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Silvesterpredigt

Aachener Bischof fordert Freiheit für Karlspreisträgerin

Aachen/Essen/Köln (dpa)

Aachens Bischof Helmut Dieser hat in seiner Silvesterpredigt die Freilassung der Karlspreisträgerin Maria Kolesnikowa aus der Haft in Belarus verlangt. Er appelliere zusammen mit den Ausrichtern des Karlspreises, dass Kolesnikowa, die 2022 mit zwei weiteren Frauen die Auszeichnung bekommen hatte, «umgehend aus der Haft entlassen wird und alle nötige medizinische Behandlung bekommt», sagte Dieser laut des vorab veröffentlichten Predigttextes am Samstag im Dom von Aachen.

Von dpa

Maria Kolesnikowa, Oppositionelle aus Belarus, während einer Gerichtsverhandlung. Foto: Ramil Nasibulin/BelTA/AP/dpa/Archiv

Der Karlspreis war im Mai 2022 an drei Bürgerrechtlerinnen aus Belarus verliehen worden. Swetlana Tichanowskaja und Veronika Zepkalo konnten die Auszeichnung persönlich entgegennehmen. In dem vom Machthaber Alexander Lukaschenko autoritär geführten Belarus ist Kolesnikowa in Haft. Ihre Schwester Tatjana Chomitsch nahm für sie den Preis entgegen. Chomitsch trug während der ganzen Zeremonie ein Foto von Kolesnikowa.

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck rief in seiner vorab veröffentlichten Neujahrspredigt zum Eintreten für die Demokratie auf. «Als Christen müssen wir laut, öffentlich und deutlich für eine robuste Demokratie einstehen, indem wir die Werte und Rechte verteidigen, die unsere Gesellschaft stark machen», forderte Overbeck. «Dies ist gerade auch in der katholischen Kirche zu sagen, wo es an manchen Rändern gefährliche Tendenzen gibt, dies alles zu verneinen, kleinzureden oder lächerlich zu machen.»

Es sei das Kalkül von Autokraten und Gewaltherrschern wie in Russland, dass die Bürgerinnen und Bürger westlicher Demokratien in schweren Zeiten nicht für ihre Werte einstünden, so Overbeck. Die Überzeugung von der unantastbaren Würde jedes einzelnen Menschen stehe massiv unter Druck, «nicht nur durch einen Angriffskrieg von außen, sondern auch durch die Sehnsucht vieler Menschen, auf die schwierigen Fragen unserer Zeit verlockend einfache und bequeme Antworten zu finden».

Auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sprach in seiner vorab übermittelten Silvesterpredigt über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. «Hunger, Flucht, Vergewaltigung, fürchterliche Gewalt gegenüber Frauen und Kindern, gegenüber Zivilisten und Soldaten, wie wir sie seit Jahrzehnten in Europa nicht mehr gesehen haben und nie wiedersehen wollten, bestimmen das Leben unzähliger Menschen.» Es sei ein Krieg, der nicht nur in der Ukraine geführt werde, «sondern mit der Energiekrise und Lebensmittelverknappung auch hier bei uns und an vielen anderen Orten in der Welt».

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