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Fußball

Der Eiserne Traum: «Wir spielen fucking» Europa League

Berlin (dpa)

Irgendwie können sie alle es noch nicht so recht begreifen. Im dritten Jahr steigert sich Union in der Bundesliga noch einmal. Fünfter Platz, Europa League. So geht es weiter.

Von Jens Marx, dpa

Berlins Grischa Prömel (M) jubelt mit seinem Teamkollegen nach seinem Treffer zum 1:0. Foto: Andreas Gora/dpa

Urs Fischer bekam es gleich mehrfach ab, die Fans durften sich über 40 Fässer Freibier freuen. Nach dem Einzug in die Europa League verwandelte sich die Alte Försterei zur Partymeile. Vom «Europa-Balkon» aus mit den freudetrunkenen Anhängern zu Füßen bejubelten die überglücklichen Profis des 1. FC Union Berlin den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. «Ich kann ihnen die Stimmungslage sagen: Man muss sich kneifen, um es zu glauben», sagte Manager Oliver Ruhnert.

Elfter in der Aufstiegssaison, Siebter im zweiten Jahr in der Fußball-Bundesliga und nun Fünfter. Nur der FC Bayern, Borussia Dortmund, Bayer 04 Leverkusen und RB Leipzig waren besser. «Wir spielen fucking EUROPA LEAGUE», schrieb der Club bei Twitter.

Der Jubel: Er kannte keine Grenzen. Wie auch im Stimmungstempel in Berlin-Köpenick: 22.012 Zuschauerinnen und Zuschauer waren gekommen, sie erlebten ein Saisonfinale, das den Charakter dieser Mannschaft einmal mehr demonstrierte: Nie aufgeben. 3:2 in der 88. Minute nach einem 2:0-Vorsprung und dem 2:2-Ausgleich der Gäste des VfL Bochum. Erst die lange Ehrenrunde, dann der Jubel vom Balkon aus. Zwischendurch wurde Erfolgscoach Urs Fischer gleich mehrfach von seinen freudetrunkenen Spielern mit Bier übergossen. «Mal die Gefühle und Emotionen rauslassen und sich ein wenig von den Fans tragen lassen - einfach alles aufsaugen, was noch geht», sagte Torschütze Grischa Prömel.

Die Garanten: Es gibt einige. Prömel, der Vizekapitän, der auch mit ein bisschen Wehmut zur TSG 1899 Hoffenheim wechselt, ist einer. Taiwo Awoniyi, Doppeltorschütze gegen Bochum und mit 15 Treffern Unions Rekordgoalgetter, ist ein anderer. So wie Christopher Trimmel, das Sinnbild von Einsatz, der Kapitän der Eisernen. Max Kruse war einer bis zu seinem Weggang Ende Januar. Über allem steht aber Fischer. Der 56 Jahre alte Schweizer tut sich selbst schwer zu erklären, warum es mit ihm und seiner ruhig-besonnen Art in dem stimmungsgewaltigen Umfeld so funktioniert. Nach einer weiteren (unfreiwilligen) Bierdusche mitten in der Pressekonferenz fand Fischer immerhin schon mal einordnende Worte für das Erreichte: «Wahnsinn, fantastisch, außergewöhnlich.»

Die Aussichten: Mit dem Erreichen der Europa League steigt Union auch in eine neue Finanzliga auf. Die genauen Prämien-Zahlen für die kommende Saison sind zwar noch nicht bekannt. Im vergangenen Jahr bekamen die 32 Clubs in der Gruppenphase 3,63 Millionen Euro Startgeld. 630.000 Euro gab es für einen Sieg, 210.000 für ein Unentschieden. Der Gruppensieger erhielt 1,1 Millionen Euro, die Zweitplatzierten je 550.000. Für die weiteren Runden gab es weiteres Geld, unter anderem 2,8 Millionen für die Halbfinalteilnahme, 4,6 Millionen für den Einzug ins Finale. Dem Gewinner, in diesem Fall Eintracht Frankfurt oder Glasgow Rangers, winken weitere 4 Millionen Euro.

Der Fahrplan: Bis zum 20. Juni haben die Spieler nun erstmal Urlaub. Dann geht es mit der Vorbereitung auf die stressige neue Saison los. Die Bundesliga-Spielzeit beginnt am 5. August, der DFB-Pokal bereits zwischen dem 29. Juli und dem 1. August. In Sachen Europa League steht am 26. August die Auslosung an. Erster Spieltag der Gruppenphase ist am 8. September 2022. Und Union Berlin ist dabei.

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