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Gesundheit

Beratungsstelle: Verschwörungstheorien blühen in Pandemie

Corona eine einzige Lüge und Masken gefährlich für Kinder - solche kruden Verschwörungstheorien haben in der Pandemie Konjunktur. Die Landesberatungsstelle in Essen registriert eine Vervierfachung der Beratungsanfragen.

dpa

Essen (dpa/lnw) - Die Verunsicherung vieler Menschen in der Corona-Pandemie hat zu deutlich mehr Anfragen wegen Verschwörungstheorien bei der Landesberatungsstelle in Essen geführt. Meist kämen Angehörige, die erschreckt über aus dem Ruder gelaufene Esoterikgläubigkeit, Maskenverweigerung oder krude Thesen von Verwandten berichteten, dass etwa bei der Corona-Impfung Mikrochips implantiert würden, wie die Leiterin des «Sekteninfo NRW», Sabine Riede, am Freitag bei der Vorstellung ihres Jahresberichtes sagte. «Es gab im letzten Jahr keinen Tag, an dem nicht ein Beratungsgespräch zum Thema Verschwörungstheorien stattgefunden hat.»

Die Zahl der Beratungsfälle insgesamt sei um rund ein Zehntel auf 1078 gestiegen. Die Fälle zu Verschwörungstheorien hätten sich auf 160 vervierfacht. Die Beratungsstelle ist NRW-weit tätig und wird vom Landes-Familienministerium gefördert.

Typische Theorien seien etwa, dass es gar kein Virus gebe, sondern eine große Verschwörung mit dem Ziel, die Bevölkerung nach Zwangsimpfungen mit Mikrochips zu kontrollieren. Es kursierten auch Geschichten, dass Kinder angeblich an Sauerstoffmangel gestorben seien, weil sie durch die Maske nicht mehr richtig atmen könnten. Vielfach kämen erwachsene Kinder zur Beratung, weil sie über plötzliche Veränderungen im Verhalten ihrer Eltern erschreckt seien. So habe ein vorher liberaler Vater plötzlich nicht nur das Virus in Zweifel gezogen, sondern sich auch antisemitisch geäußert. Manche Anhänger von Verschwörungstheorien setzten mit ihrer Maskenverweigerung sogar ihre Arbeitsstelle aufs Spiel.

Viele Menschen litten in der Corona-Zeit unter Ängsten und dem Gefühl der Machtlosigkeit. Verschwörungstheorien böten hier vermeintliche simple Lösungen, sagte Riede. Beratungsbedarf habe es auch wegen unseriöser Coaching-Angebote und Esoterikgruppen gegeben. So gerieten Hilfesuchende immer wieder an angebliche Schamanen, die übersinnliche Fähigkeiten für sich behaupteten und von den Teilnehmern der Esoterikgruppen Kontaktabbruch nach außen verlangten. Dabei hätten Eltern sogar zu ihren minderjährigen Kindern jeden Kontakt eingestellt.

© dpa-infocom, dpa:210423-99-324784/2

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