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Bernhard Stening ist großer „Politbarometer“-Fan

Stimmungstrends auf den Millimeter genau dokumentiert

Metelen

Er dokumentiert rasante Aufstiege von Parteien ebenso wie grandios scheiternde Spitzenpolitiker: Bernhard Stening ist ein Polit-Chronist der ganz besonderen Art. Seit zwei Jahrzehnten verpasste er kaum ein ZDF-Politbarometer. Die Stimmungstrends hält er in Tabellen fest.

Dieter Huge sive Huwe

Gut 3,60 Meter lang ist mittlerweile die Tabelle, die Bernhard Stening akribisch seit dem Jahr 2000 führt. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Er hat die Karrieren der Spitzenpolitiker verfolgt, hat festgehalten, wie sie in der Wählergunst dastanden, hat sie kommen und gehen sehen, hat Erfolge ebenso markiert wie tiefe Abstürze. Bernhard Stening ist ein Chronist der ganz besonderen Art: Der Metelener dokumentiert seit zwei Jahrzehnten, was die Forschungsgruppe Wahlen regelmäßig für das Politbarometer des ZDF herausfindet. Und ebenso regelmäßig sitzt der mittlerweile 89-Jährige vor dem Fernseher und notiert die politischen Stimmungstrends der Republik – auf den Millimeter genau.

„In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe ich nur ganz, ganz wenige Sendungen verpasst“, berichtet Stening auf der lauschigen Terrasse seines Hauses. Vor sich liegt der Aktenordner, in dem sich exakt in Tabellen dokumentiert das Auf und Ab der Parteien und ihrer Spitzenvertreter seit dem Jahr 2000 widerspiegelt.

Damals, im Januar, griff Stening erstmals zu Papier und Kugelschreiber und schrieb mit: Vor allem interessierten ihn die Sonntagsfrage und die Beliebtheitswerte ihrer Spitzenkräfte. „Politisch interessiert war ich ja schon immer“, erklärt der Metelener seine Motivation. Der Union hält er seit 1956 die Treue, wenngleich es in dieser Beziehung während der 70er- Jahre durchaus auch mal kriselte. Doch Stening ist keiner, der groß nachträgt: „Ich bin dann später wieder Mitglied geworden und bin das auch heute noch.“

Gemeinsam mit Karl Hollekamp organisierte er für die Seniorenunion viele Ausflüge, holte bekannte Politiker an die Vechte und kümmerte sich auch um die geselligen Abschlüsse dieser Termine. Das alles ist Vergangenheit, eine, an die er sich gerne zurückerinnert.

Doch Politik, das ist immer noch sein Hobby. Nicht nur, dass er das Geschehen in der Tageszeitung verfolgt, ein analytisches Sonntagsblatt flattert ebenfalls ins Haus – und dann ist da natürlich noch das Politbarometer im Zweiten.

„Meine Schwester hatte mehrfach die Werte für mich aufgeschrieben“, schaut Stening zurück.

Auf die war immer Verlass. Der Senior bekennt aber auch: „Da meine Schwester verstorben ist, wüsste ich nicht, wer das dann mal übernehmen könnte. Wenn das nicht geregelt ist, werde ich wohl zu Hause bleiben müssen.“ Die Akribie, mit der er seine Chronik betreibt, lässt kaum Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieser Aussage.

Das Ergebnis der peniblen Aufzeichnungen sind auf Linie gebrachte Parteien. Diese bewegen sich wie Fieberkurven übers Millimeterpapier, rücken immer dann eng zusammen, wenn´s besonders spannend zugeht im politischen Berlin, oder sie kommen und vergehen sternschnuppengleich wie etwa die Piraten.

Bernhard Stening hat sie alle kommen und gehen sehen in seinem Aktenordner: Umfrage-Liebling Joschka Fischer, den tragisch gescheiterten Christian Wulff, und auch den Schummel-Doktor zu Guttenberg. Als Konstante zieht sich allein Kanzlerin Angela Merkel durch die Aufzeichnungen aus zwei Jahrzehnten. „Es ist sagenhaft, die wie sich hält“, zollt ihr der 89-Jährige Respekt.

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