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Aderlass bei CDU und SPD geht weiter, Grünen wachsen weniger

Düsseldorf (dpa/lnw)

Die Volksparteien CDU und SPD in Nordrhein-Westfalen schrumpfen weiter. Aber auch der Höhenflug bei der Mitgliederzahl der Grünen scheint vorerst gestoppt.

Von dpa

Die Bildkombo zeigt Fahnen der Parteien Die Linke (l-r), Die Grünen, SPD, FDP, CDU und AfD. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Illustration

Die großen Parteien CDU und SPD in Nordrhein-Westfalen verlieren weiter Tausende Mitglieder. Die SPD NRW schrumpfte 2022 um rund 4000 Mitglieder und zählte Ende des Jahres noch etwa 91.000 Genossen und Genossinnen mit Parteibuch. Die CDU hatte Ende 2022 noch 113 220 Mitglieder - ein Verlust von 2780 Mitgliedern (minus 2,4 Prozent) im Verlauf des Jahres. Die Christdemokraten haben damit in NRW weiterhin als einzige Partei im bevölkerungsreichsten Bundesland mehr als 100.000 Mitglieder, während die SPD bereits seit längerem unter diese symbolisch bedeutende Marke gerutscht ist. Bei den weitaus kleineren, aber erfolgsverwöhnten Grünen schwächte sich der Zuwachs ab.

Der Mitgliederrückgang bei der CDU hat sich nach Angaben der Partei im Vergleich zu den Vorjahren deutlich verlangsamt. In den Monaten nach der Landtagswahl, die die CDU mit Ministerpräsident Hendrik Wüst an der Spitze deutlich gewonnen hatte, habe es eine positive Mitgliederentwicklung gegeben. Es seien mehr Menschen in die CDU eingetreten als ausgetreten.

Der designierte Generalsekretär der CDU NRW, Paul Ziemiak, sagte: «Der Erfolg bei der Landtagswahl im Mai hat auch unserer Parteiarbeit Aufschwung gegeben.» Sein Ziel sei es, die CDU NRW jünger, weiblicher und vielfältiger zu machen. Dabei setze die Partei auch auf moderne, digitale Formate, um den Austausch untereinander zu verstärken.

Nach ihrer Schlappe bei der Landtagswahl im Mai will die NRW-SPD sich inhaltlich neu aufstellen - «weg vom tagespolitischen Klein-Klein hin zu einer Vision für 2027», sagte SPD-Generalsekretärin Nadja Lüders. Sie sieht auch gesellschaftliche Gründe für den Aderlass bei den Volksparteien. «Wie viele Großorganisationen, Kirchen, Zeitungen oder Vereine merken auch die Volksparteien, dass die Demografie der Struktur aktuell und in den kommenden Jahren durchschlägt.» Die Mitgliederpartei der Zukunft sei eine andere als die vor 20 oder 40 Jahren. Die Bundes-SPD will bis Ende 2023 bundesweit 30.000 neue Mitglieder werben.

Bei den Grünen - seit Mitte 2022 Regierungspartner der CDU in NRW - scheint sich der Zuwachs nach den großen Sprüngen der vergangenen Jahre weiter abzubremsen. Die Mitgliederzahl stieg im Jahresverlauf leicht um knapp 400 auf 26 316 Mitte Dezember 2022. Allerdings hat sich die Zahl der Grünen-Mitglieder in NRW seit der Wahlniederlage der Öko-Partei 2017 mehr als verdoppelt.

«Wir freuen uns, dass wir als Partei in diesem Jahr erneut gewachsen sind», sagte der Politische Geschäftsführer Raoul Roßbach. Für einen Landesverband, der nun Regierungsverantwortung trage, sei das «nicht selbstverständlich - gerade in herausfordernden Zeiten». Die Grünen in der Regierung hatten unter anderem wegen der beschlossenen Räumung des Braunkohledorfs Lützerath viel Kritik der Basis einstecken müssen.

Bei der FDP, die bei der Landtagswahl im Mai herbe Verluste hinnehmen musste und aus der Regierung geflogen war, stagniert die Mitgliederzahl. Derzeit haben die Liberalen in NRW nach Parteiangaben knapp unter 20.000 Mitglieder. Das entspricht in etwa dem Stand Ende 2021. Allerdings hatten die Freien Demokraten Ende Juni auch schon einmal 20.200 Mitglieder in NRW. Ein- und Austritte hielten sich nach Angaben eines Sprechers in etwa die Waage.

Insgesamt verzeichnet die FDP NRW den höchsten Mitgliederstand seit den 1990er-Jahren. «Wir freuen uns, dass sich auch in politisch schwierigen Zeiten viele Menschen zu den Freien Demokraten bekennen», sagte Generalsekretär Moritz Körner.

Bei der AfD NRW hat die Mitgliederzahl nach Angaben der Partei die Marke von 5000 überschritten. AfD-Landeschef Martin Vincentz sprach von einem «enormen Zuspruch». Im Vergleich zu 2021 seien deutlich mehr Mitgliedsanträge gestellt und neue Mitglieder aufgenommen worden. Diese kämen aus allen Altersklassen und allen sozialen Schichten. Die AfD hatte bei der Landtagswahl 5,4 Prozent erreicht.

Die wieder nicht in den Landtag gewählte NRW-Linke musste 2022 eine Austrittswelle verkraften. Mitte Dezember 2022 hatte der Landesverband noch rund 7780 Mitglieder - knapp 830 weniger als ein Jahr zuvor (Dezember 2021: 8609). Rund 5300 Linke-Mitglieder sind Männer und rund 2480 Frauen. Binnen eines Jahres traten mehr als 1150 Mitglieder aus der Linken aus, rund 370 neue kamen hinzu. Seit Oktober flacht die Austrittswelle ab.

Die neuen Landesvorsitzenden Kathrin Vogler und Sascha H. Wagner nannten die Austrittszahl «erschreckend». Die innerparteilichen Konflikte seien die häufigsten Gründe für die Austritte gewesen. Eine gute Nachricht sei, dass die Partei immer jünger werde. 59 Prozent der Mitglieder der Linken NRW sind unter 50 Jahre alt, mehr als ein Drittel (36 Prozent) ist zwischen 21 und 35 Jahre alt.

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