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Semesterabschlusskonzert des Jungen Sinfonieorchesters an der Universität

Mit emotionaler Sogkraft

Münster

Das Semesterabschlusskonzert des Jungen Sinfonieorchesters an der Universität Münster vereinte Werke von Richard Wagner und Camille Saint-Saëns. Ein emotionaler Abend.

Von Robin Gerke

Die Musikerinnen und Musiker unter der Leitung Bastian Heymels schufen einen kontrastreichen Klang-Kosmos. Cornelia Ptassek (l.) spannte sehnsuchtsvolle Bögen in den Wesendonck-Lieder Foto: Robin Gerke

Im Vergleich mit Richard Wagners anderen Ouvertüren, die ein Dasein als populäre, effektvolle Konzertstücke fristen, wirkt das Tristan-Vorspiel geradezu widerborstig. Schmerzhaft-sehnsüchtig strebt die Musik nach Auflösung, die nicht wie im Tannhäuser oder Lohengrin stets nach wenigen Takten in wuchtigen Blechklängen stattfindet. Stattdessen ein stetiges Wogen, eng verwobenes Licht und Dunkel, entwickelt aus dem Vier-Ton-Enigma f-h-dis-gis. An diesem stürmischen Samstagabend in der Überwasserkirche entsteht ein emotionaler Sog, der das Vorspiel und die Wesendonck-Lieder durchzieht und das Publikum erst mit dem Ausklang des Liebestodes wieder loslässt. Fein ausgestimmte Holzbläser-Akkorde, präsentes, nie ausbrechendes Blech und differenzierte Dynamik in den Streichern lassen das Motto klang.rausch zu keinem Zeitpunkt als leere Worthülse dastehen.

Sehnsuchtsvolle Bögen spannt Cornelia Ptassek in den Wesendonck-Liedern, einem Teil des Tristan-Mikrokosmos. Dunkel und intensiv spürt sie dem emotionalen Gehalt der Lieder nach, die mit dem Vorspiel und Liebestod das gesamte Musikdrama auf kleinstem Raum erfahrbar machen. Erst der tosende Applaus bricht den Bann, den sie und die Musikerinnen und Musiker unter Bastian Heymel geschaffen haben.

Als Gegenpol zu diesem Wendepunkt der Musikgeschichte, der gleichermaßen fasziniert und herausfordert, steht Camille Saint-Saëns’ Orgelsinfonie, die wie Wagners Tristan einer winzigen Keimzelle, in diesem Fall dem Beginn des gregorianischen Dies irae, entspringt. Auch wenn die „Königin der Instrumente“ das musikalische Geschehen nicht von vorne bis hinten begleitet, prägt sie unter den Fingern von Thomas Schmitz den Eindruck, den das Publikum mit nach Hause nimmt. Dröhnend bis strahlend wird die Musik eine ganzkörperliche Erfahrung. Aber auch den subtilen, wunderbar französischen Humor arbeitet das Junge Sinfonieorchester aus diesem gänzlich außergewöhnlichen Werk heraus.

Dem monumentalen Schlussakkord folgt ein Moment ergriffener Stille, der gerne länger hätte dauern können. Für die minutenlangen Standing Ovations bedankt sich das Ensemble mit Edward Elgars Nimrod aus den Enigma-Variationen.

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