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Bischöfe bitten um Spenden für Adveniat

„Wir haben die Armen nicht im Blick“

Münster

Wenn wegen Corona Weihnachten weniger Gläubige in die Kirche gehen, dann werden das die Ärmsten in Lateinamerika zu spüren bekommen. Darum warben Münsters Bischof Felix Genn und der brasilianische Erzbischof Dom Leonardo Steiner für Adveniat.

Von Stefan Werding

Bischof Genn (l.) sagt über Erzbischof Steiner: „Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr ich bewundert habe, was Du getan hast.“ Foto: Oliver Werner

Bischof Felix Genn hat die Menschen in Deutschland aufgefordert, die Armen in Lateinamerika mehr zu beachten: „Corona hat auf beängstigende Weise deutlich gemacht: Wir haben die Armen nicht genug im Blick. Wir sichern unser Überleben auf Kosten der Menschen in den armen Ländern des Südens“, sagte er zur Eröffnung der bundesweiten Weihnachtsaktion von Adveniat. Mauern, Stacheldrähte und Grenzbefestigungen seien Symbole eines „überkommenden Nationalismus“. Sie schützten reichere Länder weder vor einem Virus noch vor Menschen, die ein menschenwürdiges Leben suchten.

Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat

Das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat sammelt an den Weihnachtstagen wieder Spenden. Die Aktion steht unter dem Motto „ÜberLeben in der Stadt“. Den Löwenanteil des Geldes bekommt Adveniat in der Kollekte am 24. und 25. Dezember. Wenn Corona die Gläubigen davon abhält, die Gottesdienste zu besuchen, dann sinken auch die Spenden. Und zwar drastisch. 2020 hab sie sich fast halbiert: von 22 auf zwölf Millionen Euro, wie Martin Maier, Hauptgeschäftsführer von Adveniat, am Donnerstag erklärte. Dafür stieg zwar die Zahl der Einzelspenden von 15 auf 21 Millionen. Trotzdem ist die Sorge, dass die Einnahmen mager ausfallen, groß.

Hilfe fürs coronageplagte Brasilien

Dabei brauche der Kontinent die Hilfe mehr denn je. Das, was Corona zum Beispiel in Brasilien anrichtet, schildert der Erzbischof des brasilianischen Manaus in Brasilien, Leonardo Ulrich Steiner: „Wenn wir als Kirche Sauerstoff organisieren müssen, damit die Menschen nicht ersticken, wenn wir als Kirche Hygieneartikel und Medikamente verteilen müssen, damit die Menschen sich schützen können, und wenn wir als Kirche die Menschen über die Pandemie aufklären und sie testen müssen, dann zeigt das, wie marode, wie unsolidarisch und wie ungerecht unser Gesundheitssystem ist.“

Münsters Bischof Felix Genn zu Manaus' Erzbischof Leonardo Steiner

Genn berichtete, dass Steiner dort hingehe, wo es schmerzt. „Manchmal konntest Du nur Lastwagen segnen, in denen die Corona-Leichen zum Friedhof gebracht wurden. Du hast Dich auf der Straße zu den Menschen gesetzt und ihnen Mut zugesprochen. Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr ich bewundert habe, was Du getan hast“, sagte Münsters Bischof. Nachdrücklicher könne die Nachfolge Christi nicht sein.

Spendenaktion wird in Münster eröffnet

Der Gottesdienst, mit dem Adveniat seine bundesweite Spendenaktion eröffnet, beginnt am Sonntag (28. November) um 10 Uhr im münsterischen Dom. Spenden unter ­adveniat.de oder an die IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45.

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