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Offener Brief an Laschet

Reisebusbranche klagt über Umsatzeinbußen und fordert Exit-Strategie

Greven/Witten

Noch mindestens bis zum 25. Mai sind aufgrund der Corona-Krise in NRW keine touristischen Busfahrten erlaubt. Für die Reisebusunternehmen ist die Lage dramatisch: Sie klagen über massive Umsatzeinbußen – und fordern eine Exit-Strategie sowie finanzielle Hilfen.

Stefan Biestmann

Kundgebung mit 80 Bussen: Auch am Montag in Castrop-Rauxel wiesen viele Reisebusunternehmer auf die angespannte wirtschaftliche Situation hin. Unterdessen fordern die Unternehmer Peter Weilke (r.) und Meinhold Hafermann Hilfen für die Branche. Foto: Bernd Thissen/dpa

Seit mehr als zwei Monaten stehen zehn Reisebusse auf dem Hof des Unternehmens Hafermann Reisen in Witten still – und das in der Hochsaison. Noch mindestens bis zum 25. Mai sind aufgrund der Corona-Krise keine touristischen Busfahrten erlaubt. Wann und wie es weitergeht, ist immer noch unklar. „Dabei sind die Feiertagswochenenden Himmelfahrt und Pfingsten mit die umsatzstärksten Wochen des Jahres, welche nun komplett wegfallen. Diese Umsätze können wir auch später nicht nachholen“, moniert Meinhold Hafermann, Geschäftsführer des Unternehmens Hafermann Reisen. Etwa zehn Prozent seiner Fahrgäste kommen aus dem Münsterland.

In einem offenen Brief an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) fordert Hafermann Hilfen für die Busunternehmen – und eine Exit-Strategie. „Diese Situation der ständigen Ungewissheit ist für die gesamte Branche so nicht länger hinnehmbar.“ Man benötige zeitnah Infos zu den Hygiene- und Sicherheitskonzepten, um planen zu können.

„Täglich verlieren wir 145.000 Euro an Umsatz.“

Die Lage für die Busreiseveranstalter in NRW sei „sehr ernst“ und verschlechtere sich täglich, schreibt Hafermann in dem Brief. Er berichtet von bislang 8,7 Millionen Euro Umsatzeinbußen während des Lockdowns. „Täglich verlieren wir 145 000 Euro an Umsatz.“ Aktuell habe das Unternehmen noch 33 Mitarbeiter. Fünf Beschäftigte bekamen während der Probezeit bereits die Kündigung.

Beim Unternehmen Weilke in Greven arbeiten allein 30 der 500 Mitarbeiter in der Touristik-Sparte. Zwölf Reisebusse stehen seit dem Lockdown still. Unternehmenschef Peter Weilke kritisiert ebenfalls eine fehlende Exit-Strategie: „Es fehlt die Per­spektive.“ Zudem fordert Weilke bundesweit einheitliche Hygiene-Vorgaben für Busse. Weilke hat zunächst bis zum 14. Juni alle touristischen Reisen storniert. Sollten die Reisebusse aufgrund der Hygieneregeln künftig nur noch maximal die Hälfte der Fahrgäste transportieren dürfen, sei das pro­blematisch. „Wir müssten prüfen, ob das dann noch kostendeckend ist“, sagt Weilke. Zudem seien die Fahrgäste der Reisebusse in der Regel etwas älter. „Das ist die klassische Risikogruppe.“

Das NRW-Gesundheitsministerium teilt auf Anfrage mit: „Bezüglich einer Wiederzulassung von Reisebusfahrten kann derzeit keine Aussage getroffen werden. Es ist unser Anliegen, in NRW eine angemessene und tragbare Lösung zu finden.“

Verband fordert sofortige Freigabe der Busreisen

Bundesweit gibt es mehr als 3000 private, zumeist familiengeführte Busunternehmen, berichtet der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer. In einer Branchenumfrage äußerte jedes vierte Unternehmen die Befürchtung, nur noch wenige Wochen durchhalten zu können. Täglich gebe es Nachrichten von Geschäftsaufgaben. Schließlich müssten Fixkosten bezahlt und Kredite getilgt werden. Viele Unternehmen rüsteten zudem ihre Flotten auf umweltfreundliche Fahrzeuge um. Die Anschaffung eines Reisebusses koste aber einen mittleren sechsstelligen Betrag.

Der Verband fordert unter anderem eine sofortige Freigabe der Busreisen, ein Soforthilfeprogramm für Fahrzeugkosten und einen reduzierten Mehrwertsteuersatz für Busfahrten.

Immerhin kündigte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer CSU) an, die Branche mit einem Nothilfe-Programm in Höhe von 170 Millionen € helfen zu wollen. Peter Weilke bezeichnet die Finanzspritze als „Tropfen auf den heißen Stein“. Meinhold Hafermann sieht zumindest „ein gutes Signal“. Er fordert aber auch: „Diese Nothilfe-Gelder sollten als direkte und nicht rückzahlbare Zuschüsse an die Busunternehmen vergeben werden.“

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