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Wesel

Entwarnung nach Waffen-Alarm an Schule: Keine Amoklage

Dinslaken (dpa)

Eine Waffe in der Hand eines Jugendlichen im Keller einer Schule hatte am Mittwoch einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Jetzt steht fest: Es handelte sich um eine Schreckschusswaffe - keine Gefahr für Schüler und Lehrer.

Von Rolf Schraa, dpa

Polizei steht in der Nähe einer Schule. Foto: Erwin Pottgießer/TNN/dpa/Archivbild

Nach einem Großeinsatz der Polizei mit SEK-Kräften an einer Dinslakener Gesamtschule vom Mittwoch haben die Ermittler am Freitag Entwarnung gegeben. Es habe keine Gefahr bestanden, niemand sei bedroht worden, teilte die Polizei am Freitag mit. Bei der von einem Schul-Mitarbeiter beobachteten Waffe handele es sich um eine Schreckschusspistole.

Ein Mitarbeiter der Gesamtschule am Niederrhein hatte am Mittwochmittag in einem Kellerraum einen Jugendlichen gesehen, der mit einer Schusswaffe hantiert haben soll. Als der Jugendliche den Mitarbeiter bemerkt habe, sei er geflohen. Die Schule war abgesperrt und durchsucht worden. Die rund 800 Schüler und ihre Lehrkräfte mussten in ihren Klassenzimmern warten. «Das geht nicht anders, wenn wir die Mitteilung bekommen «Waffe gesichtet»», sagte ein Weseler Polizeisprecher.

Der Alarm hatte für erhebliche Unruhe gesorgt. Hunderte Schüler der Ernst-Barlach-Gesamtschule mussten sicherheitshalber weit über den regulären Schulschluss hinaus stundenlang in ihren Klassenzimmern bleiben, bis sie unter Polizeibegleitung die Schule verlassen konnten - darunter ein insulinpflichtiges Kind.

Die Kinder hätten in ihren Klassenzimmern gesessen und anfangs nicht mal auf die Toilette gehen können. Sie hätten aber sehr diszipliniert auf die Situation reagiert, berichtete die Dinslakener Bürgermeisterin Michaela Eislöffel (parteilos), die auch zu der Schule gekommen war. Besorgte Eltern vor der abgesperrten Schule hätten per Handy Kontakt mit ihren Kindern gehalten und sie beruhigt. Wer Durst hatte, konnte aus dem Wasserkran im Klassenzimmer trinken. Erst gegen 18.30 Uhr konnten die Schüler die Schule verlassen.

«Gott sei Dank ist nichts passiert», sagte Eislöffel, «aber Angriffe sind jederzeit möglich. Das muss uns bewusst sein.» An der Schule habe es erst rund eine Woche vor dem Einsatz eine Fortbildung zum Verhalten bei Amoktaten gegeben.

Die Polizei hatte drei junge Männer festgenommen - zwei 16-jährige Schüler der Schule und einen 19-Jährigen. Sie seien inzwischen wieder auf freiem Fuß, so die Polizei. Der 19-Jährige habe sich am Donnerstag bei der Polizei gemeldet und die Beamte zu der Waffe geführt, die er vergraben hatte, so die Mitteilung. In welcher Beziehung der 19-Jährige zu den Schülern stand, wurde nicht mitgeteilt.

Die Polizei hatte die Situation als Gefahren-, aber ausdrücklich nicht als Amoklage eingestuft. «Bei einer Amoklage wären sofort Interventionsteams in die Schule gegangen und hätten versucht, den Täter auszuschalten», sagte der Weseler Polizeisprecher.

Der Fall erinnert an den Polizeieinsatz in Essen vor zwei Wochen. Dabei hatte die Polizei nach Hinweisen einen 16-jährigen Schüler festgenommen und Explosivstoffe und Rohrkörper für 16 Bomben beschlagnahmt. Damit habe die Polizei womöglich «einen Alptraum verhindert», hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) danach gesagt.

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