1. www.wn.de
  2. >
  3. NRW
  4. >
  5. Anhörung legt Mängel beim Kinderschutz in NRW offen

  6. >

Große Lücken auf dem Land

Anhörung legt Mängel beim Kinderschutz in NRW offen

Düsseldorf

Die Frage treibt die Abgeordneten im Landtag seit Wochen um: Welche Lehren aus dem Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs von Lügde für Jugendämter, Beratungsstellen und Ärzte zu ziehen sind, stand am Montag im Zentrum einer ganztägigen Anhörung im Landtag.

Hilmar Riemenschneider

Kinderschuhe liegen verteilt vor dem Landtag in Hannover. Die Mitglieder der Initiative „Kinder von Lügde“ haben sie dort abgelegt. Foto: dpa

Die Ergebnisse sollen auch in ein Konzept zum Kinderschutz einfließen, das Familienminister Joachim Stamp (FDP) in Kürze vorlegen will. Klar wurde in der Anhörung: Das muss er mit Geld unterfüttern. Der Vertreter des Landkreistages, Martin Schenkelberg, dämpfte zum Fall Lügde die Erwartungen: „Wir stehen bei der Aufarbeitung noch ganz am Anfang.“ Der legte eher ein Brennglas auf bestehende Mängel beim Kinderschutz.

►  Personal : Den Kommunen fällt es immer schwerer, genug Fachkräfte für die 186 Jugendämter und den Allgemeinen Sozialen Dienst zu finden und zu halten – also die Fachleute, die sich auch um Kinder in prekären Familienverhältnissen kümmern, wie Stefan Hahn vom Städtetag beklagte. Vor allem in den ländlichen Regionen gebe es nur ein dünnes und mühsam erreichbares Beratungsangebot, konstatierte Stefan Heinitz vom Bundesverband der Kinderschutzzentren. Gerade hier brauche es Netzwerke, in denen Kitas, Schulen, Jugendämter, Ärzte und andere Stellen zusammenarbeiten. Dazu gehören für ihn Ehrenamtliche wie die Landfrauen, die oft erst den Zugang zu Familien ermöglichten.

►  Vorgaben: Damit Jugendamtsmitarbeiter sich richtig um Kinder und Jugendliche kümmern können, empfahlen mehrere Experten eine Obergrenze von 35 Fällen pro Fachkraft. Das erfordere mehr Personal. Weshalb Schenkelberg für die Kommunen mahnte, wenn das Land Vorgaben festlege, müsse es die Kosten dafür tragen.

►  Prävention zielt aus Sicht der Fachleute zuerst darauf, Kinder besser aufzuklären und sie dafür auch über digitale Kanäle anzusprechen. Es gehe aber auch um Fragen der Ausbildung: Sozialarbeiter, Pädagogen und Lehrer sollten sich mit Kinderschutz im Studium verpflichtend befassen. Besonders Jugendliche ab zwölf Jahren müssten in den Fokus genommen werden, betonte Ursula Enders von der Informationsstelle Zartbitter: Fast die Hälfte aller Fälle von sexualisierter Gewalt gegen Kinder gehe von Gleichaltrigen aus.

►  Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche brauchen, mahnten Vertreter mehrerer Verbände, eine verlässliche Finanzierung von Land und Kommunen. Wenn Einrichtungen jährlich mit Kommunen über den Etat verhandeln müssten, sei kein niedrigschwelliges und verlässliches Beratungsangebot für Kinder zu gewährleisten.

Startseite
ANZEIGE