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Kita aus Bad Neuenahr im Provisorium

Das Blandine-Merten-Zelt

Grafschaft

Die Kita Blandine-Merten-Haus steht nicht weit entfernt von der Ahr in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Bei der Flutkatastrophe am 14. Juli 2021 wurde das Gebäude so sehr beschädigt, dass es abgerissen werden muss. Die Kita behilft sich derweil mit einem Provisorium – in einem Festzelt.

Von Gunnar A. Pier

Unten spielen fröhlich Kinder – und der Schall tönt über die Messebauwände im großen Zelt: Das Gebäude des Blandine-Merten-Hauses muss angerissen werden. . Foto: Gunnar A. Pier

Auf dem Sportplatz am Ortsrand von Lantershofen steht ein riesiges Festzelt, und man könnte meinen, dass sich die Junggesellen-Schützen-Gesellschaft „St. Lambertus“ gerade aufs jährliche Vogelschießen vorbereitet. Doch im Eingangsbereich stapeln sich Bobby-Cars und unter dem hohen Dach schallt fröhliches Kindergeschrei über die aufgestellten Messebauwände. Hier, etwas oberhalb des Ahrtals, hat die Kita Blandine-Merten-Haus eine vorübergehende Bleibe gefunden. Denn ihr Gebäude in Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde bei der Flutkatastrophe am 14. Juli 2021 so stark beschädigt, dass es abgerissen werden muss.

Bis die verheerende Flutwelle an jenem Mittwochabend durch das Ahrtal rauschte, besuchten über 140 Kinder das Blandine-Merten-Haus (BMH) im Ortsteil Ahrweiler. Doch von einem Tag auf den anderen war die heile Welt zerstört. Gebäude und Außenanlagen verwüstet, Mobiliar und Spielzeug und die so wertvollen Portfolio-Mappen, in denen das Kita-Leben der Kinder so liebevoll dokumentiert war: weg.

Als das Wasser abgeflossen und der erste Dreck beseitigt war, begann für die Kita, die zur katholischen Kita gGmbH gehört, ein Hin und Her. Es verlangte Kindern und Erziehern – die ja teils privat ebenfalls vor dem Nichts stehen – viel Flexibilität ab. Sie wurden verteilt auf die anderen Einrichtungen des bistumseigenen Trägers, in denen eine Notbetreuung organisiert wurde. „Wir haben uns alle gegenseitig unterstützt“, erinnert sich BMH-Leiter Stefan Ibs. Doch weil die Menschen aus dem Blandine-Merten-Haus auf unterschiedliche Einrichtungen verteilt wurden, fehlte besonders den Kindern neben den vertrauten Räumlichkeiten vor allem die Bezugspersonen, die gewohnten Erzieherinnen und die Freunde.

Kita-Leiter Stefan Ibs in der Kita Blandine-Merten-Haus in Bad Neuenahr-Ahrweiler am 5. August 2021 drei Wochen nach dem Hochwasser der Ahr. Foto: Gunnar A. Pier

Team und Kinder sind vereint

Zumindest der Punkt ist im Zelt auf dem Lantershofener Ascheplatz gelöst: „Wir sind mit der kompletten Belegschaft hier“, freut sich Stefan Ibs. Erzieherinnen, Küchen-Team, Hausmeister – alle an einem Ort. Am 27. Oktober war Einzug in das riesige Festzelt, das Messebauer mit Leichtbauwänden aufgeteilt haben in Gruppen- und Nebenräume, Sozialräume, Küche und Büro. „So viel Platz haben wir noch nie gehabt“, sagt Ibs. Doch richtig glücklich ist er mit der Lösung nicht. Zu laut schallen die Kinder über die oben offenen Wände, die Heizung macht immer wieder Probleme.

Heimweh

Und noch ein weiterer Punkt trübt die Freude darüber, das eine zunächst mal praktikable Lösung gefunden ist: „Wir möchten zurück in unseren Sozialraum.“ Die Kita sei unten in Bad Neuenahr sehr vernetzt mit dem Umfeld, mit anderen Einrichtungen, den Nachbarn. Ibs hofft, dass sie mit einem Provisorium zurückziehen können in ihr Viertel. „Wir wollen ja auch teilhaben am Wiederaufbau.“ Und: „Die Stadt hat sich auf die Fahnen geschrieben, wieder bunt zu werden – das geht doch nicht ohne die Kinder.“ Hoffnung darauf kann ihm die Kita-gGmbH jedoch nicht machen.

Täglich auf den Berg

Also kommen die Kinder vorerst täglich raus aus Bad Neuenahr und den Berg hoch nach Lantershofen, einen Ortsteil der Samtgemeinde Grafschaft. Mit gut 70 Besuchern kommen weniger als einst, weil etwa 40 Kinder in die Schule wechselten und die Neuaufnahmen ausgesetzt wurden. Viele Familien sind noch immer außerhalb untergebracht und noch nicht zurückgekehrt, sechs sind weggezogen und haben ihre Kinder abgemeldet.

Ein weiterer Umzug steht bevor

Etwa zum Jahreswechsel steht für die BMH-Gemeinschaft ein weiterer Umzug an. Vom Zelt geht es dann in ein eigens aufgebautes Container-Ensemble. Solche Räumlichkeiten, das zeigen Beispiele von anderen Kitas, sind deutlich besser geeignet als das Zelt. Geplant ist ein Standort im Gewerbegebiet von Ringen. Dort wird eine ganze Generation ihr Kita-Leben im Provisorium verbringen, bevor ein neues Gebäude fertig ist.

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