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Brok nimmt sich aus dem Rennen

CDU-Urgestein aus Ostwestfalen zieht Kandidatur zurück

Düsseldorf/Bielefeld

Nach 39 Jahren als Europaabgeordneter zieht CDU-Urgestein Elmar Brok einen Schlussstrich: Er will sich mit der auslaufenden Legislaturperiode im Sommer aus dem EU-Parlament zurückziehen. Bei der Europawahl am 26. Mai werde er nicht mehr antreten, kündigte der 72-Jährige am Montag an. 

Hilmar Riemenschneider

Elmar Brok war auch Gast beim Neujahrsempfang der NRW-CDU. In Europa wird er keine große Rolle mehr spielen. Foto: dpa

Zwei Wochen zuvor hatte er im CDU-Landesvorstand überraschend die Kampfabstimmung um den aussichtsreichen sechsten Listenplatz gegen den 23 Jahre jüngeren Landtagsabgeordneten Christian Berger vom Niederrhein verloren. Bis zuletzt rechneten viele damit, dass der Ostwestfale bei der Landesvertreterversammlung am Samstag antreten würde. Jetzt hat er sich aus dem Rennen genommen. Ob den 250 Delegierten damit eine Kampfabstimmung erspart bleibt, ist indes offen.

Im vergangenen Jahr habe er schon mit sich gerungen, ob er noch einmal für das Europaparlament kandidieren solle, sagte Brok unserer Zeitung. Weil aber Europa mit dem Brexit in einer Krise stecke, habe er sich erst dafür entschieden. „Jetzt habe ich 14 Tage Zeit zur Reflexion gehabt“, ergänzte er mit ironischem Unterton. In der Zeit habe er viel Unterstützung bekommen. Trotzdem schließt er mit dem „Lebenstraum Europa“ als Abgeordneter ab. „Ich kann gehen, wenn die Mehrheit der Leute sagt: Schade, dass er geht.“

Im Übrigen sei er froh, nur noch das machen zu können, woran er Spaß habe. „Freiheit und Familie“ rückte Brok ins Zentrum. Er werde sich zudem auf seine Vorstandsämter in der Bundes-CDU und der Europäischen Volkspartei konzentrieren – aber nicht nur.

CDU-Landeschef Armin Laschet zollte Brok „großen Respekt“, sie beide eine dasselbe Europaverständnis: „Gemeinschaftlich Probleme lösen, Kommission und Parlament stärken, nationale Engstirnigkeit überwinden und auch am Ziel der Einheit Europas arbeiten – das war das Lebenswerk Elmar Broks“, sagte Laschet dieser Zeitung und ergänzte: „Mir bleibt er ein wichtiger Berater und guter Freund.“ Der münsterländische EU-Abgeordnete Markus Pieper erklärte: „Ich finde es schade, wir hätten seine Erfahrung gerade im neuen Parlament gut gebrauchen können.“ Derweil wird sich die CDU in Ostwestfalen-Lippe neu für die Listenwahl aufstellen, kündigte Bezirkschef Ralph Brinkhaus an. Gut möglich, dass sie einen neuen Kandidaten ins Rennen um einen vorderen Listenplatz schickt.

Ein Kommentar zum Thema

Die Kunst der Inszenierung beherrscht Elmar Brok ohne Zweifel: Er kündigt genau in dem Moment seinen Abgang von der parlamentarischen Bühne an, als viele CDU-Politiker ihm attestiert haben, wie schwer es ohne ihn würde. So münzt er die vor zwei Wochen im Landesvorstand erlittene Niederlage in einen glanzvollen Abgang um.

Dabei darf man nicht vergessen, dass er das Risiko einer Kampfabstimmung kannte, als er auf den sicheren vierten Listenplatz verzichtete und für den sechsten kandidierte. Eigentlich eine Polit-Posse, die nur deshalb so hohe Wellen schlug, weil Brok in Deutschland als gefragter Experte und deshalb prominentes Gesicht mehr als viele andere für Europa steht. Eine erneute Kampfkandidatur wäre für ihn mit der Gefahr einer weiteren Niederlage und damit eben doch fremdbestimmten Abgangs behaftet gewesen.

Dass indes seine Erfahrung, sein Rat und seine Netzwerke ohne Mandat verloren wären, muss niemand fürchten. Und vielleicht ist es für ein Europa im Umbruch auch eine Chance, wenn jetzt jüngere Parlamentskollegen die Verantwortung übernehmen. (Hilmar Riemenschneider)

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