1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Lottomillionäre bekommen zwei Berater

  6. >

Vorwürfe gegen Westlotto

Lottomillionäre bekommen zwei Berater

Münster

Die Vorwürfe gegen Westlotto waren so groß, dass das Unternehmen eine Kanzlei beauftragt hat. Sie sollte klären, ob bei der Betreuung von Lottomillionären getrickst wurde. Am Dienstag gab das Unternehmen die Ergebnisse bekannt.

Stefan Werding

Westlotto will Lottomillionäre in Zukunft nicht mehr von einzelnen Gewinnerbetreuern beraten lassen. Nach den Vorwürfen gegen einen mittlerweile entlassenen Mitarbeiter, Einladungen zu Fußballspielen und Präsente von einer Privatbank angenommen und Lottogewinner an einen persönlich bekannten Kollegen der Merck Finck Bank vermittelt zu haben, müssen in Zukunft immer zwei Westlotto-Mitarbeiter mit den Gewinnern sprechen. Das sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag in Münster. Außerdem fänden die Gespräche nur noch in den Räumen von Westlotto in Münster statt. Zusätzlich solle überwacht werden, ob es zu auffälligen Zahlungen an vereinzelte Bankhäuser komme.

"Wettbewerbswidrige" Empfehlungen

Das sind die Konsequenzen eines Gutachtens, das Westlotto bei einer Kanzlei in Auftrag gegeben hat, die in Fragen der Regeltreue („Compliance“) besonders erfahren ist. Deren Ergebnis: Bis 2002 hat WestLotto Lottogewinnern systematisch die Eröffnung eines Kontos bei der Westdeutschen Landesbank Girozentrale (WestLB) empfohlen, ab 2013 bei der Privatbank Merck Finck. Damals ging der Geschäftsbereich „Private Banking“ der WestLB auf Merck Finck über. Das beurteilt die Kanzlei als „wettbewerbswidrig“. Als staatliche Lotteriegesellschaft sei WestLotto bei geschäftlichen Empfehlungen nicht frei. Sie müssten „durch einen sachlichen Grund gerechtfertigt sein“. Der sei aber für das damalige Verfahren „nicht ersichtlich“. Laut Gutachten liegen aber keine Anhaltspunkte für Provisionszahlungen von der WestLB, Merck Finck oder anderen Banken an WestLotto oder einzelne Mitarbeiter von WestLotto vor.

Der inzwischen entlassene Mitarbeiter habe gegen die internen Regelungen zur Annahme von Zuwendungen verstoßen. Merck Finck habe ihn in die Fußball-Bundesligastadien nach München und Dortmund eingeladen – teilweise mit Familienangehörigen und inklusive Reise- und Übernachtungskosten.

Das Gutachten liegt der Staatsanwaltschaft in Münster vor. Ein Sprecher erklärte, dass die Vorwürfe zurzeit „allumfassend“ geprüft würden. Davon hänge ab, wie das Verfahren weiter zu laufen habe.

Startseite