1. www.wn.de
  2. >
  3. NRW
  4. >
  5. 0, 5 oder 14 Tage: Streit über Quarantäne für Schüler

  6. >

0, 5 oder 14 Tage: Streit über Quarantäne für Schüler

Köln (dpa/lnw)

Gibt es einen Corona-Fall in einer Klasse, müssen enge Kontaktpersonen in NRW für 14 Tage in Quarantäne. An dieser Regelung gibt es viel Kritik. Doch wie lange die Quarantäne künftig dauern soll, darüber ist sich die Politik nicht einig.

Von dpa

Ein Abstrich wird in einem Labor auf das Coronavirus untersucht. Foto: Oliver Berg/dpa/Symbolbild

Die Diskussion über die Dauer der Quarantäne für Schüler in NRW ebbt nicht ab. Die Stadt Köln will mit einem Modellversuch vorpreschen und nur noch positiv getestete Schüler in Quarantäne schicken - selbst direkte Banknachbarn sollen prinzipiell in der Klasse bleiben dürfen. Die SPD-Fraktion im Landtag plädiert dafür, für die ganze Schulklasse fünf Tage Quarantäne anzuordnen. Bislang muss in Nordrhein-Westfalen in der Regel die ganze Klasse für 14 Tage in Quarantäne.

Auch bei Eltern von Kita-Kindern gibt es massive Kritik an der aktuell geltenden 14-tägigen Quarantäne. «14 Tage Quarantäne für alle Kontaktpersonen sind nicht verhältnismäßig», kritisierte der Landeselternbeirat (LEB) der Kindertageseinrichtungen in NRW.

Am Donnerstag wird der Landtag auf Antrag der SPD in einer Sondersitzung über die Situation der Jugendlichen und Kinder in der Corona-Krise diskutieren. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Ott, warf der Landesregierung am Dienstag eine fehlende Strategie in der vierten Corona-Welle vor. Er forderte mehr Tests an den Schulen. Bei einem Corona-Fall solle zunächst die gesamte Klasse in Quarantäne geschickt werden - allerdings müsse für die Schüler die Möglichkeit bestehen, mit einem negativen Test nach fünf Tagen in den Präsenzunterricht zurückzukehren.

Die Stadt Köln will mit einem Schul-Modellversuch einen anderen Weg einschlagen. In Quarantäne sollen dort nur noch positiv getestete Schülerinnen und Schüler. Direkte Sitznachbarn der Infizierten sollen stattdessen täglich getestet werden und nicht mehr mit in Quarantäne müssen, wie ein Sprecher mitteilte. Die Stadt führe wegen des Modellversuchs Gespräche mit der Uniklinik Köln. Zuvor hatten der «Kölner Stadt-Anzeiger» und der WDR berichtet.

«Infektionen bei Kindern und Jugendlichen nehmen nur äußerst selten einen schweren Verlauf», teilte die Stadt mit. Durch das Verfahren sollen demnach die psycho-sozialen Folgen der Quarantäne gemindert werden. Unter welchen Voraussetzungen der Modellversuch starten könnte, blieb zunächst offen. Über Einzelheiten solle bald informiert werden, hieß es. Vom NRW-Gesundheitsministerium hieß es lediglich, der Vorschlag der Stadt Köln sei eingegangen und werde geprüft.

Aktuell müssen Kinder, die engen Kontakt mit einem Infizierten hatten, 14 Tage in Quarantäne. Als enge Kontaktpersonen gelten nach einem Erlass des NRW-Gesundheitsministeriums Schüler und Schülerinnen, die vor, hinter, rechts oder links vom Infizierten gesessen haben. Geimpfte ohne Symptome sind davon ausgenommen.

Nach Ansicht von SPD-Fraktionsvize Ott kommt das geplante Projekt in Köln viel zu spät. Der Sprecher der Elterninitiative «Mobile Raumluftfilter NRW», Franz-Josef Kahlen, kritisierte den Modellversuch. Es sei ein «äußert riskantes Spiel». Durch die hochansteckende Delta-Variante sei das Risiko, sich in einem Klassenraum anzustecken, sehr groß. «Nur die positiv Getesteten in Quarantäne zu schicken, greift unseres Erachtens viel zu kurz.»

Die Initiative fordert, alle Klassenräume zum Schutz der Kinder mit Luftreinigern auszustatten. Sie war der Landesregierung vor, nicht die dafür notwendigen Voraussetzungen geschaffen zu haben.

Nach Angaben des Schulministeriums von Montag befanden sich in NRW mit Stichtag 26. August 30.018 Schüler und Schülerinnen in Quarantäne. Das entspreche 1,6 Prozent der Schülerschaft. Bei 6561 Schülern wurde eine Corona-Infektion bestätigt.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen lag nach Daten des Landeszentrums Gesundheit NRW (LZG) landesweit am Montag bei 316,4. Über alle Altersgruppen hinweg meldete das LZG eine Inzidenz von 124,9.

Startseite