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Nachrichten-Junkie auf Entzug

Statt Twitter echte Vögel zwitschern lassen

Münsterland

Was sind alternative Urlaubsformen in einer Zeit, in der zumindest Fernreisen nicht zu empfehlen sind? Stefanie Meier ist in den Weiten Westfalens gerne abgeschnitten von der Nachrichtenwelt. 

Stefani Meier

Stefanie Meier Foto:

Zeitungsmenschen sind süchtig nach Nachrichten. Da ist der Kollege, der statt einer Begrüßung nur die knappe Frage „Gibt’s was Neues?“ in den Raum wirft, keine Ausnahme. Dicht getaktet erreichen Nachrichten die Redaktion und werden sofort für die verschiedenen Kanäle verarbeitet. Im Internet gibt es keinen Redaktionsschluss.

Umso schöner finde ich es, im Urlaub aus diesem sich immer schneller drehenden Rad auszubrechen. Die wahre Erholung stellt sich ein, sobald die Wochentage verschwimmen und es völlig egal ist, ob Sonn- oder Freitag ist. Diesen glückseligen Zustand zu erreichen, wird mit fortschreitender Technik immer schwieriger.

Von Hütte zu Hütte

Vor 30 Jahren reichte es noch, in den Alpen von Hütte zu Hütte zu wandern. Dort oben war die einzig wichtige Meldung der tägliche Wetterbericht. Täglich wohlgemerkt, nicht stündlich. Einen digitalen Regenradar gab es nicht, man musste noch selbst nach den Wolken gucken. Erst nach dem Abstieg ins Tal erfuhren die Wanderer, was sich in der Zwischenzeit getan hatte. Manchmal war die Erde knapp an einem dritten Weltkrieg vorbeigeschrammt, manchmal war einfach nichts passiert.

Heute gelangen die Meldungen aus New York, Rio und Tokio selbst im Dschungel von Vietnam in der eigenen Sprache und in Echtzeit auf das stets empfangsbereite Smartphone. Es ist also nicht einfach, sich dem in den Berufs-Genen fest verankerten Bedürfnis nach Neuigkeiten zu entziehen. Doch mit ein wenig Selbstdisziplin geht das – selbst beim Urlaub in der Heimat.

Push deaktiviert

Als erstes werden alle Push-Meldungen auf dem Smartphone deaktiviert. Um den Entzug nicht ganz so radikal zu machen, ist morgendliche Zeitungslektüre noch erlaubt, aber das sonst stets parallel laufende Radio bleibt stumm. Dann wird das Haus verlassen, am besten per Rad. Zwischen Feldern, Wiesen und Wäldern transportieren die roten Pfeile des Radwegenetzes die einzig wichtige Information. Beim Picknick zwitschern wirklich mal die Vögel und nicht der Twitter-Kanal. Am Abend folgt dann allerdings leider der Kampf mit der Tagesschau. Gucken oder nicht? Manchmal gewinnt Jan Hofer . . .

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