1. www.wn.de
  2. >
  3. Nrw
  4. >
  5. Forscher-Nachwuchs stellt der Kanzlerin einzigartige Junior-Uni vor

  6. >

Physikerin Merkel im Praxistest

Forscher-Nachwuchs stellt der Kanzlerin einzigartige Junior-Uni vor

Wuppertal

Wenn es ums Praktische geht, ist Bundeskanzlerin Angela Merkel unzufrieden mit sich: „Ich habe gerade schon versagt beim Fön“, sagt sie schmunzelnd, als sie am Montag bei ihrem Besuch in der Wuppertaler Junior-Uni zu einem weiteren physikalischen Experiment gebeten wird. „Nicht umsonst bin ich theoretische Physikerin.“

Hilmar Riemenschneider

Genau hinsehen – und dann loslassen: Kanzlerin Angela Merkel macht an der Junior-Universität in Wuppertal mit den Schülern ein Experiment zur Rutschfestigkeit von Oberflächen. Foto: dpa

Einige Minuten zuvor hat sie gerade versucht, einen gelben Tischtennisball im Luftstrom eines Föns tanzen zu lassen. Was Ministerpräsident Armin Laschet neben ihr spielend gelingt, fällt Merkel nicht so leicht. „Ich fand das schon lustig, dass sie das nicht hinbekommen hat“, meint später er elfjährige ­Alwin. Er hat mit seinem Lernpartner Simon (12) der Kanzlerin an diesem Experiment erklärt, wie die so­genannte Bananenflanke im Fußball funktioniert, bei der der Ball im Bogen zwischen trägen und schnellen Luftmassen zu rotieren beginnt.

Lernen ohne Druck und Noten

„Sport trifft Wissenschaft“, ist eines von vielen Programmen, mit denen die bundesweit einzigartige Junior-Uni Wuppertal jährlich rund 8000 Mädchen und Jungen vor allem aus dem Bergischen Land zu kleinen Forschern macht. Die Jüngsten sind vier Jahre alt, die Ältesten machen gerade ihr Abitur. „Wir lehren das ­Lernen mit Freude – ohne Druck, ohne Noten“, bringt Professor Ernst-Andreas Ziegler das Selbstverständnis der 2008 von ihm gegründeten Institution in eine griffige Formel.

150 Dozenten

Die Junior-Uni bietet dem Forscher-Nachwuchs mit 150 Dozenten eine Vielzahl an Kursen zu unterschiedlichen Themen an, um Lust am experimentieren zu wecken. Vier Einheiten je 90 Minuten kosten dabei nur fünf Euro, für sechs Ein­heiten werden 7,50 Euro berechnet. Der größte Teil des 1,5 Millionen Euro großen Budgets kommt von Förderern. Die hören es gerne, dass Laschet als Schirmherr der Junior-Uni verspricht, er denke über ein Engagement des Landes nach.

Wahre Forscher-Leidenschaft

Viele Kinder kommen immer wieder, manche über Jahre hinweg. Und einige von ihnen entwickeln dabei eine wahre Forscher-Leidenschaft, wie Antonia. Sie bittet Merkel zu einem weiteren Experiment, das die 17-Jährige selbst bei der Deutschen Physikmeisterschaft für Schüler vorgestellt hat: Sie zeigt, wie bei einer um eine Stange gelegten Schnur mit zwei unterschiedlichen Gewichten das leichtere den Fall des schweren Endes ausbremst, wenn man es pendeln lässt. Angela Merkel gelingt das erst im zweiten Anlauf. Als sie von Antonia erfährt, dass sie ein halbes Jahr an der mathematischen Berechnung des Experiments ge­tüftelt hat, fühlt Merkel sich an ihr Physik-Studium erinnert. Jetzt bekommt sie Lust am Fachsimpeln.

Roboter-Fahrzeug aus Lego

Aber die Zeit drängt. Und die promovierte Physikerin will noch mit den sieben- bis zehnjährigen Mädchen und Jungen sprechen, die ihr vorher gezeigt haben, wie sie ein Roboter-Fahrzeug aus Lego so programmieren können, dass es vor Hindernissen stoppt. Und bei den Jüngsten legen Merkel und Laschet selbst mit Hand an ein Seil, um mit ihnen geometrische Formen zu bilden.

Sie sei beeindruckt, wie die Junior-Uni mit einfachen Mitteln und sehr praktisch arbeite, resümiert Merkel. Das werde sie nicht ver­gessen. Ob sie glaube, dass sie mit der Junior-Uni besser in Mathe oder Chemie werde, fragt sie noch eine Schülerin. Die schätzt sich eher skeptisch ein. Aber die Bundeskanzlerin freut sich dennoch, „dass so viele Mädchen dabei sind, die hoffentlich über die Jahre nicht ­vergessen, wie toll Natur­wissenschaften sind“. In Wuppertal hören sie das ­gerne – und hoffen, dass ihre Idee Schule macht.

Startseite