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Spendenaktion nach der Flutkatastrophe im Ahrtal

„Der Blick nach vorne macht Mut“

Dernau/Grafschaft

„Das war mal mein schönes geheiligtes Reich“, sagte Leiterin Margot Hess, als sie unserer Zeitung beim ersten Besuch Anfang August die entkernte Kita St. Johannes der Apostel in Dernau zeigte. Damals hieß es noch, der Bau könne gerettet werden. Doch die Schäden durch die Flut waren zu groß: Das Haus ist abgerissen. Trotzdem blickt Hess optimistisch in die Zukunft.

Von Gunnar A. Pier

Margot Hess steht in den provisorischen Räumen ihrer Kita in Holzweiler und blickt optimistisch in die Zukunft. Foto: Gunnar A. Pier

Wer lange sucht, findet ein winziges Relikt des Kita-Lebens: einen roten Legostein. Er liegt hinter dem Bauzaun am Rande einer großen Baugrube. Mehr ist nicht geblieben vom Gebäude der Kita St. Johannes der Apostel in Dernau. Die Schäden durch die Flutkatastrophe am 14. Juli 2021 waren so groß, dass nur der Abriss blieb. Das Haus ist weg – die Seele der Kita hat überlebt: in einem Provisorium. Und der Wiederaufbau wird bereits geplant – auch mit Unterstützung unserer Leser, die weit über 800 000 Euro für betroffene Kitas im Ahrtal spendeten.

Von der Katholischen Kita St. Johannes der Apostel Dernau blieb nur eine Grube. Die Kita wurde bei der Flutkatastrophe im Ahrtal am 14. Juli 2021 stark beschädigt und später abgerissen. Foto: Gunnar A. Pier

Provisorium im Dorfgemeinschaftshaus von Holzweiler

In Holzweiler, einem Ortsteil der Samtgemeinde Grafschaft oberhalb des Ahrtals, hat die Kita aus Dernau eine vorübergehende Heimat gefunden. Im Dorfgemeinschaftshaus wurden notdürftig zwei Gruppen eingerichtet. „Es ist zwar eng und behelfsmäßig“, sagt Leiterin Margot Hess. „Aber wir sind inzwischen echt hier angekommen und die Kinder fühlen sich wohl.“ Dass sie nach all den Wochen, in denen es allenfalls Notbetrieb in anderen Einrichtungen gab, jetzt wieder mit den vertrauten Erzieherinnen und den alten Freunden zusammen sind, hilft den Kleinen darüber hinweg, dass der Ort ungewohnt ist, dass es keine Gruppenneben­räume gibt und keine Turnhalle. „Wenn wir Bewegungseinheiten machen möchten, räumen wir halt im Gruppenraum die Tische zur Seite“, sagt Margot Hess. Ein zumeist klagloser Pragmatismus, der wie eine zweite Welle durchs Ahrtal fließt.

Schlamm und giftige Flüssigkeiten in allen Ritzen

Die erste Zeit war freilich hart. Durch das Gebäude in dem einst so malerischen Örtchen Dernau etwas flussaufwärts von Bad Neuenahr-Ahrweiler rauschte in jener Flutnacht mannshoch das dreckige Wasser. Zurück blieben Schutt und Schlamm und giftige Flüssigkeiten in allen Ritzen. „Das war mal mein schönes geheiligtes Reich“, sagte Leiterin Margot Hess, als sie unserer Zeitung beim ersten Besuch Anfang August das entkernte Gebäude zeigte. Damals hieß es noch, der Bau unweit der Ahr könne gerettet werden.

Kita wurde abgerissen

Jetzt ist er weg. Wo einst über 60 Kinder durch die Räume tobten, klafft nur noch ein tiefes Loch. „Das ist auch gut so“, findet Hess. „Die Gemeinde hat Fakten geschaffen.“ Ein paar Mal sei sie noch dort gewesen, habe wehmütig auf das Gebäude geschaut, in dem sie über 30 Jahre gearbeitet und irgendwie auch gelebt hat. „Das hat schon wehgetan“, sagt sie nachdenklich, dem Abriss habe sie nie zugeschaut. Aber dann leuchten ihre Augen wieder und sie sagt: „Wir freuen uns auf das Neue! Der Blick nach vorne macht Mut.“

Optimistischer Blick nach vorne

Die Pläne für einen Neubau der Kita liegen bereits auf ihrem improvisierten Schreibtisch in Holzweiler. „Die haben einfach gehandelt“, sagt sie – und freut sich, dass die Entscheidungen im kleinen Dernau offenbar schneller fallen als im größeren Bad Neuenahr-Ahrweiler, wo andere Kitas noch auf den Bagger warten. Das neue Gebäude werde größer, voraussichtlich gar zweistöckig. „Viel nachhaltiger, funktioneller, zeitgemäßer – das hat auch ganz viel Gutes.“

Bilder der Verwüstung sorgen für große Anteilnahme

Noch ein Provisorium

Doch bis es so weit ist, wird noch viel Zeit vergehen. Die verbringt die Kita zunächst im Dorfgemeinschaftshaus in Holzweiler. Anfang des neuen Jahres aber zieht sie um in ein eigens eingerichtetes Containerensemble in Mariental, einem Nachbardorf von Dernau.

Angemerkt: Der Wiederaufbau in den Köpfen

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