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Wolfgang-Borchert-Theater in Münster stellt die Spielzeit 2021/22 vor

„Wir haben heiße Zeiten hinter uns“

Münster

Eine äußerst eingeschränkte Corona-Saison liegt hinter, eine hoffentlich bessere Saison vor dem Ensemble des Borchert-Theaters. Jetzt stellte das Führungsteam des Hauses am Hafen in Münster das Programm für 2021/22 vor. Wir geben einen Überblick.

Von Arndt Zinkant

Das Team des Borchert-Theaters hat harte Corona-Zeiten hinter sich und hoffentlich eine weniger eingeschränkte Saison vor sich. Hier sehen wir von links nach rechts Chefdramaturgin Tanja Weidner, Intendant Meinhard Zanger, Regie-Assistent Felix J. Mohr, die künftige Dramaturgin und Pressereferentin Annika Bade, Lars Motel (Westfälische Schule für Musik) sowie Dramaturg und Pressereferent Frederik IvenRosana Cleve und Erika Jell sind in einer modernen und humorvoll gereimten Fassung von „Antigone“ zu sehen. Foto: Arndt ZinkantKlaus Lefebvre

Heiß ist es in diesen Frühsommertagen vor dem Wolfgang-Borchert-Theater in Münster. „Wir haben auch heiße Zeiten hinter uns“, resümierte Intendant Meinhard Zanger drinnen bei der Pressekonferenz, auf der die Produktionen der Spielzeit 2021/22 vorgestellt wurden. Die Krise ist nicht vorbei. Insgesamt konnte jedoch das WBT bislang gut durch die Corona-Pandemie geführt werden – allen Einbußen zum Trotz, die es natürlich gegeben hat und noch gibt. Zanger und Chefdramaturgin Tanja Weidner dankten allen Spendern, insbesondere für die Hilfe von „Stadt, Land und Bund“. Bei der passenden Benennung der vorigen Spielzeit („Zeitenwende“) habe man von Corona noch gar nichts gewusst, meint Weidner mit einem Lächeln im Gesicht.

Mit dem Leitwort „WÜRDE.VOLL.MENSCH“ ist die kommende Spielzeit nun überschrieben. Eröffnet wird sie am 21. August mit „Der Sandmann“, einem düsteren Nachtstück von E.T.A. Hoffmann „über die Macht des Unterbewussten und die überaus modernen Ängste vor der kybernetischen Wissenschaft“. Gespielt wird eine Fassung der neapolitanischen Regisseurin Luisa ­Guarro; keine Unbekannte im Borchert – von ihr ist auch die „märchenhaft“ düstere Produktion „Der König lacht“, die sich immer noch im Borchert-Repertoire hält. Der „Sandmann“ war übrigens schon früher geplant gewesen, doch konnte die Italienerin wegen eines Corona-Einreiseverbots die Arbeit seinerzeit nicht pünktlich aufnehmen.

Antikes Drama wird mit der Neuproduktion von „Antigone“ zu sehen sein – und der Klassiker von Sophokles kommt mit einer humorig gereimten Auffrischung auf die Bühne, mit Musik und Text von dem genialen Liedermacher Bodo Wartke. Obwohl ein witziger Verseschmied, sei Wartke sehr respektvoll mit dem Stoff umgegangen, so Meinhard Zanger. Erstmals wird der langjährige Borchert-Schauspieler Florian Bender hier Regie führen. Premiere ist am 30. September.

Zwei weitere Produktionen werden von Tanja Weidner inszeniert: Büchners Woyzeck (Premiere am 9. September, mit einer Frau in der Titelrolle) und „Corpus Delicti“, eine Roman-Adaption nach Juli Zeh. Letztere Produktion befasse sich passenderweise mit dem Gesundheitssystem; Premiere ist am 2. Februar 2022.

„Theater vor existenziellen Herausforderungen“

Einmal mehr ist Meinhard Zanger frankophil unterwegs – mit seiner Inszenierung des Stücks „Die Turing-Maschine“ von Benoit Solès, das bereits mit dem französischen „Prix Molière“ ausgezeichnet wurde. Ein Theaterstück über das frühe Computer-Genie Alan Turing, dessen Arbeit half, den Enigma-Code der Nazis zu knacken.

Ebenfalls unter Zangers Regie wird auch die vom Publikum stets geliebte Open-Air-Produktion im Hafenbecken realisiert: „The Black Rider – The casting of the magic bullets“. Das fantastische Spektakel beruht auf der Freischütz-Sage und wartet mit Musik von Tom Waits auf. Mit im Boot: Die Westfälische Schule für Musik (musikalische Leitung: Jürgen Knautz und Manfred Sasse). Dieses Sommerspektakel, das seine Wirkung nicht verfehlen wird, wird am 13. Mai 2022 Premiere feiern (mit Previews zwei Tage zuvor). Und über eine Zuschauerbeschränkung – die im Innenraum zurzeit bei 98 Plätzen liegt – muss Zanger sich hier zum Glück keine Gedanken machen.

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