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Handwerk

Lieferprobleme sorgen im Münsterland für steigende Preise und Materiallücken

Münster

Das Handwerk hat viel zu tun, wenig Material und steht vor großen Aufgaben – auch im Münsterland. Bei der Energiewende sind die Betriebe stark gefragt.

Von Jürgen Stilling

Vor allem im Bau- und Ausbaugewerbe ist die Auftragslage glänzend. Foto: dpa

Beim Klimaschutz und der Energiewende hat das Handwerk künftig eine Schlüsselrolle – davon ist der Präsident der Handwerkskammer (HWK) Münster, Hans Hund, fest überzeugt. Bei der Vorstellung der Ergebnisse der aktuellen HWK-Konjunkturumfrage freute sich Hund schon aktuell über einen spürbaren Aufschwung. „Doch es herrscht eine vorsichtige Skepsis vor“, berichtete Hund. Die wieder aufflammenden Corona-Pandemie und massive Lieferengpässe trüben die Stimmung der Branche – auch im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region, die gemeinsam den HWK-Bezirk Münster bilden.

Hauptgeschäftsführer Thomas Banasiewicz beschrieb eine dramatische Lage beim Einkauf von notwendigem Material. „Seit Pandemiebeginn waren die Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten, Rohstoffen und Materialien im Handwerk noch nie so massiv wie derzeit“, berichtete Banasiewicz. 93 Prozent der Handwerksbetriebe in der Region hätten Beeinträchtigungen durch Lieferengpässe gemeldet. 34 Prozent seien sogar stark bis sehr stark betroffen, so der Hauptgeschäftsführer der Kammer.

Kräftiger Preisanstieg

Das hat Folgen für die Verbraucher: „Im Schnitt warten Kunden des Handwerks neun Wochen, bis sie an der Reihe sind. Das sind zwei Wochen länger als im Vorjahr beziehungsweise zwei Tage länger als vor Corona“, erklärte Hund. Am längsten müssten die Verbraucher auf Leistungen des Bauhauptgewerbes (15,3 Wochen) und des Ausbaugewerbes (11,5 Wochen) warten.

Doch nicht nur die Geduld der Kunden wird arg strapaziert, auch lässt laut Banasiewicz der Materialmangel gepaart mit einer allgemein anziehenden Inflation die Preise für Handwerksleistungen kräftig steigen. Und ein Ende der Liefermisere ist nicht in Sicht: „Da gebe ich keine Prognose ab“, sagte Hund und deutete einen eher langen Zeitraum mit Engpässen an.

Dennoch beurteilt die knappe Mehrheit der Betriebe (52 Prozent) ihre Geschäftslage mit „gut“. 13 Prozent finden die Lage „schlecht“ und 35 „befriedigend“. Damit setze sich die Konjunkturerholung nach dem Lockdown im Frühjahr fort, so der HWK-Präsident. Der Geschäftslageindikator, der die aktuelle Situation und die Zukunftserwartungen zusammenfasst, erreichte 116,9 Prozentpunkte. Das ist ein Plus von 5,5 Punkten gegenüber Herbst 2020.

Mangel an Fachkräften

Die anziehende Konjunktur verschärft laut Hund in vielen Gewerken wieder den Mangel an Fachkräften. „Offenbar konnten bei Weitem nicht alle offenen Stellen mit zusätzlichen Mitarbeitern besetzt werden“, betonte Hund. Banasiewicz konnte dem allerdings ein erfreulichen Zuwachs der Ausbildungsverträge um vier Prozent auf 5241 entgegensetzen (Stand: 31. Oktober).

In den beiden Teilregionen des Kammerbezirks entwickelt sich die Konjunktur in unterschiedlichem Tempo: Im Münsterland geht es 54 Prozent der Befragten „gut“, 35 Prozent „befriedigend“ und lediglich elf Prozent „schlecht“. Der Geschäftslageindikator erreicht hier 119,2 Prozentpunkte (plus 7,2 Punkte). In der Emscher-Lippe-Region liegt der Anteil der Betriebe mit „guter“ Geschäftslage lediglich bei 43 Prozent, der Geschäftslageindikator beträgt nur 109,1 Prozentpunkte (minus 0,5 Punkte).

Während es dem Bau- und die Ausbaugewerbe, wo 64 bzw. 66 Prozent „gute“ Geschäfte melden, am besten geht leiden die personenbezogenen Dienstleister nach wie vor unter dem zurückhaltenden privaten Konsum.

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