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Dritte Spritzen gegen Corona: Ministerbrief in der Schublade

Düsseldorf (dpa/lnw)

Die Auffrischungsimpfungen gegen Corona laufen in den Altenheimen und Arztpraxen trotz einer fehlenden allgemeinen Empfehlung der Ständigen Impfkommission bereits auf Hochtouren. Über 185.000 Menschen in Nordrhein-Westfalen haben nach den Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Donnerstag bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten. Binnen eines Tages kamen knapp 14.300 Auffrischungen hinzu.

Von dpa

Eine Spritze liegt auf einem Impfpass. Foto: Friso Gentsch/dpa/Illustration

Wie aus einer Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein hervorgeht, machten die Auffrischungen bei den Arztpraxen der Region vergangene Woche 22 Prozent aller Corona-Impfungen aus. Das lag nicht weit von den Erstimpfungen entfernt, die einen Anteil von 28 Prozent hatten. Die Zweitimpfungen dominierten mit dem Anteil von 50 Prozent. Der Anteil der Auffrischungen steigt laut den KV-Daten sichtbar an. Das gehe zu einem großen Teil auf die Auffrischungen in Altenheimen zurück, die die Arztpraxen betreuen und die in die Zahlen einfließen.

Der Vorstandsvorsitzende der KV Nordrhein, Frank Bergmann, berichtete am Donnerstag von Nachfragen gerade der über 60-Jährigen, die wissen wollten, ob sie sich die dritte Impfung geben lassen könnten. «Eine allgemeine Empfehlung für die dritte Impfung - die steht noch aus. Damit ist wahrscheinlich in den kommenden Wochen zu rechnen», erklärte Bergmann mit Blick auf die Ständige Impfkommission (Stiko).

Der Impfschutz ende aber nicht nach sechs Monaten, man könne mit Bedacht in dieser Frage vorgehen. «Bisher wird es nach individuellem Ermessen und unter Beurteilung der individuellen Patientensituation gemeinsam entschieden», erläuterte er. Die Pflegeeinrichtungen, deren Bewohner aufgrund des Alters und Vorerkrankungen besonders zu schützen seien, stellten einen Schwerpunkt bei Auffrischungen dar.

Bei der KV Westfalen-Lippe machen die Auffrischungen, die auch Boosterimpfung genannt werden, bereits mehr als ein Viertel aller Corona-Impfungen aus. Nach jüngsten Berichten der KVWL betrug der Anteil in der vergangenen Woche über 26 Prozent bei den Arztpraxen und in den ersten beiden Tagen der laufenden Woche mehr als 25 Prozent. In den Impfzahlen der Arztpraxen sind auch die Impfungen enthalten, die die Ärzte in den von ihnen betreuten Heimen vernehmen.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat nach eigenen Angaben bereits ein Schreiben zu den Auffrischungsimpfungen an die Millionen über 80-Jährigen Bürger in NRW verfasst, das er aber nach seiner Ansicht noch nicht verschicken kann. Denn von der Stiko gebe es noch keine konkrete Empfehlung zu den Auffrischungsimpfungen, sagte Laumann im Gesundheitsausschuss des Landtages am Mittwochabend.

«Der Brief ist fertig», betonte er. Die Stiko-Empfehlungen spielten eine große Rolle bei den Entscheidungen des Ministeriums, und er sei eigentlich ein Fan der Stiko. Sie habe erklärt, dass sie eine gewisse Datenbasis brauche für ihre Entscheidung. Deshalb trete man ein wenig auf der Stelle in der Frage, die für viele Menschen hochwichtig sei.

Nach Absprachen der Gesundheitsminister der Länder werde bei den Auffrischungsimpfungen in den Altenheimen nicht auf die Empfehlung der Stiko gewartet. «Und das wird in Nordrhein-Westfalen zurzeit auch relativ stark gemacht», erklärte Laumann im Gesundheitsausschuss.

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