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Tiger biss Pfleger tot

Zoodirektor Adler: „Es gibt keinen Grund, Rasputin für sein Verhalten zu hassen“

Münster

Es ist ein schwerer Gang für Jörg Adler. Und das sieht man dem Direktor des münsterischen Allwetterzoos an. Der 66-Jährige muss erklären, was nicht zu erklären ist: Einer seiner Tierpfleger ist kurz zuvor getötet worden. Von dem zehn Jahre alte Tiger Rasputin. „Es war ein tragischer Unfall“, sagt Adler. Seine Stimme zittert, nur mit Mühe kann er die Tränen zurückhalten. „Das ist jetzt so scheiß-schwierig“, entfährt es ihm.

Elmar Ries und Sandra Peter

So, wie sich die Situation darstellt, hat sich Folgendes ereignet. Der 56 Jahre alte Pfleger, der seit vielen Jahren im Zoo arbeitet, hat bei der Fütterung am Nachmittag offenbar vergessen, das Gitter zwischen dem Innen- und Außenbereich zu schließen. Als er dann ins Gehege ging, um es zu reinigen, wurde er vom Tiger-Männchen Rasputin angesprungen und durch einen Biss ins Genick getötet.

„Es war menschliches Versagen“, sagt Adler. Der Zoo verfügt nach Angaben seines Direktors über „alle gängigen Sicherheitsvorkehrungen“.

Keine Chance auf Rettung

Das Unglück ereignete sich um kurz nach vier. Zoobesucher schlagen sofort Alarm. Die Rettungskette greift. Adler wird später sagen, dass ihm sofort bewusst war, dass es für seinen Mitarbeiter keine Rettung mehr gab.

Bis zum Abend ist das Tigergehege weiträumig abgesperrt. Der letzte Rettungswagen fährt um halb sechs. Zoo-Mitarbeiter seien sofort mit „Narkosegeräten und auch Waffen vor Ort gewesen“, erzählt der 66-Jährige weiter. Beides musste nicht eingesetzt werden.

Tiger sah in Pfleger "einen Rivalen"

„Es gibt keinen Grund, Rasputin für sein Verhalten zu hassen.“ Auch wenn es nach einem derart tragischen Unfall nur schwer zu verstehen sei: „Der Tiger hat aus der Sicht eines Tieres rational gehandelt“, sagt der Zoo-Direktor. Er habe in dem Pfleger einen Eindringling gesehen, „einen Rivalen“, und sofort angegriffen.

Das Opfer war nach Angaben des Zoos alleinstehend. Der 56-Jährige habe Verwandte in Frankfurt, die umgehend informiert wurden. „Er war ein stiller Mitarbeiter“, sagte Adler. Einer, der sich ungemein für Tiere interessiert habe, der immer umsichtig gewesen sei. „Er hat den Zoo geliebt.“ Und wenn jemand, „der ein besonderes Verhältnis zu Tieren hat, von einem Tier getötet wird, ist das natürlich besonders tragisch.“

Notfallseelsorger kümmerten sich am Nachmittag um die Mitarbeiter. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. „Ich bin jetzt 48 Jahre im Geschäft und habe all die Jahre gehofft, dass so etwas nicht eintrifft“, sagt der Zoo-Direktor. Es kam anders.

Chronologie tragischer Tier-Attacken

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