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Elmar Rademacher gibt sein Notariat ab

Nach 22 000 Urkunden ist Schluss

Drensteinfurt

Elmar Rademacher ist noch topfit, aber nun 70 Jahre alt. Deshalb muss er sein Notariat abgeben. Er hat aber bereits einen Nachfolger, der die Prüfung allerdings noch ablegen muss. Vier Jahrzehnte hat Rademacher Urkunden für Drensteinfurter Kunden erstellt.

Dietmar Jeschke

Auf einem Griff die richtige Urkunde: In seiner Laufbahn als Notar hat Elmar Rademacher in Drensteinfurt mehr als 22 000 entsprechende Dokumente angefertigt. Wegen Erreichens der Altersgrenze gibt er das Notariat nun in jüngere Hände. Foto: Dietmar Jeschke

Die Ordner und Aktenkartons stapeln sich sauber sortiert bis unter die Decke. Und dank eines ausgeklügelten Systems lässt sich selbst nach vielen Jahren noch zügig wiederfinden, was vielleicht doch noch einmal gebraucht wird. Elmar Rademacher steht im Keller seiner Rechtsanwaltskanzlei quasi vor seinem Lebenswerk. Einen erheblichen Teil davon wird er nun in jüngere Hände legen. Nicht, weil er keine Lust mehr hätte. „Ich darf nicht mehr“, schildert der Notar.

Habe es früher durchaus Berufskollegen gegeben, die noch im Alter von 90 Jahren ihr Notariat betrieben hätten, so habe der Gesetzgeber mittlerweile eine klare Altersgrenze definiert: Mit 70 ist demnach für alle Notare „Feierabend“. Eine Altersgrenze, die Rademacher – nach vier Jahrzehnten im Dienste seiner Drensteinfurter Klienten – mittlerweile erreicht hat.

Berufsstart in einer kleinen Kanzlei

Angefangen als junger Anwalt in einer kleinen Kanzlei an der Martinstraße, ging es wenig später in größere Büroräume an der Kurzen Straße. Kurz nach seiner Ernennung zum Notar im Jahr 1990 folgte 1991 der Umzug an den Kirchplatz, wo Rademacher gemeinsam mit Rechtsanwalt Elmar Franke viele Jahre für die Klienten zur Verfügung stand. 2009 dann eröffnete Franke eine eigene Kanzlei in Rinkerode. Und im Jahr 2017 folgte der Umzug der Kanzlei Rademacher in die neugebauten Räume an der Hammer Straße.

Der letzte Umzug war gar nicht mehr geplant

Ein Umzug, den Elmar Rademacher eigentlich gar nicht mehr geplant hatte. „Einfach irgendwann den Schlüssel umdrehen – und fertig“, habe er sich lange Zeit mit Blick auf den doch irgendwann nahenden Ruhestand gedacht. Zwischenzeitlich jedoch hatte er mit Markus Manderla einen jungen Anwalt und potenziellen Kanzleipartner gefunden – verbunden mit der Perspektive, dass dieser dann irgendwann einmal den Anwaltsbetrieb samt Notariat übernimmt. Und da vor allem die Lagermöglichkeiten im Altbau am Kirchplatz mehr als begrenzt waren, kam das Umzugsangebot dann doch letztendlich genau richtig.

Platz bietet die neue Kanzlei aber nicht nur für die eingangs erwähnten Akten und Urkunden, sondern auch für weitere Kollegen. Als Partner für Familienrechtsangelegenheit gehört Jan Rohac zum Team. Und damit das Notariat auch weiterhin in Drensteinfurt bleibt, hat sich Elmar Rademacher mittlerweile mit Anwalt und Notar Karl-Heinz Thier aus Ahlen zusammengeschlossen. Langfristig, so der Wunsch Rademachers, soll dann Markus Manderla den Notarposten übernehmen. Vorausgesetzt, er kann die in diesem Jahr coronabedingt gestrichene Fachprüfung alsbald absolvieren. Aber, davon ist Rademacher überzeugt, auch diese Formalität wird sein junger Kollege wohl zügig erledigt haben.

Elmar Rademacher

„Für Drensteinfurt ist es sicherlich wichtig, dass es auch weiterhin einen Notar vor Ort gibt“, betont Rademacher. In Nachbarstädten wie Sendenhorst oder Ascheberg sei dies nämlich bereits nicht mehr der Fall. Mit Folgen nicht nur für den „Otto-Normal-Bürger“, der die Dienste eines Notars vielleicht nur ein oder zwei Mal im Leben benötigt – etwa, wenn es um den Kauf, den Verkauf oder das Vererben einer Immobilie geht. Für Städte wie Drensteinfurt jedoch, die in Eigenregie Bau- und Gewerbegrundstücke über das kommunale Bodenmanagement veräußern, sieht es da schon ganz anders aus. Ganz zu schweigen von den heimischen Firmen und Betrieben. Die nämlich sind gezwungen, jegliche Veränderungen innerhalb der Unternehmensstruktur in das Handelsregister eintragen zu lassen – und das eben mit Hilfe eines Notars, der die entsprechenden Vorgänge amtlich zu beurkunden hat.

Ein Aufgabengebiet, das in der Kanzlei mittlerweile immer mehr Zeit in Anspruch nimmt, ist zudem der Bereich der Vorsorgevollmachten. Diese kann zwar jeder Bürger grundsätzlich auch ohne fachliche Unterstützung mit Hilfe entsprechender Formularbögen treffen. Für eine letztendlich allumfassende Vollmacht, die eine staatlich geregelte Bevormundung ausschließen soll, sei jedoch gleichfalls ein notariell beurkundetes Dokument erforderlich, erklärt Rademacher.

Berge von Urkunden lagern im Keller

Apropos Urkunden: Die stapeln sich im eingangs erwähnten Keller von Elmar Rademacher gleich kistenweise. „Das Original bleibt immer beim Notar“, sagt er – und überschlägt kurz: „Bei so etwa 750 Beurkundungen, die wir durchschnittlich im Jahr haben, müssten es in den vergangenen 30 Jahren insgesamt rund 22 000 sein.“

Elmar Rademacher

Mit der Übergabe des Notariats ist für den Münsteraner Elmar Rademacher in Drensteinfurt übrigens nicht Schluss. „Ich bin ja schließlich auch noch Anwalt“, schmunzelt er. Nach 50 bis 60 Wochenstunden, die in den vergangenen Jahrzehnten zur Regel gehörten, wolle er nun jedoch ein Stück weit kürzer treten. „So etwa auf die Hälfte“, schildert Rademacher. Und was ist mit der übrigen Zeit? „Ich treibe nach wie vor gerne Sport, spiele Tennis und Fahre regelmäßig Rennrad.“ Außerdem sammele er leidenschaftlich alte Bücher. Und dann sind da ja auch noch die privaten Kontakte, für deren Pflege in der Vergangenheit viel zu oft die Zeit gefehlt habe.

Justizministerium vergibt Notariatsstellen

Die Vergabe der Notariatsstellen, erläutert der Jurist abschließend, erfolge übrigens durch das Justizministerium – und das „nach Bedarf“. Nach einem bestimmten Schlüssel werde demnach für jeden Amtsgerichtsbezirks eine gewisse Anzahl an Notaren ernannt. Drensteinfurt und Sendenhorst gehören zum Amtsgerichtsbezirks Ahlen. Und das bedeutet: Würde die festgelegte Zahl bereits dort erreicht, gäbe es in den Nachbargemeinden eben keinen Notar.

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