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Anklage nach Bratpfannen-Explosion auf Dorffest

Freudenberg (dpa)

Gut zwei Jahre nach der Explosion einer riesigen Bratpfanne auf einem Dorffest im Siegerland mit zwei Toten hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Verantwortlichen des örtlichen Heimatvereins erhoben. Dem 54-Jährigen werde fahrlässige Tötung vorgeworfen, sagte der zuständige Staatsanwalt Fabian Glöckner aus Siegen am Mittwoch auf Anfrage.

Von dpa

Eine Statue der Justitia mit einer Waage und einem Schwert in ihren Händen. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Bei einem Brauchtumsfest im Freudenberger Ortsteil Alchen war am 8. September 2019 eine gasbetriebene Groß-Pfanne explodiert, in der für die Festbesucher Kartoffeln gebraten wurden. Zwei Frauen im Alter von 67 und 31 Jahren kamen ums Leben. Mehr als ein Dutzend Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer. «Aufgrund der besonderen Bedeutung des Vorfalls für das Siegerland habe ich mich für eine Anklage beim Landgericht entschieden», so Glöckner weiter. Mehrere Medien hatten zuvor berichtet.

Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge war die Pfanne eine selbstgebaute Konstruktion, die sich seit mehreren Jahrzehnten im Besitz des Heimatvereins befand. Zur Explosion habe eine Verkettung verschiedener Umstände geführt, hatte ein Gutachter festgestellt: Zur besseren Wärmeverteilung in einem Hohlraum zwischen Pfannenboden und Pfannendeckel verschweißtes Öl, war über die Jahre gealtert, so dass dessen Siedepunkt erheblich gesunken war. Schon bei geringer Wärmezufuhr habe es sich stark ausgebreitet. Auch sei ein Druckventil an der Pfanne geschlossen gewesen. Die Folge: Der Pfannenboden platzte an mehreren Stellen auf. Als das Öl auf die offene Flamme des Gasbrenners traf, spritzte es herum und verpuffte explosionsartig mit enormer Stichflammenbildung.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, die Fehlfunktion nicht abgestellt und auch den Grill nicht außer Betrieb genommen zu haben, obwohl er mit der Funktionsweise vertraut gewesen sein soll. Als die Pfanne anfing zu überhitzen und sich zu wölben, soll er hinzugerufen worden sein und lediglich die Energiezufuhr reduziert haben.

Das Landgericht müsse nun entscheiden, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird, sagte eine Sprecherin.

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