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Wetter

Hitzewelle im Münsterland: Der Sommer bleibt bis September

Münsterland

Der Sommer 2022 bleibt heiß. Die Temperaturen liegen im Münsterland auch am Wochenende konstant über 30 Grad. Die Prognose des Deutschen Wetterdienstes: Es soll noch länger warm bleiben.

Von Ralf Repöhler und Markus Grafenschäfer

Der Hochsommer bleibt dem Münsterland noch etwas erhalten: Auch in den kommenden Tagen liegen die Temperaturen bei mehr als 30 Grad. Foto: IMAGO/Jan Eifert (Symbolbild)

Die Ferien sind vorbei – der Sommer bleibt. Und zwar bis in den September. „Erst dann werden sich die Temperaturen abkühlen“, sagt ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes gegenüber unserer Zeitung voraus. Am Wochenende bleibt es bei über 30 Grad, Regen ist nicht in Sicht. So heiß wie im Juli, als im Münsterland knapp 40 Grad gemessen wurden, wird es aber nicht werden.

Kein Wölkchen am Himmel, seit Tagen kaum Regen, allenfalls an den Küsten. Der Sommer 2022 droht der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zu werden. „Es ist ein warmer Sommer mit extrem wenig Niederschlag“, bestätigt der Sprecher. Seine Prognose: Es wird so bleiben.

Tropische Nächte im Münsterland erwartet

Grund sei eine lang anhaltende Hochdrucklage. Die Temperaturen steigen im Münsterland noch mindestens bis Sonntag über 30 Grad. Noch kühlt es sich nachts ein wenig ab. Doch ab dem Wochenende drohen auch in der Region tropische Nächte. Das heißt, die Temperaturen fallen nicht unter 20 Grad.

Das Münsterland ist mit bislang 28 bis 30 Grad im Deutschlandvergleich vorne dabei, allerdings nicht an der Spitze. Im Rheinland, vor allem an Niederrhein, sei es in NRW noch wärmer. „Seit Donnerstag allerdings wird es jeden Tag einen Tick wärmer“, sagt der Wetterexperte voraus.

Regen, Gewitter – und trotzdem mehr als 25 Grad

Warme Luftmassen aus ­Afrika heizen Europa auf und erreichen auch NRW. „Die warme Luft wird uns erhalten bleiben“, sagt der Sprecher. Bis Mitte kommender Woche sei kein Ende in Sicht, auch wenn das Wetter in der neuen Woche wechselhafter werde. Es kommt zu Tiefdruckeinfluss. Trotz Regens und Gewittern werde es bei Temperaturen über 25 Grad schwül. „Nach dem bisherigen Verlauf des Sommers wird es bis in den September warm bleiben“, sagt der Experte des Deutschen Wetterdienstes voraus. Erst dann werde die Sonne schwächer und es komme zu Abkühlungen.

Kommentar: Mehr als Sommer

Wer die Rollläden unten und den Ventilator laufen lässt, kommt mit tagelangen Temperaturen um die 30 Grad zurecht. Allerdings: Gerade große Städte sind dafür nicht gemacht. In den versiegelten Zentren steht die Hitze. Zu viel Beton, zu wenige Bäume, zu viele Parkplätze, zu wenig Parks: In Deutschland fehlen zumeist kommunale Aktionspläne, um sich im Sommer vor immer mehr Hitzetagen – allerdings auch vor Starkregen – zu schützen.

Der Sommer 2022 wird vielleicht der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sein. Der Klimawandel lässt die Natur brennen. In England werden erstmals mehr als 40 Grad gemessen, Frankreich trocknet aus, die Gletscher in den Alpen schmelzen so schnell wie nie. Die meisten Deutschen sind wegen Hitzewellen und Extremwetterereignissen besorgt. Jede(r) Vierte gibt in einer Umfrage an, gesundheitliche Probleme wegen der hohen Temperaturen zu haben. Es sind vor allem Ältere und Kranke, für die gerade nicht nur die Sonne scheint. (rr)

Dass es so konstant über mehrere Wochen warm bleibt, „haben wir längst nicht jeden Sommer“, sagt der Experte. Durch die Hitzeperiode wird der Sommer 2022 laut Jürgen Schmidt vom Dienst „Wetterkontor“ als „extrem“ eingestuft. „Zwölf heiße Tage gab es bereits im Juni und Juli, nun kommen noch einmal sechs dazu“, so Schmidt. Im vergangenen Jahr habe es dagegen nur vier gegeben. Selbst der Jahrhundertsommer von 2003 sei bereits übertroffen. „Von den heißen Tagen her wird dieser Sommer Erinnerungen an 2018 und 2019 wecken“, so der Diplom-Meterologe.

Im vergangenen Jahr war es immer wieder zu längeren Regenperioden und letztlich auch zu Überschwemmungen gekommen. Grundursache ist auch aus Sicht des Wetterdienstes der vielzitierte Klimawandel. Alle Jahreszeiten werden wärmer – der Sommer, aber auch der Winter, wo im Münsterland kaum noch Schnee fällt.

In einigen Regionen wird das Trinkwasser knapp

Die Temperaturen im Juli waren im Schnitt 2,3 Grad zu hoch. Bundesweit fiel nur halb so viel Regen wie sonst üblich. In einigen Regionen, wie aktuell etwa in Hessen, wird inzwischen sogar das Trinkwasser knapp, für NRW soll das noch nicht gelten.

In diesem Sommer gab es bislang nur knapp über 100 Liter Regen pro Quadratmeter. Normal sind in deutschem Sommer knapp 250 Liter. Der Negativrekord liegt bei 130 Litern aus dem Sommer 2018. Die Waldbrandgefahr, auch im Münsterland, wird täglich größer.

"40 Grad in Deutschland werden zur Regel"

Sommer mit Temperaturen um die 40 Grad werden nach Meinung von Experten künftig keine Seltenheit mehr sein. "40 Grad in Deutschland werden zur Regel", verdeutlicht Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. "Heutige Extremjahre mit 20 Hitzetagen werden Durchschnittssommer zum Ende des Jahrhunderts, wenn wir in den kommenden Jahren nicht massiv gegensteuern."

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