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AKW Lingen

Russisches Uran unterwegs durchs Münsterland

Rotterdam/Lingen

Obwohl die Bundesregierung den laufenden Transport von Uran nach Lingen „sehr kritisch“ sieht, kann sie ihn nicht verhindern. Nun wird die Ware  durch das Münsterland ins Emsland transportiert – begleitet von Unbehagen.

Ein Zugangstor der Brennelemente-Fabrik in Lingen. Dort werden Brennstäbe für Atomkraftwerke produziert. Foto: dpa

Das russische Schiff „Mikhail Dudin“ wird am Sonntag in Rotterdam mit einer Ladung angereichertem Uranhexafluorid erwartet. Es soll ins emsländische Lingen gebracht werden, damit die Brennelemente-Fabrik dort Brennstäbe für Atomkraftwerke überall in Europa produzieren kann.

„Wir sehen solche Uran-Transporte wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sehr kritisch“, erklärt ein Sprecher des Bundesumweltministeriums gegenüber unserer Zeitung. Doch verhindern kann es ihn nicht. Das Material stammt aus Russland und ist in St. Petersburg auf die Reise gegangen. Eine niederländische Spedition wird es durch das Münsterland nach Lingen bringen.

Einfuhr unterliegt nicht EU-Sanktionen

„Unsere Bundesregierung arbeitet angeblich an der Energie-Unabhängigkeit von Russland und predigt harte Sanktionen“, sagte Alexander Vent vom Bündnis „Atomkraftgegner im Emsland“ dem Evangelischen Pressedienst. „Es passiert aber genau das Gegenteil: In Russland angereichertes Uran wird nach Deutschland gebracht und spült Putins Staatskonzern ,Rosatom‘ weiter Geld in die Kriegskasse.“ Das Bundesumweltministerium müsse diese Genehmigung für den Transport widerrufen, das Schiff zurückschicken.

Nicht möglich, erklärt ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage unserer Zeitung. Der Import sei möglich, weil – wie bei russischem Gas – die Einfuhr von Kernbrennstoff aus Russland nicht den EU-Sanktionen unterliege. „Daher besteht keine rechtliche Handhabe, den Transport zu unterbinden“, erklärte er. Gegenstand der Genehmigungen sei ausschließlich die Sicherheit des Transports in Deutschland. Wenn die Voraussetzungen für einen sicheren Transportvorgang vorliegen, dürfe das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (Base) den Transport nicht verhindern. Der Sprecher des Ministeriums betont, dass der Betreiber in Lingen allein entschieden den habe, Uran aus Russland zu kaufen. Er hätte es auch in Ländern wie Kanada beziehen können. Die Fabrik gehört dem französischen Unternehmen Framatome. Sie beliefert unter anderem Atomkraftwerke in Belgien, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden, Großbritannien, Spanien, Schweden und Finnland.

Anti-Atomkraft-Demo in Lingen

Nach Meinung von Dirk Bannink vom niederländischen Atom-Dokumentations- und Recherchezentrum Laka zeigt der aktuelle Transport, dass ein Festhalten an Atomkraft nur eine weitere Form der Abhängigkeit von Russland darstelle. „Nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine wurde der Kernenergie-Sektor auf Druck der Atomlobby von den internationalen Sanktionen ausgenommen, da Russland eine wichtige Rolle in der internationalen Kernenergiekette spielt.“

Vladimir Sliviak von der russischen Umwelt-Organisation „Ecodefense“ sagte, „Rosatom“ betreibe weltweit Uranminen, unter anderem auch in Kanada und Namibia. Der russische Atomkonzern sei bei allen Verarbeitungsschritten wie der Konversion und Anreicherung von Uran bei etwa einem Viertel des EU-Bedarfes eingebunden. Auch am Krieg gegen die Ukraine sei „Rosatom“ mit der Besetzung von Atomkraftwerken beteiligt. Sliviak ist Träger des alternativen Nobelpreises.

Am 1. Oktober wird in Lingen eine überörtliche Anti-Atomkraft-Demonstration stattfinden. Sie richtet sich gegen jeglichen Weiterbetrieb von Atomkraftwerken und Uranfabriken. Die Aktion, zu der verschiedene Bürgerinitiativen aufrufen, beginnt um 13 Uhr am Bahnhof in Lingen.

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