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Manager des „Hansa-Group-Konzerns“ müssen ins Gefängnis

Längster Prozess in Landgerichtsgeschichte beendet

Münster

62 Bände mit über 15.000 Seiten, 260 Beweismittelordner und Sonderbände, 214 Verhandlungstage – die Erleichterung am Landgericht in Münster dürfte groß gewesen sein, dass der BGH die Revision der Angeklagten im „Hans-Group-Verfahren“ abgelehnt hat. Jetzt müssen die vier Angeklagten ins Gefängnis.

- oh/werd-

Das Luhns-Werk, in dem flüssige Wasch- und Reinigungsmittel hergestellt wurden, geriet 2017 in den Mittelpunkt eines Wirtschaftsdramas, an dessen Ende ehemalige Manager wegen Betrugs verurteilt wurden. Nun ist das Urteil rechtskräftig. Das Luhns-Werk, in dem Foto: oh

Vier Angeklagte, die das Landgericht Münster nach seinem längsten Strafverfahren zu bis zu acht Jahren Haft verurteilt hat, sind mit ihren Revisionen vor dem Bundesgerichtshof gescheitert. Das Gericht verwarf ihren Antrag als unbegründet. Das hat das Landgericht Münster am Mittwoch berichtet. Damit ist das Urteil des Landgerichts rechtskräftig.

Die beiden Hauptangeklagten, zwei Brüder aus Düsseldorf und Duisburg, hatten den „Hansa-Group-Konzern“ aus Münster geleitet. Dazu gehörte unter anderem der Reinigungsmittelproduzent Luhns aus Wuppertal mit Standort in Greven und die Chemie-Fabrik Wibarco Ibbenbüren. Die beiden weiteren Angeklagten waren in dem Konzern als Geschäftsführer und als zwischenzeitlicher Geschäftsführer tätig. Die Verurteilten hatten Scheingeschäfte in die Bilanzen des börsennotierten Konzerns gemogelt und Bankkredite von 12,5 Millionen Euro erschlichen.

Verurteilte mogelten Scheingeschäfte in Bilanzen

Das Gericht hatte zwischen Januar 2017 und November 2019 an 214 Verhandlungstagen über 220 Zeugen vernommen und vier Sachverständige angehört. Im November 2019 hat es zwei Hauptangeklagte wegen Betrugs zu jeweils acht Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Ibbenbürener muss viereinhalb Jahre und ein Wuppertaler zwei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis.
Die Auslagen des Gerichts für die Verhandlung belaufen sich laut Landgericht auf 850 000 Euro. Die Chancen, dass der Staat das Geld zurückbekommt, stehen gut: So wurden zur Sicherung der Prozesskosten Bankguthaben, Goldbarren und ein Sportwagen sichergestellt.

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