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Aktionen gegen Grüne im Wahlkampf

Zerstörte Plakate und falsche Zitate

Kreis Coesfeld

Die Grünen im Kreis Coesfeld sind sauer. Zig Wahlkampfplakate wurden zerstört, über WhatsApp machen Meldungen mit falschen Zitaten und Aussagen die Runde. Mehrere Orts-Grüne haben Anzeigen erstattet. 

Von Viola ter Horst

Etliche Wahlkampfplakate zerstört, falsche Grünen-Zitate: Die Grünen befürchten, auch im Kreis Coesfeld von gezielten Aktionen betroffen zu sein. Hier ein zerstörtes Plakat in Nordkirchen. Bundesweit laufen Schmähkampagnen aus rechtsextremen Kreisen gegen die Grünen. Foto:

Zerrissen, übermalt, zerstört: Die Grünen sind sauer. „So etwas ist unfassbar“, sagt Bundestagskandidatin Dr. Anne-Monika Spallek (Billerbeck). Zig Wahlkampfplakate im Kreis Coesfeld wurden zerstört – inzwischen haben mehrere Orts-Grüne Anzeigen erstattet. Doch damit nicht genug, über WhatsApp machen Meldungen mit falschen Zitaten und Aussagen über die Grünen die Runde im Kreis Coesfeld.

„Mich haben Leute darauf aufmerksam gemacht, nachdem ich im Rahmen des Haustürwahlkampfs bei ihnen zu Besuch war“, berichtet Spallek. „Sie fragen sich, ob das stimmt, weil sie sich nicht vorstellen können, dass die Grünen so etwas gesagt haben sollen.“

Von mehreren Seiten seien die Grünen bereits angesprochen worden, sagt Kreis-Grünen-Sprecher Willi Kortmann. Dabei seien die geteilten Zitate längst widerlegt. „Das sind Fakes, Lügen“, so Kortmann. So zum Beispiel das angebliche Zitat der Grünen Renate Künast: „Integration fängt damit an, dass Sie als Deutscher mal türkisch lernen.“ Oder von Stefanie von Berg, die gesagt haben soll: „Es ist gut so, dass wir Deutsche bald in der Minderheit sind.“

Bundesweite Schmähkampagne

Das Recherchezentrum „Correctiv“ überprüfte die Zitate teilweise schon vor Jahren und kam zu dem Schluss, dass die meisten falsch sind.

Die Grünen haben den Verdacht, dass sie auch im Kreis Coesfeld von einer gezielten rechten Kampagne betroffen sein könnten. Beschmierte und zerstörte Plakate gebe es zwar immer, aber nicht in dieser Masse, so Spallek. Dazu die Aktion mit den Fake-Zitaten.

Bundesweit läuft unter dem Hashtag „Grüner Mist 2021“ eine Schmähkampagne gegen die Grünen. Insbesondere in Großstädten werden Plakate aufgehängt, die auf dem ersten Blick aussehen als seien sie von den Grünen. Allerdings lassen die Sonnenblumen die Köpfe hängen und die drastischen Schlagwörter richten sich in Wirklichkeit gegen die Grünen: „Masseneinwanderung. Arbeitslosigkeit. Klimasozialismus“ steht da zum Beispiel auf den Groß-Plakaten.

CDU- und SPD-Vertreter zeigten sich mit den Grünen solidarisch und verurteilten die Schmutzkampagne scharf.

„Wir haben diese Plakate im Kreis Coesfeld noch nicht gesehen“, sagt Spallek. Ob es einen Zusammenhang gibt, ist nicht klar. Aber offenbar ist, dass aus rechtsextremen Netzwerken weitere Hetz-Aktivitäten gegen die Grünen laufen.

Pseudo-Flyer aufgetaucht

Verantwortlich für die Initiative „Grüner Mist“, die eine eigene Internetseite hat und deutlich zum Mitmachen aufruft, ist David Bendels mit der in Hamburg ansässigen Firma Conservare Communication. Die Firma ist ebenfalls Herausgeberin des rechtspopulistischen, AfD-nahen Online-Mediums „Deutschland-Kurier“ – mit Bendels als Chefredakteur. Bendels erklärte, dass die Kampagne allerdings nichts mit der AfD zu tun habe. Die AfD beteuerte dies ebenso.

Aufgetaucht sind inzwischen auch Grüne Pseudo-Flyer. Bislang ist nicht bekannt, dass sie in Briefkästen im Kreis Coesfeld landeten, aber nach Angaben der Grünen unter anderem in Lünen im Kreis Unna. Absender der Faltblätter („Die grüne Ideologie zerstört Deutschland“) ist die Internetpublikation „Die Freie Welt“. Geht man auf die Internetseite, blinkt ein großformatiger Banner mit den Anti-Grünen-Flyern, die man über die „Freie Welt“ bestellen kann. Und dort ist die Verbindung zur AfD deutlich.

Bei der „Freien Welt“ handelt es sich nämlich um einen Teil der rechten Netzwerkpublikationen, die die AfD-Politikerin Beatrix von Storch und ihr Mann Sven gründeten. Sven von Storch hetzt dort ganz offen gegen die Grünen. Er bestätigt auch, dass das Faltblatt von der „Freien Welt“ kommt, als ein Bestandteil des Kampfes gegen die Grünen. Es werde immer „weiter nachbestellt, täglich über 10.000 Mal“, brüstet sich von Storch.

Über alle weiteren Nachrichten rund um die aktuelle Wahl informieren wir Sie auf der Sonderseite zur Bundestagswahl 2021 auf wn.de.

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