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Russland-Sanktionen 

Claas weist schwere Vorwürfe zurück

Harsewinkel

Der für seine Mähdrescher bekannte Landmaschinenhersteller Claas sieht sich mit schweren Anschuldigungen konfrontiert. Dem Familienkonzern wird vorgeworfen, womöglich gegen Russland-Sanktionen verstoßen oder deren Umgehung geplant zu haben.

Landmaschinen von Claas sind weltweit gefragt – Russland ist ein wichtiger Markt für das Unternehmen. Foto: Claas

Der Agrarmaschinenhersteller Claas weist die Vorwürfe, gegen Russland-Sanktionen verstoßen zu haben, vehement zurück. Fakt ist, dass der russische Markt für Claas von großer Bedeutung ist und das Werk des Landmaschinenherstellers im südrussischen Krasnodar bereits seit März stillsteht.

Wie die Wochenzeitung „Zeit“ unter Berufung auf einen Informanten aus dem Unternehmen und interne Unterlagen berichtet, plane Claas womöglich seit Monaten, im Zuge des Ukraine-Krieges von der EU verhängte Ausfuhrbeschränkungen für Russland zu umgehen. Demnach arbeite der Konzern spätestens seit Juli an der Umsetzung des Projekts, heißt es unter Berufung auf einen „hochrangigen Manager“. Ab März 2023 solle die Mähdrescher-Produktion in Krasnodar wieder anlaufen. Um die dafür benötigten Teile nach Russland zu bekommen, versuche Claas Lücken in den Embargo-Vorschriften zu nutzen.

Fehlende Bauteile vor Ort

Auch gegenüber unserer Zeitung bestätigte ein Informant Pläne für die Wiederinbetriebnahme des russischen Werks im Frühjahr, in das Claas seit 2005 rund 160 Millionen Euro investiert hat. Auch weil vor Ort Zulieferer für wesentliche Bauteile fehlen, ist der Konzern auf die Einfuhr entsprechender Komponenten etwa von anderen Claas-Standorten wie dem Stammwerk in Harsewinkel angewiesen. Das Werk in Krasnodar soll demnach noch stärker als bislang die Endmontage der Mähdrescher übernehmen.

Die große Frage und Herausforderung für Claas wäre demnach, wie die Bauteile nach Russland kommen vor dem Hintergrund, dass etwa Keilriemen, Gasdruckfedern, Hydraulikzylinder, Schalldämpfer oder Stahlrohre auf den Sanktionslisten der EU stehen. Dies auch, weil sie unter Umständen in Russland für militärische Zwecke eingesetzt werden könnten.

Der „Zeit“ zufolge soll Claas Einzelteile zu neuen Baugruppen zusammengefügt haben. Genannt werden konkrete Beispiele: So sei etwa geplant, Hydraulikzylinder bereits an Hinterachsen montiert zu versenden. Teile für die Lüftung sollen in die Kabinen-Einheit verschraubt werden, „die nicht wirklich sanktioniert ist“, wie es in dem internen Dokument heißt. An anderer Stelle schlägt der Projektleiter laut „Zeit“ vor, im Motor „auch einige Komponenten aus anderen Modulen zu verstecken, die aber tatsächlich keine Funktion für den Motor haben“.

Vorwürfe werden zurückgewiesen

Damit bekämen diese Komponenten neue Zolltarifnummern und wären für die Kontrolleure quasi unsichtbar. Nach „Zeit“-Informationen soll im Spätsommer eine für Russland bestimmte Claas-Lieferung an der estnischen Grenze gestoppt worden sein, weil der Zoll darin einen Sanktionsverstoß sah und die Teile zurückgeschickt habe.

Claas ging sowohl auf Anfrage der „Zeit“ als auch am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung nicht im Detail auf einzelne Fragen ein. Das Unternehmen teilte generell mit: „Wir können Ihnen versichern, dass Claas bei all seinen Tätigkeiten stets gesetzes- und sanktionskonform handelt. Wir weisen die erhobenen Vorwürfe zu angeblichen Verstößen gegen die Sanktionen strikt zurück. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hat klargestellt, dass Mähdrescher und Bausätze für Mähdrescher von den EU-Embargos ausgenommen sind. Die erforderlichen Genehmigungen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle und der Zollstellen liegen vor. Alle getätigten Lieferungen werden erst nach intensiver Prüfung freigegeben – im Einklang mit den Sanktionen.“

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