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Kolpingwerk fordert Wandel in der Familienpolitik

„Familien dürfen nicht Krisen-Verlierer sein“

Düsseldorf

Büro zu Hause, Unterricht zu Hause: Familie und Beruf in Einklang bringen, das hat mit Corona ungewollt eine sehr ironische Bedeutung bekommen. Denn für die meisten Eltern war es erzwungen, aber kaum praktikabel. Beim Lockdown habe der Staat den Familien viel zu viel zugemutet, habe nur einzelne Mitglieder wegen ihrer Berufe für systemrelevant erklärt, obwohl es eigentlich alle Familien waren: „Familien dürfen nie wieder Verlierer oder Opfer einer Krise werden.“ Diese Feststellung möchte das Kolpingwerk in NRW am liebsten in Stein gemeißelt sehen. 

Hilmar Riemenschneider

Der Kolping-Landesvorsitzende und CDU-Abgeordnete im Landtag, Stefan Nacke Foto: pd

Sie steht ziemlich am Anfang der „Coesfelder Erklärung“, in der die katholische Organisation mit rund 90.000 Mitgliedern in NRW als Lehren aus Corona einen grundlegenden Wechsel in der Familienpolitik fordert. Für den Landesvorsitzenden Stefan Nacke keine einfache Lage: Als Landtagsabgeordneter der CDU ist er Teil der Regierungsfraktionen.

„Familienpolitik muss mehr sein als nur Kita-Politik“, fordert das Kolpingwerk mehr als nur einen Paradigmenwechsel. Es ist eine Systemfrage. Vor allem müsse das Familienministerium neu zugeschnitten werden: Alle relevanten Politikfelder von Wohnen über Bildung und Arbeit bis zum Sozial­bereich müssten da zu­sammengefasst werden. „Wir bräuchten eigentlich Lebensverlauf-Ministerien“, bekräftigte Nacke. Die Regierungsstruktur passe nicht zu den Lebensphasen der Menschen: „Die Folge ist, dass die Perspektive des Lebens­verlaufs fehlt, wenn Gesetze geschrieben werden.“ Für die Bürger werde Politik so viel besser begreifbar. Die müsse sich viel stärker an den Beziehungsformen der Menschen orientieren, unterstreicht Nacke. „Derzeit orientiert sich der Sozialstaat am Individuum.“

Das Kolpingwerk will erreichen, dass bei allen Gesetzesvorhaben im Vorfeld die Auswirkungen auf Familien geprüft und berücksichtigt werden. Wie längst für die Wirtschaft mit Clearingstellen installiert, müsse es auch eine Clearingstelle für Familien geben. Bayern sei da mit seiner Familienforschungsstelle vorbildlich, sagt Nacke. „Eine solche Institution täte uns auch in Nordrhein-Westfalen gut.“

Für die schwarz-gelbe Koalition sind die Kolping-Forderungen starker Tobak, weil sie die Ressort-Aufteilung zwischen CDU und FDP auf den Kopf stellen. Nacke ist das bewusst: „Wir verstehen uns als Impulsgeber der Landespolitik.“

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