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Ausbildungsbetriebe im Münsterland

Nachwuchssuche wird wegen Corona noch schwieriger

Münster

Keine Schulpraktika, kein Speed-Dating zwischen Betrieben und jungen Ausbildungsinteressenten – die Corona-Pandemie erschwert die Suche nach geeignetem Nachwuchs massiv. Das gilt im Münsterland mit seinen vielen spezialisierten Klein- und Mittelbetrieben noch mehr als in anderen Regionen der Republik.

Jürgen Stilling

Die Corona-Pandemie stellt Unternehmen und Auszubildende vor große Herausforderungen. Foto: dpa

„Vor allem fehlt die Mund- zu-Mund-Propaganda der Schulabgänger untereinander“, weiß Marcel Voss, Vertriebsleiter bei Voss Telekom in Beckum. Das Unternehmen betreibt an zwölf Standorten – unter anderem im Kreis Warendorf, Greven, Emsdetten und Lüdinghausen Shops der Telekom als Franchisenehmer. „Wir suchen zum Start ins neue Lehrjahr am 1. August drei bis vier Auszubildende als Kaufleute im Einzelhandel, nur einen haben wir bisher gefunden“, so Voss. Neben anderen Kanälen nutzt die Beckumer Firma auch die Aktion „Ausbildung sucht dich“ der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen und der Handwerkskammer Münster, die noch bis zum Freitag läuft.

Auch Oliver Upmann, der beim IT-Haus Bunsiek und Partner in Greven als Leiter Kundenservice unter anderem für die kaufmännische Ausbildung verantwortlich ist, nutzt das Angebot der Kammern. Das Grevener Unternehmen sucht Nachwuchs als IT-Systemkaufmann und als Elek-troniker für Informationstechnik. „Vor allem für die technische Lehre ist die Suche schwer – zumal ohne Schulpraktika kaum Kontakte zu knüpfen sind“, sagt Upmann. Der an die jungen Leute appelliert, bei seinem Unternehmen ein freiwilliges Praktikum zu machen, um einen Einblick zu bekommen. „Das geht auch in Pandemie-Zeiten.“

Die Auswahl des passenden Bewerbers stellt die Unternehmen vor das nächste Problem: „Da verlassen wir uns oftmals auch auf unser Bauchgefühl“, betont Upmann. Bei einem Vorstellungsgespräch per Video sei das schwerer zu entwickeln.

Hinzu kommt bei den Schulabgängern „eine gewisse Corona-Lethargie“. Die hat zumindest Carsten Taudt ausgemacht. Der Leiter des Geschäftsbereichs Bildung und Fachkräftesicherung bei der IHK beklagt: „Viele raffen sich nicht auf – sind aber noch öfter als in der Vergangenheit auch desorientiert.“ Weil die üblichen Kontaktbörsen wie das Azubi-Speed-Dating der Kammer und Ausbildungsmessen aktuell nicht stattfinden können, rät Taudt den Unternehmen: „Posten Sie ihre offenen Ausbildungsstellen auf jeden Fall auf Ihrer Homepage und schalten Sie Anzeigen in der Tageszeitung.“ Doch der Experte der IHK weiß ebenso: „Wer seit Jahren kontinuierlich ausbildet, hat bessere Kontakte und findet auch in der Pandemiephase leichter passende Bewerber.“

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