«Druck drauf»: Verkehrsminister will Radwegebau fördern

Gelsenkirchen (dpa/l

Der Bau des Vorzeigeprojekts Radschnellweg Ruhr zieht sich schon einige Zeit hin. Auch NRW-Verkehrsminister Wüst hätte es gern schneller. Der Fahrradverband ADFC sowieso.

Von dpa

Auf dem Liegerad fährt Peter Hoffmann mit seinem Hund Charly über die neue Straße. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) will den Fahrradwegebau voranbringen. «Der Druck steigt, weil sich immer mehr Menschen E-Bikes und Pedelecs kaufen», sagte Wüst am Freitag bei der offiziellen Eröffnung eines weiteren Teilstücks des Radschnellwegs Ruhr (RS1) in Gelsenkirchen. Das Fahrrad biete jenseits des Freizeitsverkehrs die Möglichkeit, Menschen mobil zu halten, «auch beim Pendeln von und zur Arbeit», so Wüst. «Dafür brauchen wir die Infrastruktur. Deswegen muss da Druck drauf, deswegen müssen wir da schneller werden. Es kann ja keiner damit zufrieden sein, dass dieser Radweg nicht schon längst fertig ist.»

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) kritisierte den schleppenden Ausbau des RS1. «Zwar sind insgesamt laut Verkehrsministerium rund 15 Kilometer befahrbar, aber erst rund fünf Kilometer sind in den vergangenen zehn Jahren komplett fertiggestellt worden im Radschnellweg-Standard – also mit Top-Oberfläche, Markierungen und Beleuchtung. Es geht einfach zu langsam», erklärte Anna Limbach vom ADFC-Landesvorstand. Dass der RS1 noch nicht fertig sei, sei eine große Enttäuschung für viele Radpendler. Sie müssten sich «weiterhin durch verstopfte Städte mit schlechter oder nicht vorhandener Radinfrastruktur quälen» und dabei ihre Gesundheit riskieren.

Der Radschnellweg Ruhr («RS1») soll dereinst auf 114 Kilometern das Ruhrgebiet durchqueren und Moers mit Hamm verbinden. Das erste Teilstück, eine Referenzstrecke zwischen Essen und Mülheim, wurde 2015 eröffnet. In Gelsenkirchen eröffnete Wüst einen 2,8 Kilometer langen Abschnitt. Er führt über die Trasse der früheren «Rheinischen Bahn» und verläuft entlang der Stadtgrenze zu Bochum. An einigen Stellen liegen neben dem Radweg noch Schienen im Gebüsch. Die rund 7,1 Millionen Euro teuren Bauarbeiten an dem Abschnitt hatten im Frühjahr 2019 begonnen.

Planung und Bau des RS1 kommen laut Landesbetrieb Straßen.NRW «gut voran». So habe in Dortmund und Bochum der Bau weiterer Abschnitte begonnen. Im Kreis Unna sei die Umweltverträglichkeitsprüfung nahezu abgeschlossen, so dass in Kürze mit der Planung der Streckenführung begonnen werden könne. In Essen wurde am Donnerstag eine neue Stahlbrücke freigegeben.

Besonders Berufspendler sollen die Strecke nutzen und dafür das Auto stehen lassen. Laut Straßen.NRW sind die Trassen für Fahrgeschwindigkeiten von bis zu 30 Kilometer pro Stunde ausgelegt. Nach Möglichkeit sollen Rad- und Fußweg getrennt verlaufen. Die Fahrradwege sollen mindestens vier Meter breit sein. Wann der RS1 auf der gesamten Länge fertig sein wird, ist noch offen.

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