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Ruhrfestspiele streamten „Sacre“ des Circa-Ensembles

Zwischen Ausdruckstanz und Artistik

Recklinghausen

Im vergangenen Jahr fielen die Ruhrfestspiele aus. In diesem Jahr finden sie dank ausgefuchster Planung statt: zunächst noch digital, im Juni aber womöglich schon wieder vor realem Publikum.

Harald Suerland

Mit artistischer Körperlichkeit beeindruckten die Mitglieder des Circa-Ensembles aus Australien in ihrem „Sacre“. Foto: David Kelly

Igor Strawinsky legendäres Ballett „Le Sacre du Printemps“ bleibt eine Herausforderung fürs Musik- und Tanztheater – von Pina Bausch über Hans Henning Paars faszinierenden Abend „Homo sacer/Sacre“ in Münster bis hin zu den Aufführungen bei der Ruhrtriennale reicht das Spektrum der Interpretationen. Die Ruhrfestspiele in Recklinghausen, die derzeit auf die Chance warten, aus der digitalen wieder in die analoge Welt zurückzukehren, haben jetzt ihren „Sacre“ nachgeholt, der im vergangenen Jahr bei den Festspielen uraufgeführt werden sollte. Das australische Ensemble „Circa“ hatte die Produktion nach dem Ausfall des Festivals herausgebracht, so dass jetzt mit einer gestreamten Videoaufzeichnung der ursprüngliche Plan coronagemäß variiert werden konnte.

Wieder einmal wurde dem gut halbstündigen Strawinsky-Stück eine Ergänzung vorangestellt, hier war es eine in rätselhaft düsteren Klangsphären raunende Komposition von Philippe Bachman. Eine interessante Erfahrung dabei ist, dass die einstigen Skandalklänge des russischen Jahrhundertkomponisten, die nun aus Bachmans Klängen hervorwuchsen, zumindest im ersten „Sacre“-Teil geradezu liebenswert daherkamen.

Die Version aus Australien strahlt auf den ersten Blick eine gewisse Beliebigkeit aus. Was gewiss damit zusammenhängt, dass es sich hier um eine Zirkusaufführung im weitesten Sinne handelt: Unter dem Intendanten Olaf Kröck hat sich das Festival ja den Schwerpunkt „Neuer Zirkus“ auf die Fahnen geschrieben. Und dazu gehört diese Kreation von Yaron Lifschitz und dem Circa-Ensemble. Sie zeigt auf mitunter staunenswerte Weise, wie nah anspruchsvolle Artistik und zeitgenössisches Tanztheater einander sein können.

Zwar erscheint die Suche nach einer äußeren Handlung in dieser Produktion wenig zielführend. Doch in der Begegnung von Individuum und Gruppe entstehen spannungsvolle Szenen. Bisweilen werden einzelne Bewegungen von allen zehn Mitwirkenden auf der Bühne übernommen, dann wieder ergeben sich klassische artistische Momente wie die Menschentürme.

Der Purismus dieses ganz auf die Artisten konzentrierten Abends mag ihn noch einigermaßen geeignet für das Streaming-Format anmuten lassen. Und doch ist es gerade bei einer solchen Aufführung mit menschlicher Interaktion auf der Bühne kaum mehr als ein Behelf.

Die Ruhrfestspiele werden das Festival bis zum 31. Mai weiterhin digital gestalten und einen Wechsel zu Live-Veranstaltungen, sofern es die Inzidenzwerte zulassen, ab dem 1. Juni zu planen.

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