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Studie des Berlin-Instituts

Westfalen - Eine Region mit vielen Aussichten

Berlin

Welche Potenziale schlummern in der Region Westfalen? Und wie können sie besser genutzt werden? Das wollten die Westfalen-Initiative und der Landschaftsverband wissen und gaben eine Studie in Auftrag. Am Dienstag wurde sie in Berlin vorgestellt. Mit erfreulichen Ergebnissen.

Elmar Ries

Foto: dpa, Montage: gap

Wer’s nicht besser weiß, schert die Teilregionen Westfalens gerne über ei­nen Kamm: Viel Ländlichkeit, kaum Urbanität – und entsprechend wenig los. Das stimmt natürlich so nicht. Wie es wirklich ist, wurde für ganz Westfalen bislang nicht untersucht. An diese Arbeit gemacht hat sich in den vergangenen Monaten das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung.

Den Auftrag dazu gaben die Westfalen-Initiative und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Am Dienstag wurden die Ergebnisse in der NRW-Landesvertretung in Berlin vorgestellt. Stilecht im Saal „Westfalen“. Mit teils überraschenden Ergebnissen.

„Westfalen ist ein überaus heterogener Raum“, eröffnete Institutsdirektor Dr. Reiner Klingholz. In dem zudem ansonsten gültige Annahmen nicht stimmen. Ländliche Räume, die ausbluten, urbane Räume, die boomen. Eine Wirtschaft, die überall dort brummt, wo’s nicht allzu Feld-Wald-Wiesen-mäßig ist. Vielerorts ist das so.

Bevölkerungsrückgänge in Ostwestfalen

In Westfalen ist es anders. OWL, das Münsterland, Südwestfalen sind die ökonomischen Motoren in NRW. Bevölkerungsrückgänge quälen den Osten Ostwestfalens und Süd-Südwestfalen. Münster hingegen wächst, das Münsterland ist stabil, der Kreis Gütersloh, die Stadt Bielefeld, der Landkreis Paderborn boomen. Verkehrte Welt in Westfalen also.

Aber keine dauerhaft heile. Natürlich drückt auch in Westfalen der Fachkräftemangel, natürlich gehen auch hier die Jungen, gut Ausgebildeten in die Städte.

Foto: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung; Grafik: Lisa Stetzkamp

Was nun tun? Entwicklungsmöglichkeiten suchen, Gemeinsamkeiten finden, Lösungen, die vielen helfen. Dazu bildete das Berlin-Institut Gruppen, neudeutsch Cluster, in die sie die 231 westfälischen Städte und Gemeinden einsortierte, um Vergleichbarkeiten zu schaffen. Das war eine echte Sisyphos-Arbeit, die Susanne Dähner übernahm.

Sie definierte Kommunen der kurzen Wege (49), also vor allem die großen Städte. Solche mit einem starken Mittelstand (56). Die sogenannten „Speckgürtelgemeinden“ (77), in denen vor allem junge Familien leben. Und die sehr ländlichen Räume (49). „Die Orte eines Clusters kön nen voneinander lernen, weil ihre Herausforderungen ähnlich sind“, sagte Dähner.

Foto: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung; Grafik: Lisa Stetzkamp

Stichwort: Personalressourcen

Vielfalt auf der einen Seite, Grundsätzliches auf der anderen: Klingholz schlug hier Pflöcke ein. Der erste: Gute Jobs anbieten reicht alleine nicht mehr. „Wichtig ist immer, Faktoren wie attraktiven Wohnraum sowie Angebote für Kita über Schule und Freizeitmöglichkeiten mitzudenken.“

Nötig sei ferner, die Personalressourcen in einer Re­gion zu heben, wie beispielsweise gut ausgebildete Frauen, die oft in Teilzeit oder gar nicht arbeiten, und das schnelle Internet als Grundversorgung ansehen – und entsprechend ausbauen. Zentral für Klingholz: In einer Region immer den Kooperationsgedanken vor das Konkurrenzdenken schieben.

Die Studie im Internet

Die komplette Studie steht im Internet zum Download bereit: hier.

Am Ende voll des Lobes waren die Initiatoren. „Die Cluster bieten Möglichkeiten einer völlig neuen Partnersuche“, sagte LWL-Direktor Matthias Löb. Dr. Karl-Heinrich Sümmermann von der Westfalen-Initiative betonte das bürgerschaftliche Engagement, „ohne das eine positive Entwicklung im länd­lichen Raum kaum möglich sein wird.“

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