken wieder gibt, wird es wohl noch eine Weile dauern. Corona und natürlich auch der Flickenteppich an unterschiedlichen Regelungen für Touren und Konzertveranstaltungen machen der Veranstaltungswirtschaft das Leben schwer. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Nach der Absage des kleinen Wacken-Festivals standen Doro Pesch die Tränen in den Augen. „Wir sind alle todtraurig“, sagte die Metal-Sängerin. „Das wäre dieses Jahr das größte Rock-Konzert geworden.“ Aber: Gesundheit gehe vor. Das ursprünglich vom 16. bis 18. September geplante Festival „Bullhead City“ mit bis zu 20.000 Fans pro Tag wurde aufgrund der aktuellen Corona-Entwicklung in der Region abgesagt. Zuvor war bereits das traditionelle Heavy-Metal-Festival mit rund 75.000 Fans erneut wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden. Auch andere Musiker wie Peter Maffay oder Steven Wilson mussten ihre für den Herbst geplanten Tourneen nochmals verschieben.

Dabei hatten sich die Konzertveranstalter so sehr auf einen Neustart im Herbst gefreut. Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird ihnen Corona erneut einen Strich durch die Rechnung machen. „Solange Kapazitäten eingeschränkt sind und es und Abstandsregeln gibt, machen Veranstaltungen wirtschaftlich keinen Sinn“, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, Jens Michow. Er fordert bundesweit einheitliche Regeln für seine Branche.

Das Theater Münster ist auch Spielort für private Kultur-Anbieter wie Schoneberg und Weverinck. Foto: Oliver Berg

„Wir hoffen, dass das Hamburger 2G-Modell eine Blaupause für alle anderen Bundesländer ist“, sagte Michow. Bei der 2G-Option, die von Samstag an in Hamburg möglich ist, können Veranstalter entscheiden, ob sie nur noch Geimpfte und Genesene einlassen, die dann weitgehend von den Corona-Einschränkungen befreit sind, oder ob sie weiter das 3G-Modell nutzen wollen. Dieses bezieht Getestete und damit Ungeimpfte ein.

Föderaler Flickenteppich

„Konzerttourneen werden allerdings erst dann wieder möglich sein, wenn es in Deutschland keinen Flickenteppich unterschiedlichster Regelungen gibt, sondern die Länder sich endlich auf ein einheitliches Öffnungsszenario einigen“, betonte Michow. Da PCR-Tests weitaus zuverlässigere Ergebnisse als Schnelltests lieferten, müsse es auch möglich sein, PCR-Getesteten den Zutritt zu Veranstaltungen ohne Kapazitätsbeschränkungen zu erlauben.

Rita Feldmann, Verwaltungsdirektorin des Theaters Münster Foto: OLIVER BERG

Ähnlich sieht es Dieter Semmelmann, Geschäftsführer von Semmel Concerts: „Die Veranstalter kämpfen im Moment mit einem föderalen Durcheinander von Verordnungen, die eine Durchführung von landesweiten Tourneen fast unmöglich macht“, sagte Semmelmann. „Wir brauchen eine klare Struktur und Planungssicherheit seitens der Politik – eigentlich auf Bundesebene.“ Wenn aufgrund der noch unzureichenden Impfbereitschaft und der aktuellen Infektionslage für eine Übergangszeit 2G gefordert würde, würde sein Unternehmen mitgehen.

Vorbild Großbritannien?

Auch Marek Lieberberg, Geschäftsführer von Live Nation, spricht sich für das 2G-Modell aus. „Hamburg hat mit dem 2G-Modell eine richtungweisende, überfällige Entscheidung getroffen, die Schule machen muss, damit die moderne Kultur nach ihrer unverschuldeten Zwangspause endlich wieder aufblühen kann“, sagte Lieberberg. In vielen Ländern, darunter Großbritannien und den USA, seien Live-Konzerte – meist ohne Einschränkungen – bereits wieder möglich.

Peter Schwenkow, Geschäftsführer der Deutschen Entertainment AG, erwartet – nach erfolgreichen Pilotveranstaltungen mit den Berliner Philharmonikern und der Potsdamer Schlössernacht – wieder Genehmigungen für den Herbst und damit auch viele Konzerte mit nationalen Künstlern. Das internationale Touring werde noch bis zum Frühjahr warten müssen.

Schoneberg plädiert für 2G-Regel

Konzertveranstalter Till Schoneberg aus Münster plädiert klipp und klar für eine 2G-Regel. „Wir müssen als private Veranstalter alles tun, dass sich bei unseren Konzerten niemand ansteckt.“ Anders als private Anbieter sind die Theater als öffentliche Kulturstätten offenbar gewillt, die 3G-Regel anzuwenden, also auch Getestete einzulassen. Auch für das Theater Münster soll mit Saisonauftakt am 4. September die 3G-Regel gelten. Wie Verwaltungsdirektorin Rita Feldmann erklärte, soll das Große Haus mit maximal 600 und das Kleine Haus mit 200 Personen besetzt werden. Spannend wird es, wenn das Theater als Vermieter für private Veranstalter wie Schoneberg auftritt. Hier laufen Abstimmungsgespräche. Schoneberg beharrt für seine Konzerte auf 2G, würde aber die Platzbeschränkung des Theaters akzeptieren. Zum Hygienekonzept des Theaters gehöre aber nun mal 3G, sagt Rita Feldmann.

Die Halle Münsterland tastet sich im letzten Quartal wieder an Großveranstaltungen heran. Am 10. Oktober soll die „Abba Tribute Show“ im Kongress-Saal über die Bühne gehen. Die große Halle ist am 27. Oktober für den Comedian Markus Krebs gebucht.

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