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RS-Virus und Grippewelle 

Kinderkliniken vor dem Kollaps – Was Eltern jetzt beachten sollten

Münsterland

Vielen Kindern machen derzeit Atemwegsinfekte zu schaffen. Ärzte schlagen Alarm, Kliniken sind am Limit. Wir geben Antworten auf wichtige Fragen.

Überbelegte Patientenzimmer, überlange Wartezeiten in der Notaufnahme: In Deutschlands Kinderkliniken herrscht derzeit ein Notstand. Foto: dpa/Symbolbild

Kinderarztpraxen und Kinderkliniken im Münsterland und in ganz Deutschland arbeiten am Limit. Stundenlange Wartezeiten, überfüllte Stationen, ei­ne Priorisierung bei der Behandlung, Engpässe bei Medikamenten oder die Absage von nicht lebensnotwendigen Operationen sind aktuell an der Tagesordnung. Mediziner und Pflegekräfte schlagen deshalb Alarm.

Wie kommt es zu der aktuellen Situation?

Die Kinderkliniken in Deutschland sind generell schon ausgelastet, au­ßerdem ist die Bettenzahl in den vergangenen Jahren massiv reduziert worden. „Das liegt an dem riesigen betriebswirtschaftlichen Druck, der auf den Kliniken lastet“, sagt Dr. Jörg Dötsch, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik Köln.

In Folge der hohen Belastung – besonders während der Corona-Pandemie – hätten zudem viele Pflegekräfte aufgegeben. Da aktuell eine RS-Virus-Welle auf eine frühe Grippewelle trifft, die Zahl der Corona-Fälle ebenfalls wieder steigt und weitere Krankheiten wie Streptokokken im Umlauf sind, kommt es zu Überlastungen – sowohl in den Kliniken als auch bei den Kinderärzten. Da bei vielen Kindern gleich mehrere Infekte gleichzeitig auftreten, gäbe es auch häufiger schwere Verläufe, wie Dr. Nike Strobelt, Sprecherin des Kinder- und Jugendärztenetzes Münster sagt. Ein Engpass bei Medikamenten verschärft die Situation noch weiter. Wie Mediziner berichten, gibt es derzeit kaum fiebersenkende Medikamente. Auch Antibiotika oder Inhalationsmedikamente seien oft nicht zu bekommen.

Wann sollten Eltern mit ihrem Kind zum Arzt?

„Viele Eltern haben verlernt, mit banalen Infekten ihrer Kinder umzugehen“, sagt Strobelt. Sie meint, Eltern müssen nicht bei jedem kleinen Husten zum Arzt gehen: „Man kann sie auch erst mal mit Hausmitteln oder schon vorhandenen Fiebermedikamenten behandeln.“ Der kinderärztliche Notdienst müsse auch nicht für eine Zweitmeinung aufgesucht werden, sondern nur in akuten Notfällen. Hohes Fieber, Erbrechen, ein viel zu schnelles Atmen oder fehlende Flüssigkeits- oder Nahrungsaufnahme seien Gründe, einen Kinderarzt aufzusuchen. „Man kann sagen: Je jünger das Kind, desto eher sollte man zum Kinderarzt“, sagt Dr. Michael Böswald, Chefarzt der Allgemeinen Kinder- und Jugendmedizin am St.-Franziskus-Hospital in Münster. Bei Säuglingen spreche man schon ab 38 Grad Körpertemperatur von Fieber. „Es sollte nach Möglichkeit immer vorher beim Kinderarzt angerufen werden“, sagt Strobelt.

Wie kann die aktuelle Situation gemeistert werden?

„Verständnis“. Diese Forderung stellen gerade alle Kinderärzte, Pflegekräfte und Mitarbeiter in Kinderarztpraxen an die Eltern. „Wir arbeiten alle am absoluten Limit und tun, was wir können“, sagt die Sprecherin des Kinder- und Jugendärzte-Netzwerkes. Sie wisse um den Stress und die Belastung für Familien und Eltern, wenn das Kind krank ist, die Wartezeiten lang sind und es bei stationären Fällen zu Verlegungen kommt. Ein aggressives Verhalten von Eltern helfe da gar nicht. „Lieber mal ein Kompliment für die am Limit arbeitenden Krankenpfleger und Ärzte“, empfiehlt Böswald.

Noch wichtiger sei allerdings die Vorsorge. „Am besten wäre es natürlich, wenn erst gar nicht so viele Kinder krank werden“, sagt Strobelt. Für Grippe-Schutzimpfungen, aber auch andere Impfungen, fänden Ärzte immer Zeit. In NRW gäbe es die Empfehlung auch nicht vorerkrankte Kinder ab sechs Monaten impfen zu lassen. „Aber auch das Umfeld, Mutter, Vater, Oma und die Geschwister sollten ihre Impfungen aktuell halten. Denn so können sie auch das Kind schützen“, sagt Strobelt, die zudem eine generelle Rücksichtnahme fordert: „Masken zum Beispiel schützen nicht nur gegen Corona, sondern gegen alle Viren. Vorsicht schadet nicht.“

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