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In eigener Sache

Täter-Fahndung und Vermisstensuche: Warum wir als Redaktion so vorgehen

Münster

Bei der Fahndung nach Straftätern oder bei der Suche nach Vermissten spielen Medien eine große Rolle. Wir erklären, wann und wie unsere Redaktion mit Fahndungen und Vermisstensuchen umgeht.

Von Stefan Werding und Jonas Wiening

Die Polizei setzt oft Hubschrauber bei der Suche nach vermissten Personen oder bei der Fahndung nach Straftätern ein. Foto: Silas Stein/dpa/Symbolbild

Wann zeigen wir als Redaktion Fotos von den vermissten Personen, wann nicht? Wann nennen wir Namen? Und wann beteiligen wir uns eigentlich an der Vermisstensuche und wann nicht?

Wir unterscheiden zwischen Fahndungen und Vermisstensuchen. „Gefahndet“ wird nach Verbrechern, bei Vermisstensuchen geht es nicht um Kriminalität, sondern um – sehr oft – sehr persönliche Schicksale.

Fahndung:

„Bevor wir bei Straftaten, zum Beispiel bei Geldautomatensprengungen oder Banküberfällen, Fotos oder Videos von den mutmaßlichen Tätern veröffentlichen, brauchen wir einen richterlichen Beschluss“, sagt Polizeisprecherin Susanne Dirkorte.

Da auch mutmaßliche Straftäter Persönlichkeitsrechte besitzen und wir eine Vorverurteilung verhindern wollen, beteiligt sich unsere Redaktion nur dann an Fahndungen nach Straftätern, wenn sie die Polizei öffentlich macht.

Vermisstensuche:

Bei einer Vermisstensuche dagegen ist ein richterlicher Beschluss nicht nötig. „Eine Foto-Fahndung wird immer mit den Angehörigen abgesprochen“, sagt Dirkorte. Öffentlich fahndet die Polizei nach einer Person aber nur, wenn andere Maßnahmen keinen Erfolg hatten. „Bevor wir wirklich die Öffentlichkeit einbeziehen, haben wir oft schon mögliche Aufenthaltsorte gecheckt und hatten gegebenenfalls sogar einen Hubschrauber im Einsatz“, sagt Dirkorte. Und sie fügt hinzu: „Wir entscheiden von Fall zu Fall und wägen sorgfältig ab, wann und wie wir nach Personen suchen.“

Polizeisprecherin Susanne Dirkorte

Dabei macht es auch einen Unterschied, ob Kinder und Jugendliche oder Erwachsene verschwunden sind. Bei Kindern und Jugendlichen werde schneller die Öffentlichkeit miteinbezogen. „Bei Erwachsenen geben wir oft nur Bilder raus, wenn wir glauben, dass eine Gefahr für Leib und Leben besteht“, sagt Dirkorte. Schließlich hat jeder Erwachsene das Recht, sich zurückzuziehen und auf eigenen Wunsch zu verschwinden. Aber auch andere Faktoren würden eine Rolle spielen: „Es kommt öfter vor, dass nach dementen älteren Menschen gesucht wird. Im Winter bei minus zehn Grad geben wir da eher eine Öffentlichkeitsfahndung raus als im Sommer bei über zwanzig Grad.“

Das wägt auch unsere Redaktion sehr genau ab. Oft erfahren wir schon vor einer öffentlichen Suche von vermissten Personen. Deswegen veröffentlichen wir aber noch lange nicht jedes Foto, mit dem etwa in den sozialen Medien nach Angehörigen gesucht wird. Auch hier spielen Persönlichkeitsrechte eine wichtige Rolle. Deshalb publizieren wir Vermisstenmeldungen nur, wenn die Polizei das Verschwinden der betroffenen Person bestätigt.

Susanne Dirkorte

Für Vermisstenmeldungen und Fahndungen nutzt die Polizei ein eigenes Online-Portal. Dort sind die wichtigsten Informationen und Bilder der gesuchten Personen eingestellt. Diese Fotos werden von der Polizei selbst auch nirgendwo anders veröffentlicht, sie stehen aber der Öffentlichkeit - während der Zeit der Fahndung – zur Verfügung. „In den sozialen Medien posten wir immer nur den Link zu dem Portal und nie ein Bild direkt“, erklärt Susanne Dirkorte. Ebenso macht es auch unsere Redaktion. Bei den Vermisstenmeldungen nutzen wir für unsere Artikel immer ein sogenanntes Symbolbild. Das Foto der gesuchten Person wird dabei in den Text gestellt. Somit wird es nicht direkt bei Facebook, Twitter und Co. angezeigt und es kann einfach wieder gelöscht werden, wenn die gesuchte Person gefunden ist.

Die Fotos dürfen nur während der Fahndung bzw. Suche öffentlich sein. Wird das Bild aber direkt in den sozialen Netzwerken gepostet, wird es nahezu unmöglich, es wieder komplett zu entfernen. „Und niemand will auch Jahre nach einem Vorfall noch Fotos von sich im Zusammenhang mit einer Vermisstensuche oder gar Straftat im Netz finden“, sagt Dirkorte.

Polizeisprecherin Susanne Dirkorte

Die Polizei rät, von privaten Fahndungen nach vermissten Personen in den sozialen Netzwerken abzusehen. Nur Eltern dürften theoretisch Fotos ihrer Kinder posten und in Eigenregie nach ihnen suchen. „Aber davon raten wir ganz klar ab“, so Dirkorte. Gemeinsam mit der Polizei zu suchen, sei sinnvoller und hilfreicher. Und wer private und nicht autorisierte Fahndungen mit Bildern oder Videos nach mutmaßlichen Straftätern veröffentlicht, riskiert, sich strafbar zu machen.

Deswegen unterstützt unsere Redaktion private Vermisstensuchen oder Fahndungsaufrufe niemals. Auch da klären wir erst mit der Polizei, ob die rechtlichen Voraussetzungen für eine Veröffentlichung bestehen oder nicht. Frühestens danach kommt eine Veröffentlichung für uns infrage.

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