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Pandemie

Corona-Sommerwelle macht Hausarztpraxen zu schaffen

Münster

Die aktuelle Corona-Welle mitten im Sommer sogt bei Hausärzten für volle Wartezimmer. Der Hausärzteverband fordert Entlastung –und entgegnet dem Vorschlag zur vierten Corona-Impfung für alle von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach.

Von Stefan Biestmann und dpa

Vierte Corona-Impfung für alle? Nach einer Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ist eine Debatte entfacht. Foto: dpa

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach rät auch schon unter 60-Jährigen zu einer Viertimpfung. Was sagen die Hausärzte in der Region dazu? Der westfälische Hausärzteverband hatte zuletzt schon betont, dass bei den Viertimpfungen keine „starre Altersgrenze“ maßgeblich sei.

„Die Viertimpfung verhindert in erster Linie schwere Infektionsverläufe, eine Ansteckung ist trotzdem möglich, auch wenn der Schutz vor Ansteckung nach ersten Erkenntnissen vorübergehend wieder etwas aufgefrischt wird“, erklärte Anke Richter-Scheer, Vorsitzende des Westfälischen Hausärzteverbandes. Insofern mache die Viertimpfung „für ältere und vorerkrankte Menschen auf jeden Fall Sinn“. In den Hausarztpraxen habe man im Hinblick auf die Viertimpfungen „von Anfang an unter Berücksichtigung der Gesamtkonstitution der Patientinnen und Patienten beraten", berichtete Richter-Scheer.

Corona-Welle belastet Hausärzte

Die aktuelle Corona-Welle mitten im Sommer führt gerade bei den Hausärzten für volle Wartezimmer und Personalausfall. "Die aktuelle Sommerwelle ist auch in den hausärztlichen Praxen voll aufgeschlagen. Wir sehen im Moment viele Patientinnen und Patienten mit Corona-Erkrankungen, aber auch mit saisonal etwas untypischen grippalen Infekten oder Durchfallerkrankungen", sagte Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, der Rheinischen Post. 

Die aktuelle Corona-Lage

Der Vorsitzende des Hausärzteverbands kritisiert deshalb Schritte wie den Wegfall der telefonischen AU und die neue, deutlich bürokratischere Corona-Testverordnung. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Vor allem Patienten, die wegen leichter Symptomen oder eines positiven Schnelltests eine Krankschreibung benötigen, belasten seiner Meinung nach die Hausarztpraxen. Als gute Möglichkeit zur Entlastung sieht auch Gassen die Rückkehr zur telefonischen Krankenschreibung sowie die Aufhebung der anlasslosen Bürgertests.

Debatte über vierte Corona-Impfung

Eine andere Form der Entlastung der Hausärzte sieht Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach in der vierten Corona-Impfung. Lauterbach wirbt für zweite Auffrischimpfungen auf breiterer Front – nicht nur bei Älteren ab 60 oder 70 Jahren. Wolle man den Sommer ohne Risiko einer Erkrankung genießen, würde er es – „in Absprache natürlich mit dem Hausarzt“ – auch Jüngeren empfehlen, sagte der SPD-Politiker dem „Spiegel“. Unter Experten stieß dies auf ein unterschiedliches Echo. Lauterbach rief zudem erneut zum Maskentragen in Innenräumen auf und betonte: „Wir werden einen sehr schweren Herbst haben“. Die Regierung bereite umfassende Maßnahmen dafür vor.

Thomas Mertens, Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), wandte sich gegen breite Viertimpfungen auch für jüngere Menschen. Er kenne keine Daten, die einen solchen Ratschlag rechtfertigten, sagte er. Viele (Haus-)Ärzte orientieren sich bei der Beratung ihrer Patientinnen und Patienten an der Empfehlung der Stiko. Diese empfiehlt den zweiten Booster bislang nur Menschen über 70 Jahren und einigen anderen Gruppen.

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