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Zehnjährige Zwillinge begeistern bei „Jugend musiziert“ und „Jugend komponiert“

Vierhändige Bruderliebe am Klavier

Alverskirchen

Früh übt sich, zeigt sich im Falle von Aleksei und Aleksandr Kushnerev besonders gut. Seit vier Jahren spielen die Zwillingsbrüder Klavier, Stücke von klassischen und modernen Komponisten, aber auch eigene Improvisationen und Kompositionen. Und das so gut, dass sie jetzt einige Preise bekommen haben. Wenn sie die Klaviertasten anschlagen, glaubt man wirklich nicht wie alt die Jungs aus Alverskirchen sind: ganze zehn Jahre!

Von Peter Sauer

Die Zwillingsbrüder Aleksei (l.) und Aleksandr am Klavier und ihre Eltern Valentin Kushnerev und Anna Khalizova freuen sich über die Erfolge bei „Jugend komponiert“ und „Jugend musiziert“. Foto: Peter Sauer

Ihre Ähnlichkeit ist verblüffend. Aleksei und Aleksandr Kushnerev sind Zwillinge. Die beiden Zehnjährigen verstehen sich blind, vor allem am Klavier.

Seit vier Jahren vergeht bei ihnen kein Tag ohne dass sie die schwarzen und weißen Tasten bewegen, ob schwungvoll oder feinsinnig. Allseits bekannte Stücke wie Beethovens „Für Elise“ oder – und das ist wirklich für Zehnjährige etwas ganz Besonderes – selbst komponierte Stücke und eigene Improvisationen.

So entstand im Laufe der Zeit eine umfassende Sammlung von Klavierstücken, die Aleksei und Aleksandr mit und ohne Noten, zwei- oder vierhändig spielen. Auf dem Klavier und dem E-Piano zuhause, aber auch mal auf dem Klavier eines Preisträgerkonzertes. So traten sie am vergangenen Donnerstag beim renommierten Nachwuchswettbewerb „Jugend komponiert“ vor Publikum und der Fachjury des Landesmusikrates NRW im Studio des Ensembles Musikfabrik in Köln auf.

Förderpreise für Aleksei`s Kompositionen „Herbstspaziergang“, “Winterwalzer“ und“Traumland“

Für gleich drei seiner Kompositionen erhielt Aleksei Kushnerev dort einen jeweils mit 100 Euro dotierten Förderpreis. „Klar waren wir aufgeregt“, sagt Aleksei, doch mit den ersten Klaviertönen sei das Lampenfieber allmählich verflogen. André Stärk, Leiter des Wettbewerbs, lobte den Mut der prämiierten jungen Nachwuchsmusiker, nicht nur zu komponieren, sondern sich einem Wettbewerb zu stellen und aufzuführen.

Konzentriert und innig: Aleksei und Aleksandr Kushnerev verstehen sich auch am Klavier bestens. Foto: Peter Sauer

Wie zum Beweis spielen die Brüder während dieses Interviews im heimischen Wohnzimmer in Alverskirchen drei Stücke am eigenen Klavier: voller Inbrunst, Herzenswärme und großem Können. Das geht ins Ohr und ins Herz. Beide holten bei „Jugend musiziert“ einen 1. Preis.

Aleksei hat bereits drei Komponistenpreise gewonnen. „Ich höre Musik zuerst im Kopf. Das sind ganz eigene Melodien“, erläutert der Zehnjährige, wie das Komponieren bei ihm funktioniert, „und dann gehe ich zum Klavier und versuche das nachzuspielen, damit auch die anderen die Musik hören können, die ich vorher nur in meinem Kopf hatte. Ich habe auch die Noten für die Stücke erst gesehen und dann aufgeschrieben.“

Sein Bruder Alexandr tippt auch während dieses Interviews seine Finger ganz leicht rhythmisch auf den Wohnzimmertisch. Dieses „Luft-Klavier-Spielen“ zeigt, dass ihm gerade offenbar wieder eine ganz besondere Melodie innewohnt.

Aleksei und Aleksandr Kushnerev: "Keinen Tag verbringen wir ohne Klavierspielen." Foto: Peter Sauer

Familie Kushnerev lebt seit vier Jahren in Alverskirchen, vorher wohnten sie kurz in Wolbeck und Roxel. Gebürtig kommen sie aus St. Petersburg. Weil die Eltern Anna Khalizova und Valentin Kushnerev für ihre beiden Söhne neben Bewegung (Abenteuersport/Fußball/Tanzen) vor allem die musikalische Früherziehung für wichtig erachteten, fing die musikalische Karriere von Aleksei und Aleksandr – nach einem Startschuss an der Eichendorff-Grundschule in Angelmodde – an der Musikschule Wolbeck an.

Dort erkannte Klavierlehrerin Agnes Tolksdorf früh das große Talent der Brüder für die großen und die schwarzen Tasten. „Insgesamt sind es 88 Tasten“, ergänzt Aleksei. „Frau Tolksdorf lobte das gute Gehör und das gute Gespür der Jungs für Musik und Melodien“, erinnert sich ihr Vater Valentin Kushnerev.

Die beiden Brüder probierten sich selbst aus am hauseigenen E-Piano, das 200 verschiedene Musik- und Instrumente-Sounds hat. „Sie lernten auch viel mit ‚Simply Piano‘, das ist eine App“, erinnert sich ihre Mutter Anna Khalizova. Die drei jetzt prämiierten Stücke hat Aleksei selbst komponiert, darunter auch „Winter-Walzer“. „Dieses Stück schrieb er während des großen Schneeeinbruchs im Februar“, erinnert sich seine Mutter.

Vielseitig aufgestellt

Ergänzend spielen die beiden musikalischen Zwillinge beim zehnköpfigen Instrumentalensemble der Musikschule Telgte unter Leitung von Dieter Kuhlmann mit. „Das macht sehr viel Spaß“, sagt Aleksandr. Dort stehen auch Werke von den Beatles oder den Doors auf dem Programm. Musikalisch geschult werden die beiden prämiierten Jungmusiker von Jens Hamer (Westfälische Schule für Musik in Münster), Privatklavierlehrerin Galina Falk und an der Musikschule in Telgte.

Samstags fahren die musikalischen Zwillinge immer nach Münster-Hiltrup, um ihre russische Muttersprache nicht zu vergessen“, wie ihr Vater erläutert. In ihrer Freizeit sind die Jungs aber auch gerne in der Leichtathletik aktiv und in der Film- und Video-AG ihrer Schule.

Aleksei Kushnerev (10) Foto: Peter Sauer

Eines ist aber eine klare Regel: pro Tag sind zu Hause immer 30 bis 60 Minuten für etwas Spezielles reserviert: für das eigene freie Klavierspielen. „Das macht uns so viel Spaß und wir wollen auch später beruflich Pianisten werden“, sagen beide unisono und Vater Valentin Kushnerev fasst die große Leidenschaft der Brüder gut zusammen: „Gedanken und Gefühle werden bei ihnen nicht zu Wörtern, sondern zu Musik und Melodie.“

Klavierspiel mit Herz und Ohrwurmcharakter

In der Tat: von beiden Pianisten wird man sicherlich noch viel hören. Ihre Klänge während dieses Hausbesuches gehen auch dem Autoren dieses Textes so schnell nicht aus dem Ohr: dynamisch im Anschlag, warmherzig in der Ausführung.

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