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Neue Gebührenordnung

Tierarztkosten steigen stark an

Berlin/Münsterland

Bald werden die Tierarztkosten stark ansteigen. Der Grund: eine neue Gebührenordnung. Einige Leistungen werden doppelt so teuer werden.

Die Gebühren für eine einfache Untersuchung inklusive Beratung beim Tierarzt steigt für fast alle Tiere an. Foto: Florian Schuh

Haustierbesitzer und Landwirte müssen sich auf stark steigende Tierarztkosten einstellen. Ab dem 22. November dieses Jahres tritt eine neue Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) in Kraft – mit den umfassendsten Änderungen seit 1999.

In der GOT ist bis auf das kleinste Detail geklärt, was und in welcher Höhe Tierärzte den Tierbesitzern in Rechnung stellen dürfen. Die neue GOT, die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) entwickelt und vom Bundesrat abgesegnet wurde, enthält moderne Untersuchungsverfahren, die bis jetzt keine Berücksichtigung fanden. Außerdem soll die Gebührenordnung nun einfacher und besser verständlich sein und den Veterinärmedizinern eine höhere Abrechnung bei vielen Behandlungen ermöglichen.

Ministerium sah Notwendigkeit

Ab November steigen zum Beispiel die Gebühren für einfache Untersuchungen inklusive Beratung stark an. Bei Hunden von 13,47 Euro auf 23,62 Euro, bei Pferden von 19,24 Euro auf 30,78 Euro oder bei Heimtieren wie Kaninchen von 9,62 Euro auf 15,39 Euro. Bei Katzen verdreifacht sich die Gebühr für die Untersuchung fast, sie steigt von 8,98 Euro auf 23,62 Euro. Und auch die Preise für Impfungen, Kastration oder das Einschläfern steigen für die meisten Tiere mit der neuen GOT deutlich an. Nur wenige Positionen bleiben unverändert oder werden gesenkt.

Die Notwendigkeit einer neuen, veränderten GOT hat das Ministerium nach der Durchführung einer Kostenstudie gesehen. „Die GOT in der bisherigen Form besteht seit 1999 und wurde seither lediglich durch zwei pauschale Erhöhungen der Leistungssätze um 12 Prozent und geringe Änderungen, zum Beispiel im Bereich Nacht- und Notdienst angepasst. Diese Anpassungen spiegeln allerdings weder die Veränderungen der Kostenposition und sonstigen Rahmenbedingungen noch den veterinärmedizinischen Fortschritt in Prüfung der finanziellen und strukturellen Auswirkungen hinsichtlich der Angemessenheit der Gebührensätze der Gebührenordnung für Tierärzte angemessener Weise wider“, heißt es in der Studie, die das Beratungsunternehmen „AFC Public Services“ im Auftrag des BMEL durchgeführt hat.

Kammer begrüßt neue Gebührenordnung

Die Bundestierärztekammer begrüßt die Änderungen der Gebührenordnung, hält die signifikanten Preiserhöhungen aber immer noch nicht für ausreichend. Die aktuellen Ereignisse, wie die stark steigenden Energiekosten und die hohe Inflation seien nicht berücksichtigt. „Trotzdem ist es ein guter Schritt. Endlich können Praxen wieder betriebswirtschaftlich rentabel geführt werden. Das war lange Zeit nur schwierig möglich“, sagt Mechthild Lütke Kleimann, Geschäftsführerin der Tierarztkammer Westfalen-Lippe auf Nachfrage unserer Zeitung.

Kritik an der neuen Gebührenordnung kommt vom Deutschen Bauernverband. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Kostenexplosionen in der Landwirtschaft, stehen insbesondere die Nutztierhalter (…) mehr denn je unter starkem finanziellen Druck. (…) Es gilt, die adäquate tierärztliche Versorgung jederzeit gewährleisten zu können“, heißt es in einer Stellungnahme des Verbands zur Neufassung der Gebührenordnung für Tierärzte. Deshalb stehe man dieser ablehnend gegenüber.

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