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Forsa-Umfrage zur Gesundheitsversorgung

Zuspruch für Telemedizin wächst: Videosprechstunden immer beliebter

Münster

Immer mehr Menschen in Westfalen-Lippe sind dazu bereit, das Angebot einer Videosprechstunde beim Arzt zu nutzen. Das geht aus einer am Mittwoch vorgestellten Forsa-Umfrage zur Gesundheitsversorgung während der Corona-Pandemie im ländlichen Raum hervor. Für die Zukunft der medizinischen Versorgung auf dem Land ist das ein bedeutender Schritt.

Mirko Heuping

Eine Ärztin kommuniziert mit dem Patienten über eine Webcam, Foto: Imago/Jochen Tack

Die Forsa-Umfrage verdeutlichte auch, dass die nachweislich gute Qualität von Ärzten und Krankenhäusern für die Befragten ein deutlich wichtigeres Kriterium bei der Wahl des Behandlungsortes ist als die Nähe zur eigenen Wohnung. 97 Prozent setzen darauf beim Arzt, sogar 98 Prozent beim Krankenhausaufenthalt. Die Nähe zum Wohnort ist nur 64 Prozent (Arzt) beziehungsweise 41 Prozent (Krankenhaus) entscheidend.

„Das Coronavirus kann einen Schub in der Digitalisierung des Gesundheitswesens leisten, der aufgrund des zunehmenden Landärztemangels dringend benötigt wird“, sagt Tom Ackermann, Vorstand der AOK Nordwest, die die Studie in Auftrag gegeben hat. Zwar haben in jüngster Vergangenheit nur fünf Prozent der Befragten telemedizinische Leistungen in Anspruch genommen, allerdings stieg die Zahl derjenigen, die sich dies generell vorstellen können, von 47 Prozent im Jahr 2019 auf 66 Prozent im November 2020. Vor allem Männer (74 Prozent) signalisierten Bereitschaft.

Defizite ausgemacht

Für die Zukunft könne dies Ackermann zufolge die medizinische Betreuung in ländlichen Bereichen wesentlich beeinflussen. „Wir werden junge Mediziner nicht mit mehr Geld dahin bekommen, wo sie nicht leben wollen“, sagt er. Deshalb unterstütze er „die Installation von Gemeindeschwestern“. Diese speziell weitergebildete medizinische Fachangestellte oder Pflegekraft könne mit Unterstützung von Ärzten, die eine Videosprechstunde anbieten, dort die Grundversorgung übernehmen, wo Mediziner fehlen werden.

Unnötige Mehrfach- und Fehlversorgungen in der Gesundheitsversorgung will Ackermann zudem abbauen. Die Pandemie habe gezeigt, dass zwar die medizinische Versorgung bislang überwiegend gut funktioniert hat, jedoch dringender Reformbedarf bestehe. Dazu zähle auch, dass Defizite in der Notfallversorgung angegangen werden müssten.

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