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Kunstmuseum Pablo Picasso Münster präsentiert Künstler-Plakate

Wunderbare Visitenkarten

Münster

Kunstplakate sind auch Kunst. Auch wenn sie Kunst und Kommerz vereinigen. Wie kunstvoll Plakate sein können, verrät eine neue Ausstellung im Picasso-Museum in Münster. Mit Plakaten von Picasso bis Pollock.

Von Johannes Loy

Diese farbenfrohen Plakate warben einmal für Ausstellungen mit Werken von Henri Matisse. Foto: Christoph Steinweg

„The show must go on“, sagt Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller. Angesichts der zurzeit niedrigen Inzidenzwerte und der farbenfrohen Plakatausstellung im Picasso-Museum passt die bewährte Entertainer-Weisheit ganz gut in diese kulturell zunehmend aufgeheiterten Sommermonate. Wobei Vorsicht, Abstand und Maske auch weiterhin Voraussetzung für den Besuch im Haus am Picassoplatz in Münster sind.

Nun könnte man meinen, dass „Plakate“ vielleicht eher eine inflationäre oder gar minderwertige Kunstgattung sind. Weit gefehlt, wie Markus Müller und der Kunstsammler Jork Huizinga, im Pressegespräch betonen. Denn die Künstler legten ja nicht selten selber mit Hand an, wenn es galt, Lithographien als Werbeträger anzufertigen. In den öffentlichen Räumen der Städte sollten diese wie eine „Galerie der Straße“ das kunstsinnige Volk in die Ausstellungen locken.

Es lag mithin nahe, dass die Künstler im Zusammenspiel mit den Galeristen im Zweifel die schönsten und farbkräftigsten Motive aussuchten, um das Auge des Betrachters zu erreichen. „Die Galerie der Straße – Plakatkunst. Von Picasso zu Pollock“, so der Titel der Schau in Münster, vereint nun rund 90 Plakate, mit denen in den 1950er- bis 1980er-Jahren Präsentationen von großen Künstlern wie Marc Chagall, Henri Matisse, Joan Miró und Pablo Picasso beworben wurden. Auch die amerikanische Avantgarde ist mit Jackson Pollock und Keith Haring in der Schau vertreten. Die farbenfrohen Werke der Sammlung KÖNA (besser bekannt unter dem Firmennamen Gautzsch) werden übrigens erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Für diese Sammlung, die sonst zahlreiche Büros und Flure der Firmengruppe schmückt, ist Jork Huizinga, der Sohn von Gert Huizinga (1927-2018), verantwortlich. Vater Huizinga hatte 1997 seine Sammlung von 722 Lithografien Picassos in die neu gegründete Sparkassenstiftung „Pablo Picasso“ eingebracht und damit den Grundstock für das Picasso-Museum in Münster gelegt. Die aktuelle Ausstellung ist wirklich etwas für das Auge: Die immer wieder motivisch vorherrschenden Vögel von Georges Braque, die Stiere und Porträts von Picasso, die verruchten Damen von Henri de Toulouse-Lautrec, die biblischen Motive von Marc Chagall, alles das leuchtet dem Betrachter im Picasso-Museum in üppigen Farben entgegen. Zuweilen legten die Künstler, wie etwa Henri Matisse, auch bei der Beschriftung des Plakates selber mit Hand an. Und so wurde das Plakat als aufwendige Lithographie in seinen ersten noch veränderbaren Drucken zum begehrten Kunst- und Sammlerobjekt mit entsprechend hohem Wert.

In der zweiten Etage der Ausstellung gelingt der Sprung von Frankreich über den Teich nach Amerika. Keith Harings tanzende Männchen und Jackson Pollocks innovative Malformen wissen den Blick zu fesseln.

Die Wiege des Kunstplakats stand übrigens im Paris der Belle Époque. Schon in den 1890er-Jahren wurde das künstlerisch gestaltete Plakat zum Sammlerobjekt. Entsprechend der französischen Bezeichnung für diesen Werbeträger („Affiche“) kam es sogar zu einem Plakatwahn (Affichomanie). Die Plakate entstanden vornehmlich als Lithografien in der Pariser Druckerei Mourlot, die auch eine Dépendance in New York eröffnete. Damals wie heute gilt: Das Plakat ist ein eigentümliches Mischwesen zwischen Kunst und Kommerz.

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