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Wüst als Ministerpräsident nominiert

Auf Umwegen zum Ziel

Rhede/Düsseldorf 

Er wäre der erste Münsterländer im Amt des Ministerpräsidenten. Hendrik Wüst stammt aus Rhede, lebt noch im Kreis Borken. Jetzt ist der smarte NRW-Verkehrsminister nur noch einen Schritt von seinem persönlichen Ziel entfernt. Ein Porträt. 

Von Frank Polke

Hendrik Wüst Foto: dpa

Wenn Lernfähigkeit und persönliche Reife eine Tugend ist, die für Politiker den Weg nach ganz oben ebnen, Hendrik Wüst kann dafür als Beispiel dienen. Gestartet als fleißiger, mit politischem Talent ausgestatteter Junge-Union-Politiker in Rhede, stieg der studierte Voll-Jurist schnell in der Partei schnell aus der Kommunalpolitik im westlichen Münsterland auf. Im Jahr 2000 wurde Wüst zum Chef der Jungen Union gewählt, ein erster Schritt auf dem Weg in die Spitze zumindest der Landes-Partei.

„In meiner Familie, in meinem Bekanntenkreis war Politik schon immer ein großes Thema“, erinnert sich Wüst. Das war weniger Parteigebunden, sondern durchaus offen. „Mir hat zum Beispiel Björn Engholm imponiert, vom Stil und Auftreten.“ Doch natürlich war die CDU-Karriere programmiert und nahm 2006 richtig Fahrt an. Der damalige Ministerpräsident Jürgen Rüttgers machte Wüst zum Generalsekretär. Mit 31 Jahren. Eine große Aufgabe, den mitgliederstärksten Landesverband der CDU, der zudem noch im einstiegen SPD-Stammland regiert, zu führen und zu managen. Und es ging nicht gut. In der Parteizentrale arbeiteten alle gegeneinander, keiner für die Partei. Dazu kamen eigene Fehler. Wüst trat 2010 zurück, die Macht in NRW war futsch, die persönliche Zukunft ungewiss. Keine leichte Zeit für den wertegebundenen Menschen.

Wüst ging in sich, prüfte seinen Stil, änderte seinen Stil, ohne sein Wertegerüst zu verändern. Parallel zu seinem Landtagsmandat arbeitete er als Geschäftsführer des Zeitungsverlegerverbandes in Düsseldorf. Ein zweites Standbein in der Wirtschaft neben der Politik, das war Wüst genauso wichtig wie die Verbindung zur Mittelstandsvereinigung. Auch privat fand er sein großes Glück, heiratete 2019 seine langjährige Freundin Katharina. Unter den Hochzeitsgästen auch Armin Laschet, der Wüst – etwas überraschend – 2017 als NRW-Verkehrsminister ins sein Kabinett holte.

Und Wüst nutzte seine zweite Chance, profilierte sich als Fachpolitiker, der die Anforderungen einer modernen Verkehrspolitik in einem 18-Millionen-Bundesland genau so ernst nahm wie die Notwendigkeit, neue Wege zu gehen. Jetzt steht der Münsterländer ganz kurz vor der Berufung zum Ministerpräsidenten – ein Amt, das er erst in den vergangenen Monaten durch die Zeitläufte in den Blick genommen hat.

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