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Freier Platz für Frau nach Stühlerücken im Deutz-Vorstand

Köln (dpa)

Vier Männer, aber keine Frau. So sah der Vorstand der Deutz AG bisher aus. Bei Nachbesetzungen muss sich das ändern. Überraschend kommt es jetzt zum Stühlerücken. Aktionärsschützer sprechen von einem «Super-Gau».

Von dpa

Stühlerücken in der ausschließlich von Männern dominierten Chefetage des Kölner Motorenbauers Deutz mit einem nunmehr freien Platz für eine Frau: Der Vorstandsvorsitzende Frank Hiller ist vom Aufsichtsrat einstimmig aus dem Vorstand abberufen worden, teilte die Deutz AG am Samstagabend mit. Er scheide mit sofortiger Wirkung aus. Den Vorstandsvorsitz übernehme der bisherige Finanzvorstand und Arbeitsdirektor Sebastian Schulte, der seine bisherigen Bereiche interimsweise weiterführe. Der Aufsichtsrat habe bereits einen Prozess aufgesetzt, um die Vakanz im Vorstand im Sinne des Zweiten Führungspositionen-Gesetzes mit einer Frau zu füllen.

Außerdem hat der Aufsichtsrat den Unternehmensangaben zufolge Dietmar Voggenreiter zum neuen Vorsitzenden des Kontrollgremiums gewählt. Der bisherige Vorsitzende Bernd Bohr habe den Chefposten niedergelegt und gehöre dem Aufsichtsrat weiterhin als Mitglied an. Voggenreiter sei seit Ende April 2019 Aufsichtsratsmitglied der Deutz AG und dadurch bereits mit dem Unternehmen und den anstehenden Aufgaben vertraut.

Der Vorstand umfasste bisher vier Männer. Ein Unternehmenssprecher bestätigte, dass es eine Diskussion über die Umsetzung der vorgeschriebenen Besetzung eines Vorstandspostens mit einer Frau gegeben habe und insbesondere darüber, wie das vorausschauend am besten erfolgen könne. Dabei habe es unterschiedliche Auffassungen gegeben. Am Ende habe der Aufsichtsrat die genannten Entscheidungen getroffen, sagte der Sprecher der Deutz AG am Sonntag auf Anfrage. Zuvor hatte es Medienberichte über die Differenzen gegeben.

Für große Unternehmen traten im August des vergangenen Jahres mit dem sogenannten Zweiten Führungspositionen-Gesetz neue Bestimmungen zur Besetzung von Spitzenpositionen mit Frauen in Kraft. Börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen mit mehr als 2000 Beschäftigten und mehr als drei Vorständen müssen nach den neuen Bestimmungen bei Nachbesetzungen in der Top-Management-Etage sicherstellen, dass mindestens eine Frau im Vorstand vertreten ist.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bezeichnete die Vorgänge bei Deutz als «Super-Gau». So etwas dürfe schlichtweg nicht passieren, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Hier müsse der Aufsichtsrat und vorne weg der Aufsichtsratsvorsitzende frühzeitig die Weichen stellen und Entscheidungen treffen. Die Vorgaben des Zweiten Führungspositionen-Gesetzes seien gerade für mittelständisch geprägte Unternehmen eine große Herausforderung.

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