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Saison-Auftakt im Bagno

Virtuose Cellistin öffnet neue Räume

Steinfurt

Endlich: Die Bagno-Konzert-Saison hat begonnen. Mit voller Bestuhlung und einem fast zu 100 Prozent geimpften Publikum. Das Dogma Chamber Orchestra und die Cellistin Laura Moinian lieferten dazu einen Saisonstart nach Maß.

Von Hans Lüttmann

Cellistin Laura Moinian und das Dogma Chamber Orchestra Foto: Lüttmann

Seltsam, wie sich „normal“ wieder anfühlt, „irgendwie nackt“, sagte Matthias Schröder, künstlerischer Leiter der Bagno-Konzerte, zum Auftakt der neuen Konzertsaison, die nach mehr als anderthalb Jahren wieder mit voller Bestuhlung begann, auf der ein beinahe 100-prozentig zweifach geimpftes Publikum saß – und Besonderes erlebte, darunter eine bewundernswerte Premiere.

Zunächst das Dogma Chamber Orchestra, von dem es heißt, dass es ihm nicht um glattpolierte Ästhetik, sondern um die Suche nach inhaltlich neuen Wegen. Die Streicher spielten einen soliden Mozart, einen gefühlvollen Haydn und einen fulminanten Tschaikowsky, „den ich wohl schon im Bauch meiner Mutter gehört habe“, sagte Orchestergründer Mikhail Gurewitsch über die Serenade. „Gefühlsmusik“ nannte Tschaikowsky sie selber und wusste, wie man Musik schreibt, mit der man in den Himmel entschwebt. Die setzte „Dogma“ so überzeugend um, dass die begeisterten Zuhörer liebend gerne noch mehr als diese zwei Zugaben herbeigeklatscht hätten. „Dogma“ verdelte den Saisonauftakt mit einem Ständchen und einer Fuge, in der das gypsy-jazzige Feeling eines Schnuckenack Reinhardt mitschwang.

Mittel- und Höhepunkt des Konzertabends aber war der Auftritt der jungen Cellistin Laura Moinian, die das erste der beiden bekannten Cellokonzerte von Haydn erstmals vor Publikum spielte. Mit seinem C-Dur-Konzert hat Haydn den Cellovirtuosen einige Zumutungen mit auf den Weg gegeben; der rasante dritte Satz gehört zum Schwersten, was die Cello­literatur zu bieten hat. Aber die erst 27-jährige deutsch-iranische Musikerin versprühte nicht nur Charme und Präsenz und einen warmen, samtigen, seidenweichen Ton ihres Cellos, sondern vor allem eine zupackende Präzision mit einem souveränen Duktus, der ihr modernes, leidenschaftliches Virtuosentum entfaltet und imaginäre Räume öffnet.

Wie Laura Moinian den Ton veredelt, wie sie neben Höchstgeschwindigkeitssequenzen zarte Übergänge gestaltet, mit dem Cello Weichzeichnereffekte erzeugt, das ist nicht mehr weit weg von Sol Gabetta oder Camille Thomas; handwerklich exzellent und höchst erstaunlich.

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