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Gastprofessur

Brandauer über Heinrich Heine: «Vorbild für uns alle»

Düsseldorf (dpa)

Schon als Jugendlicher habe er Heinrich Heine entdeckt, sagt Schauspieler Klaus Maria Brandauer. Nun ist er Inhaber der Heinrich-Heine-Gastprofessur an der gleichnamigen Düsseldorfer Universität - und widmet seine Vorlesungen dem Dichter.

Von dpa

Klaus Maria Brandauer, Schauspieler, beginnt seine Vorlesung an der Heinrich-Heine-Universität. Foto: Oliver Berg/dpa

Schauspieler Klaus Maria Brandauer (78) sieht den in seiner deutschen Heimat lange verpönten Dichter Heinrich Heine (1797-1856) «als großes Vorbild für uns alle». Heine habe nie aufgegeben, obwohl sein Lebensweg nicht einfach gewesen sei, sagte Brandauer in Düsseldorf, wo er am Mittwoch die Heinrich-Heine-Gastprofessur antrat.

«Das ist ein Sportskamerad, den ich sehr, sehr ins Herz geschlossen habe. Er weiß nichts davon», sagte der österreichische Schauspieler. Acht Jahre lang habe Heine schwer krank in seiner «Matratzengruft» gelegen. «Es ist unvorstellbar, unter welchen Umständen er weitergeschrieben hat.»

«Mit 14 Jahren habe ich das erste Mal Heine gelesen. Heute weiß ich, dass das eine gute Entscheidung war. Heine hat mich mein ganzes Leben lang begleitet.» Inzwischen habe sich die Einstellung der Gesellschaft zu Heine geändert. «Das sieht man schon daran, dass wir hier an der Heine-Universität sind.»

«Er ist eine unglaubliche Einheit Mensch. Man kann mit ihm mitwachsen, wenn man sich mit ihm beschäftigt, aber er wächst einem davon.» Ungebrochen von den antisemitischen Herabsetzungen und den toxischen Anfeindungen des Literaturbetriebs habe Heine die politischen Zustände aufgedeckt, durchdrungen und scharfzüngig kritisiert, sagte Brandauer.

Seine Vorlesung vor überwiegend älteren Semestern geriet zur Mischung aus Lesung und Theater-Monolog: «Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.»

In Düsseldorf, Heines Geburtsstadt, habe er in den 1960er Jahren seine ersten Gehversuche am Düsseldorfer Schauspielhaus unternommen, verriet Brandauer. Sein Engagement habe mit einem Telefonat begonnen: «Herr Brandauer, bei uns ist einer krank geworden. Sie sind engagiert.»

Der 78-jährige holt die schon für 2020 angekündigte und wegen Corona verschobene Gastprofessur nach. Überschrieben hat Brandauer seine Professur mit dem Titel «Liebe, Revolution, Europa». Seine erste Vorlesung trug den Titel: «Als Poet im Widerstand - Zeitgenosse Heinrich Heine».

Seinen Vortrag habe er nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine nicht wesentlich verändert, bekannte Brandauer. «Etwas ist passiert, das wir uns nicht mehr vorstellen konnten in Europa. Jetzt auf einmal ist es in unserer Nähe. Das kann uns nicht egal sein», sagte der Weltstar.

Der vielfach ausgezeichnete Brandauer ist seit 1972 Ensemblemitglied und Regisseur am Wiener Burgtheater. Zu Kino-Weltruhm gelangte er mit Rollen in «Mephisto», «Jenseits von Afrika» und dem James-Bond-Film «Sag niemals nie».

Die Gastprofessur der Düsseldorfer Universität wird seit mehr als 30 Jahren an prominente Persönlichkeiten verliehen. Heine-Professuren hatten unter anderem Schriftstellerin Juli Zeh, Liedermacher Wolf Biermann, Ex-Außenminister Joschka Fischer, Altkanzler Helmut Schmidt und Altbundespräsident Joachim Gauck inne.

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