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Bundesliga

Bayer ist sich selbst ein Rätsel: «Null Zweifel» an Seoane

Leverkusen (dpa)

Die Krise zum Saisonstart trifft Bayer Leverkusen unverhofft und heftig. Über die Gründe rätseln derzeit alle. Klar ist: Trainer Gerardo Seoane steht nicht in Frage. Und Schnellschüsse auf dem Transfermarkt sind unwahrscheinlich.

Von Holger Schmidt, dpa

Leverkusens Trainer Gerardo Seoane an der Linie. Foto: Federico Gambarini/dpa/Archivbild

Wie würde Rudi Völler reagieren? Diese Frage stellen sich in und um Leverkusen gerade viele. Wahrscheinlich ist: Spätestens nach der 0:3-Heimniederlage gegen die TSG 1899 Hoffenheim am Samstag wäre der Fußball-Weltmeister von 1990 eingeschritten. Er hätte entweder eine Brandrede gehalten, um alle wachzurütteln, oder ein Ablenkungsmanöver gestartet, um die Diskussion auf ein anderes Thema zu lenken. So hat er es in all den Jahren in führender Position jedenfalls immer getan.

Doch Völler ist seit Sommer nicht mehr Geschäftsführer von Bayer Leverkusen. Er war gegen Hoffenheim zwar im Stadion, doch nur noch in seiner Funktion als Botschafter und Mitglied des Gesellschafterausschusses. Intern wird er seine Meinung sagen, öffentlich wird er sich zurückhalten.

Die aktuellen Bosse Fernando Carro und Simon Rolfes haben sich am Wochenende auch geäußert. Doch von ihnen gab es keine Brandrede und kein Ablenkungsmanöver. Bei allem Respekt vor Völler versucht sich Bayer auch von seinem jahrelangen Aushängeschild zu emanzipieren. Und einen eigenen Weg zu finden. Der da heißt: Ambitionierte Ziele verfolgen und auch formulieren. In Krisenzeiten aber Geschlossenheit und Besonnenheit demonstrieren.

Und eine Krise ist es inzwischen bei Bayer. Vier Niederlagen in vier Spielen, vorletzter Tabellenplatz in der Bundesliga, die wenigsten Tore aller 18 Teams. Einen derart harten Aufschlag hat in Leverkusen nach der besten Rückrunde der Vereinshistorie und einer nach Aussage aller reibungslosen Vorbereitung niemand auch nur annähernd erwartet. Und der hängt zu einer solch frühen Saisonphase sicher auch nicht mit dem Rückzug Völlers zusammen. «Rudi ist ja eigentlich nicht weg, er war beim Spiel ja auch da, von daher hat es damit überhaupt nichts zu tun», sagte Carro beim TV-Sender Bild.

Doch wo liegen die Wurzeln des Absturzes? Darüber grübeln sie bei Bayer. Trainer Gerardo Seoane hat sich in der vergangenen Saison sportlich wie menschlich viel Kredit erarbeitet, er wird noch nicht in Frage gestellt. «Wir haben Vertrauen in den Trainer und den Staff», sagte Rolfes am Samstag. Und Carro wurde auf die Frage, ob der Schweizer weiter der richtige Mann sei, noch deutlicher: «Auf jeden Fall. Hundertprozentig. Da habe ich null Zweifel.»

Neuzugänge sind eine Möglichkeit, eigentlich aber nicht angedacht. Auch wenn noch rund 20 Millionen Euro, die für den Ukrainer Michailo Mudrik eingeplant waren, vorhanden sein sollten. «Das ist natürlich ein Impuls, der möglich ist», sagte Rolfes: «Wenn Sachen machbar sind, werden wir auch was versuchen.» Der Kader sei aber «mehr oder weniger beisammen. Das ist nicht nur mit Neuzugängen zu lösen, sondern vor allem aus uns selbst heraus.»

Unterschätzen werde die Situation aber niemand, beteuerten sie alle. «Das ist ein schwieriger Moment für uns alle, als Club so wie auch für mich», gestand Seoane. «Dass wir so tief unten stehen, hätten wir uns nicht träumen lassen», erklärte Carro: «Der Fußball ist nicht immer vorherzusehen. Auch ein Europameister kann die WM-Quali verpassen. Aber wir müssen der Realität ins Auge sehen und hart arbeiten, um so schnell wie möglich aus dieser Spirale rauszukommen.»

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