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FH Münster wirbt für effektive Nutzung

Wärmeenergie: Eine ziemlich heiße Sache

Münsterland

Heißes Wasser wird immer und überall gebraucht: unter der Dusche, in der Spüle oder in der Heizung. Viel zu oft wird dafür aber importiertes Erdgas genutzt, bedauert Christof Wetter. „Die Wärmebereitstellung im Münsterland kann deutlich effizienter und nachhaltiger werden.“ Darum wirbt der Professor des Fachbereichs Energie – Gebäude – Umwelt an der FH Münster dafür, Wärme und Verbraucher insbesondere in sogenannten Wärme-Hotspots in einem Netz miteinander zu verbinden.

Stefan Werding

Grafik eines Wärmespeichers. Foto: Agentur für Erneuerbare Energien e.V.

Überall da, wo etwa Blockheizkraftwerke für Strom sorgen, entsteht heißes Wasser. Oft wird das nicht so effektiv genutzt wie möglich: „Ist es vernünftig, damit Brennholz zu trocknen, oder ließe sich die Wärme nicht besser in ein Wärmenetz einspeisen?“, fragt Wetters Mitarbeiter Hinnerk Willenbrink.

Wie wertvoll diese Wärme ist, zeigt Ennigerloh. Dort wird der Bioabfall aus dem Kreis Warendorf verarbeitet. Mit dem dabei entstehenden Biogas wird in einem Block heizkraftwerk Strom erzeugt. Dabei wird heißes Wasser produziert, das in Tanklastern zu Kunden gebracht wird. Es ginge auch einfacher: Ein unterirdisches Netz, ähnlich wie Wasserleitungen.

Viel Potenzial ist gegeben

Im Münsterland sind etwa 60 Prozent aller Biogasanlagen nur drei Kilometer vom nächsten Wärme-Hotspot entfernt, 30 Prozent sogar nur zwei. „Da ist viel Potenzial, das sich heben ließe“, sagt Wetter. Die Wärme, die etwa in Blockheizkraftwerken bei der Produktion von Strom zusätzlich entsteht, könnte in Schulen, Krankenhäusern, Schwimmbädern und Verwaltungsgebäuden eingesetzt werden.

Und wenn Privathäuser auf dem Weg liegen, spricht nichts dagegen, auch die an das Wärmenetz anzubinden, damit die ihr Spülwasser oder ihr Duschwasser erhitzen können. Energien zum Beispiel aus Pellets oder Sonnenkraft könnten das Netz weiter stärken. 17 Kommunen mit mindestens einem Wärmenetz gibt es bereits im Münsterland, doch nach Meinung der Forscher könnten es deutlich mehr sein.

Christof Wetter

Während im vergangenen Jahr in Deutschland 29 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammten, waren es bei der Wärme nur neun, berichtet die FH.

Wärmenetzwerke im Münsterland

Willenbrink leitet ein Projekt, in dem jetzt eine besondere Karte entstanden ist. Sie kann den Klimaschutzmanagern der Kommunen zeigen, wo Wärmenetze sinnvoll sind. Die Karte zeigt 187 „Hotspots“, an denen sich ein Wärmenetzwerk lohnen könnte, „wenn wir es schaffen, dort eine Wärmequelle aufzutun. Unsere Karte gibt konkrete Vorschläge, wo es sinnvoll ist, auf erneuerbare Energien umzusatteln“, sagt Willenbrink.

Vielleicht finden die Klimaschutzmanager heraus, dass die Heizungen dort ohnehin renoviert werden müssen, vielleicht lassen sich dann die öffentlichen Gebäude gleich miteinander verbinden. Denkbar ist sogar, das nächste Wohngebiet gleich nebenan zu planen, damit sich die Wärme auch dort verwenden ließe. Auch industrielle Abwärme ließe sich einbinden.

Vorbild Dänemark

Lohnen würde sich das allemal, hat das Team hochgerechnet: In den ermittelten Hotspots wird ein Drittel des kompletten Heizwärme- und Warmwasserbedarfs des Münsterlandes gebraucht – auf gerade mal 1,5 Prozent seiner Gesamtfläche.

Skeptikern, die glauben, dass das Münsterland nicht dicht genug besiedelt ist für solche Pläne, berichtet Willenbrink aus Dänemark. Dort sind schon zwei Drittel aller Bewohner an eins der vielen kleinen Wärmenetze angeschlossen. Und Dänemark sei in Punkten wie der Bevölkerungsdichte, der Rolle der Landwirtschaft oder dem Verbrauch durchaus mit dem Münsterland vergleichbar.

Standorte für Wärmenetze

Ochtrup: Bioenergie Sunderhook

Steinfurt: Energielandschaft Hollich

Greven: Nahwärmeversorgung Freibad

Greven: Bioenergie Guntrup Wärmeversorgung Gärtnerei

Ladbergen: Fernwärmeleitung Ladbergen Hafen/Greven, Flughafen FMO

Recke: Wärmeversorgung Ortskern

Recke: Nahwärme Steinbeck

Ostbevern: Nahwärme Kohkamp

Nottuln: Nahwärmenetz Nottuln-Hummelbach

Saerbeck: Gläserne Heizzentrale Saerbeck

Coesfeld: Nahwärmeverbund

Ostbevern: Heizkraftwerk Beverlandenergie

Mettingen: Ökologische Nahwärmeversorgung

Lüdinghausen: Arealversorgung Nahwärme

Westerkappeln: Nahwärmenetz Haubreede

Gronau: Wärmenetz Irma-Sperling-Straße

Gronau: Wärmenetz Hildegardring

Ahaus: Wärmenetz am Kalkbruch

Havixbeck: Nahwärmezentrum Gesamtschule

Senden: Nahwärmenetz Sportpark

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