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Bier-Tasting im Internet

Virtueller Kontakt – echter Geschmack

Westerkappeln

Sieben Männer, ein Thema: Bier. Der Westerkappelner Feinkosthändler Martin Speer hat zum Biertasting geladen – online, wie es sich in Corona-Tagen gehört.

Martin Ellerich

Fröhliche Runde trotz trockener technischer Kommunikation: Der Westerkappelner Feinkosthändler Martin Speer (auf dem Bildschirm) hat seine Tastings wegen des Coronavirus ins Internet verlegt. Foto: Dietlind Ellerich

Zuprosten geht, miteinander anstoßen nicht. Es macht wenig Sinn, das Glas gegen den Bildschirm zu schlagen. Der fröhlichen Stimmung der sieben Männer, die sich hier – sauber räumlich getrennt – zusammengefunden haben, tut das keinen Abbruch. Sieben Männer, ein Thema: Bier. Der Westerkappelner Feinkosthändler Martin Speer hat zum Biertasting geladen – online, wie es sich in Corona-Tagen gehört.

Jeden Freitagnachmittag stellt Speer ein Bier in seinem Laden „Martin‘s das Feine genießen“ in Westerkappeln vor – normalerweise. Das persönliche Treffen muss jetzt ausfallen, ebenso wie die Feste und Märkte auf denen Speer sich und seine Bierspezialitäten normalerweise vorstellt. Um von seinen Brauaktionen gar nicht zu reden. „Veranstaltungen sind generell sehr wichtig für mich“, sagt Speer. Auf Anregung eines Stammkunden hat Speer die Probierrunden seit einigen Wochen per Video-Chat-Dienst ins Internet verlegt. „Das fängt zwar die analogen Tastings bei Weitem nicht auf“, sagt Speer, „aber ich bleibe im Gespräch und in Kontakt mit den Kunden.“

Vier Biere zum Probieren

18:55 Uhr. Nach und nach tauchen die Männer am Bildschirm auf. Martin Speer steht in seinem Laden. Joachims Wohnzimmer-Decke ist holzvertäfelt. Von Patrick ist zunächst nur das Vogelzwitschern zu hören, dann erst taucht das Bild seines Gartens auf. Als Michael auf dem Laptop-Bildschirm aufploppt, wird zum ersten Mal gelacht: Er sitzt mit Mundschutz vor seinen Bierflaschen. Das weiße Tuch verschwindet noch vor dem ersten Kronkorken. Jürgen dagegen hat es sich im Wohnmobil bequem gemacht. Er ist vorbereitet. Gleich nach der Begrüßung beißt er herzhaft ins Mettendchen. Stimmt, eine gute Grundlage wäre nicht schlecht.

Denn vier Biere hat jeder vor sich stehen – das Probierpaket aus Speers Laden. Flasche für Flasche wird geöffnet, die Farbe beurteilt, der Geruch, endlich – „Prost!“ – der Geschmack. Vom leichten Ratsherrn Pilsener über den „Hopfenstopfer“ bis zum „Elvis Juice“ von Brewdog aus Schottland mit satten 6,5 Prozent Alkohol geht es. Aber wie das duftet: frisch, nach Grapefruit. „Die setzen beim Brauen Grapefruit-Schalen zu“, erklärt Speer. Mit dem deutschen Reinheitsgebot hat das Bier der Schotten wenig zu tun – umso mehr mit Geschmack.

Viel Geschmack

Aber auch traditionell nur mit Wasser, Malz, Hefe und Hopfen ist viel Geschmack zu erreichen. Das beweist der „Hopfenstopfer“. Frisch und zitrusfruchtig kommt er daher. „Aromahopfen: Citra-Hopfen“, erklärt Speer. „Dieses Bier ist schuld, dass ich meinen Laden aufgemacht habe“, schwärmt er. Rund 100 Sorten kann er liefern – vom hopfigen „Matrosenschluck“ bis zum Mongozo Banana.

Das kommt als letztes Bier des Abends – und in der Männerrunde nur mäßig an. „Das riecht wie diese Bananen-Chips“, klagt Michael. „Schmeckt besser als es riecht“, ist das höchste Lob.

Aber viel besser als erwartet funktioniert das Online-Biertasting: viele Infos, nette neue Leute in fröhlicher Runde, leckeres Bier. Es ist fast wie bei einem normalen Tasting in normalen Zeiten. Fast. Einen Vorteil hat die Internet-Probe: Es muss niemand mehr fahren.

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