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Brauchtum

Düsseldorfer Karneval: «Armin Merkel» und «Querdenkmal»

Ein bisschen Karneval in Corona-Zeiten: In Düsseldorf rollen am Rosenmontag acht der weltberühmten Satire-Wagen durch die Stadt. Aber es gibt Vorsichtsmaßnahmen - Menschenansammlungen sollen vermieden werden. Die Motive: Provokant wie immer.

dpa

Wagenbauer Jacques Tilly vor einem Motto-Wagen, dessen Figur eine Mischung aus Laschet und Merkel zeigt. Foto: Federico Gambarini

Düsseldorf (dpa) - Corona, «Querdenker» und Angela Merkel: Die Düsseldorfer Karnevalisten haben am Rosenmontag acht ihrer berühmten «Motto-Wagen» auf die Straße geschickt. Pandemiebedingt sollten die überlebensgroßen Karikaturen nicht als Zug, sondern getrennt voneinander durch die Stadt rollen. Die Route blieb streng geheim, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Dies sei eine Absprache mit Stadt und Polizei, so die Karnevalisten.

Wagenbauer Jacques Tilly präsentierte bei der Abfahrt unter anderem eine Corona-Figur, die den «Karnevals-Virus» klein macht, sowie Ex-US-Präsident Donald Trump am Spieß über Feuer. Einem «Querdenker» flog auf einem Denkmal das Hirn aus dem Kopf, eine Figur zeigte Armin Laschet (CDU) als Angela Merkel. Provokant: Ein Priester, der die Eichel eines männlichen Glieds als Hut trägt. Tilly nannte das Werk am Montag seinen «Lieblingswagen».

Künstler Tilly hatte nach Angaben des Comitee Carneval (CC) drei Wochen heimlich an den Wagen gearbeitet. Der Deutschen Presse-Agentur hatte Tilly am Montagvormittag zu den Wagen gesagt: «Es ist ein kleines Zeichen, dass wir noch am Leben sind.» Eigentlich sollte Tilly nur einen Wagen für eine TV-Sendung bauen, wie CC-Geschäftsführer Hans-Jürgen Tüllmann am Montag sagte. Dann habe man überlegt, ob man vielleicht drei macht - letztlich wurden es acht. Die Kosten habe das CC getragen, so Tüllmann.

Als letzten Wagen hatte Tilly nach eigenen Worten den Wagen mit Donald Trump gebaut - «wir wollten abwarten, wie das Impeachment-Verfahren ausgeht».

Um einen Blick auf die Motto-Wagen zu erhaschen, hatten sich bereits am Mittag einige verkleidete Karnevalisten vor der Einfahrt zur Wagenbauhalle postiert. Im strömenden Regen riefen sie den Wagen «Helau» zu.

Im Gegensatz zu einem «normalen» Rosenmontagszug wurden die Pappmaché-Figuren nicht im Schritttempo von Traktoren gezogen, sondern von Transportern. Die Fahrt durch die Stadt verlief entsprechend flott im normalen Verkehrstempo. An etlichen Stellen rund um die Königsallee hatten sich Neugierige mit Kameras postiert, die die Wagen fotografieren wollten. Die Chancen standen gut: So fuhren zwischen der Flaniermeile und der Altstadt immer wieder Figuren vorbei. Teilweise einzeln, aber auch mal im Duett.

Künstler Tilly hatte sich in seinem typischen roten Overall am nördlichen Ende der Königsallee postiert und guckte seinen eigenen Kreationen zu. Später wollte er noch mit seinem Team in der Wagenbauhalle ein bisschen Rosenmontag feiern - «natürlich ganz corona-konform».

© dpa-infocom, dpa:210215-99-449494/5

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