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Wenn der Klang für Ruhe sorgt

Soundkonzept schafft Privatsphäre in der Bankfiliale

Lengerich

Eine offene Atmosphäre in einer Bankfiliale ist schön und gut - aber wie sieht's mit der Diskretion aus? Damit kein anderer zuhören kann, wenn Kunde und Bankberater über Zinsen feilschen und Schulden verhandeln, setzt die Stadtsparkasse Lengerich auf "Soundduschen", auf dezente Beschallung . . .

Martin Ellerich

Positiven Anklang hat die Geräuschkulisse der Stadtsparkasse Lengerich nicht nur bei Projektleiter Gunnar Schaer (l.) und Vorstandsmitglied Max Mews gefunden. Foto: Wilfried Gerharz

Leise Klänge – nur wer konzen­triert lauscht, hört sie wirklich. Fast wie Musik. Ist das ein Wasserplätschern oder doch eher Vogelgezwitscher? Egal, Hauptsache gemütlich. Einfach zurücklehnen im Polster und vor sich hinträumen. Und das auf dem erhöhten Podest des Wartebereichs – öffentlich, mitten in der Schalterhalle. Obwohl: „Schalter“ gibt es in dieser Halle nicht – keinen Tresen. Es sind Klänge, die einzelnen Bereiche in der Stadtsparkasse Lengerich trennen. Sound ersetzt Mauern.

„Wir haben uns beim Umbau 2010 bewusst für ein offenes, einladendes Konzept entschieden“, sagt Max Mews, Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Lengerich. Die freundliche, offene Architektur kommt bei den Kunden auch prima an. Nur, dass es zuweilen den Wunsch nach ein wenig mehr Diskretion bei der Beratung gab. Offen und doch diskret, wie soll das gehen? Indem nichts als Klang die Wände ersetzt.

Klänge schaffen drei Bereiche

„Wir haben mit ausdifferenzierten Klangkonzeptionen drei verschiedene Bereiche geschaffen, in denen sich Kunden aufhalten“, sagt Stephan Vincent Nölke, dessen Comevis GmbH & Co. KG aus Köln solche Soundkonzepte entwickelt – zum Beispiel auch für die Deutsche Bahn AG. „Ich kenne keine andere Sparkasse, die ein solches Soundkonzept hat“, sagt Mews. Das 2011 umgesetzte Projekt sei für die Branche „ziemlich einmalig“, stimmt Nölke zu.

Die erste Zone in Lengerich: der Wartebereich mit dem Vogelgezwitscher. „Die Musik dazwischen hat einen Rhythmus von 80 Beats per Minute – das entspricht so ziemlich der Herzfrequenz“, erklärt der Sound-Spezialist. Was könnte angenehmer sein als der Takt des Lebens?

Leises Murmeln in den Beratungsecken

Zweite Zone: die Beratungsecken in der Halle. Hier scheint es leise zu murmeln. Gesprächsfetzen hängen im Raum. „Wir haben die natürlichen Geräusche im Raum aufgenommen, verfremdet und spielen dieses Grundrauschen mit Soundduschen über den Beratungsplätzen wieder ein“, erklärt Nölke. „Die Klänge lehnen sich an Gespräche an, aber einzelne Worte werden Sie nicht erkennen können“, sagt Mews. Es entsteht etwas wie der dezente Klangteppich in einem guten Café. An Kaffeehaustischen wird traditionell Privatestes besprochen – „in aller Stille“, mitten im allgemeinen Geplausche und Geschirrklappern. Und sehr gemütlich. So ähnlich ist der Eindruck in Lengerich – nur ohne Kaffeeduft.

Unterschiedliche Klangkonzeptionen teilen den offenen Raum in verschiedene Bereiche – wie hier in der Stadtsparkasse Lengerich. Foto: Wilfried Gerharz

Warum muss es der Original-Klang aus der Sparkasse sein, reicht nicht irgendeine murmelnde Sounddatei? Nölke lacht. „Das Gehör ist einer unserer wichtigsten Sinne: Sie würden merken, wenn der Klang nicht wirklich aus dem Raum stammt.“

Kurze Tonfolgen statt ganzer Melodien

Vorne im Eingangsbereich, der dritten Zone, läuft so etwas wie Musik. Sehr dezent, eher kurze Tonfolgen als ganze Melodien. Von „Compilations“ spricht Nölke. „Die Lautstärke ist programmiert“, erklärt Gunnar Schaer, der das Projekt von Seiten der Stadtsparkasse betreut hat. Je nach Tageszeit – und der dann üblichen Besucherzahl – wird der Geräuschpegel automatisch hinauf- und hinuntergefahren.

Auch spät nachts soll im Servicebereich am Geldautomaten niemand vorm Klang der eigenen Schritte erschrecken. Nölke: „Sie nehmen den Klang kaum wahr, schon gar nicht störend – aber er wirkt.“ Er schafft Atmosphäre. Keine heilige Halle, aber einen angenehmer Raum, der zu einer gewissen Rücksichtnahme anregt. Wichtig, denn der SB-Bereich ist 24 Stunden am Tag zugänglich. Probleme gebe es kaum, bestätigt Mews. Und das nicht allein wegen der Video-Überwachung. Der Ton macht im Umgang eben die Musik – im Zweifel auch in der Sparkasse.

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